Lehrermangel und keine Schulleiter - Wo in Dortmund der Engpass besonders groß ist

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Für mehr als 53.000 Kinder, davon 5089 Schulanfänger, beginnt der Schulalltag. Doch an vielen Schulen fehlen Lehrer und Schulleiter. Besonders eine Schulform ist betroffen.

Dortmund

, 28.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Manfred Hartisch an diesem Mittwoch seine Schülerinnen und Schüler an der Osterfeld-Grundschule in Eving begrüßt, ist es für ihn nach 38 Jahren als Lehrer und 17 Jahren als Schulleiter der letzte Start in ein neues Schuljahr. Anfang 2020, zum Ende des ersten Halbjahres, geht er in den Ruhestand.

Eine Nachfolge für die Schulleiterstelle ist schon in Sicht. Doch das ist längst nicht überall der Fall: An neun von 89 Dortmunder Grundschulen - also an jeder zehnten - ist der Chef-Posten zu Beginn des neuen Schuljahres nicht besetzt. Auch zwei Stellvertreter-Stellen sind vakant.

13 freie Schulleiter-Stellen

Die Grundschulen sind damit am stärksten vom Mangel an Schulleiterinnen und Schulleitern betroffen. Insgesamt sind die Leitungsposten an 13 Schulen in Dortmund unbesetzt. Zu den neun Grundschulen kommen je zwei Gymnasien und Gesamtschulen.

Das Besondere: Während an den weiterführenden Schulen die Stellen erst mit Ende des letzten Schuljahres freigeworden sind, warten einige Grundschulen schon seit Jahren auf Ersatz.

Nach den Daten der Bezirksregierung Arnsberg ist etwa die Schulleiter-Stelle an der Uhland-Grundschule schon seit Mai 2017, die Stellvertreter-Stelle an der Gilden-Grundschule schon seit August 2015 unbesetzt. „An den Grundschulen sind die Vakanzen oft längerfristig“, bestätigt Volker Maibaum als Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Dortmund.

Mehr Stunden nötig

Er sieht grundsätzliche Probleme: „Die Arbeitsbelastung macht die Leitungsstellen an den Grundschulen unattraktiv“, stellt Maibaum fest. Denn die Lehrerinnen und Lehrer müssten die Schulleitung in der Regel gewissermaßen nebenbei erledigen, würden nur wenige Stunden freigestellt. Deshalb müsse die so genannte Entlastungspauschale dringend erhöht werden, fordert Maibaum.

Nachgesteuert hat die Landesregierung immerhin schon bei der Bezahlung: Die Besoldung für Schulleiterinnen und Schulleiter an Grund- und Hauptschulen wurde angehoben.

Und auch auf anderem Wege wird versucht, die Übernahme von Schulleitungen zu erleichtern. Zum Schuljahr 2018/19 ist im Regierungsbezirk Arnsberg der Schulversuch „Top-Sharing“ in der Grundschule gestartet. Mit diesem Modell können sich zwei Lehrerinnen oder Lehrer die Schulleitung teilen. Damit kommt der Führungsjob auch für Teilzeitbeschäftigte in Frage. „Ziel ist, vor allem junge Frauen zu motivieren, Leitungspositionen zu übernehmen“, erklärt Christoph Söbbeler als Sprecher der Bezirksregierung.

Keine Nachfrage nach Top-Sharing

Aus Dortmund gibt es allerdings noch keine Nachfrage für das Top-Sharing-Modell, das grundsätzlich auch von der Lehrergewerkschaft GEW begrüßt wird. „Das Modell ist gut, braucht aber noch Zeit, um sich durchzusetzen“, sagt Volker Maibaum. Nicht zuletzt ist es zunächst auf fünf Projektschulen im Regierungsbezirk begrenzt. Große Hoffnung setzen Landesregierung wie Gewerkschaft auf die Einrichtung von Assistentenstellen, um die Lehrer und Schulleiter von bürokratischen Aufgaben zu entlasten.

Viele offene Lehrerstellen

Unbesetzt sind zum Start in das neue Schuljahr aber nicht nur viele Schulleitungen, sondern Lehrerstellen generell. An den Dortmunder Schulen treten in diesem Jahr zwar 200 neue Lehrerinnen und Lehrer ihren Dienst an. 89 Stellen sind nach Angaben der Bezirksregierung aber aktuell unbesetzt.

Besonders groß sind die Lücken hier an den Förderschulen, wo nur 11 der 25 offenen Stellen neu besetzt werden konnten (das entspricht 44 Prozent). Mangel herrscht auch an den Berufskollegs. Hier sind von 38 freien Stellen nur 18 neu besetzt worden. An den Grundschulen liegt die Besetzungsquote bei 76,7 Prozent. Hier sind aktuell 17 von 73 freien Stellen noch unbesetzt.

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