Thomas Rochan und Heike Abel-Rochan wollen rechtlich gegen die Landesregierung vorgehen. Dieses Foto entstand in einem Urlaub vor der Pandemie. © Privat
Verweigerte Schließung

Lehrerin aus Dortmund zeigt Landesregierung wegen Körperverletzung an

Körperverletzung durch Unterlassen: So lautet der Vorwurf, weswegen Heike Abel-Rochan und ihr Mann die Landesregierung anzeigen. Außerdem geht es dem Paar um Zehntausende Euro.

Bundesweite Aufmerksamkeit hat die Stadt Dortmund für ihr Vorhaben bekommen, die Schulen wegen steigender Corona-Zahlen zu schließen. Die Landesregierung hat abgelehnt – was jetzt zu einem Strafantrag unter anderem gegen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Schulministerin Yvonne Gebauer führt.

„Das ist erst mal ein symbolischer Akt“, sagt Thomas Rochan über den Schritt, den er mit seiner Frau gegangen ist: „Aber ich rechne mir zumindest ein Ermittlungsverfahren aus.“ Der Dortmunder ist verheiratet mit Heike Abel-Rochan, die an der Wilhelm-Busch-Realschule in Dorstfeld unterrichtet.

Kurz vor den Osterferien musste die Schule wegen Corona-Fällen schließen, der Lehrerin wurde Quarantäne verordnet. Hätte die Landesregierung Mitte März die von der Stadt Dortmund beabsichtigte Schulschließung zugelassen, hätten Krankheitsfälle und Freiheitsbeschränkungen verhindert werden können, meint das Ehepaar.

Weil dies nicht geschah, sehen die Dortmunder „Körperverletzung durch Unterlassen“ gegeben. Mit Bezug auf eine notwendig gewordene Quarantäne ist auch von „Freiheitsberaubung“ die Rede. Schuldig seien aus ihrer Sicht die verantwortlichen Ministerien und die Bezirksregierung.

„Ich bin relativ streitlustig geworden“

Juristen seien beide nicht, sagt Thomas Rochan, aber aus privatem Interesse habe er sich intensiv ins Thema eingelesen. „Ich bin relativ streitlustig geworden“, sagt er: „Ich sehe nicht ein, dass so vieles auf unsere Kosten passiert.“

Unter anderem habe das Ehepaar Mehrkosten fürs private Internet dem Land bereits in Rechnung gestellt, weil man einen neuen Tarif fürs Homeschooling gebraucht habe. „Ich finde, man muss ein Zeichen setzen“, sagt der 61-Jährige.

Besonders ärgerlich ist für die Dortmunder, dass die Quarantäne-Anordnung (erst an Karfreitag läuft sie ab) die Osterferien torpediert. Geplant war eigentlich, in Schweden Häuser anzusehen, die man als Alterswohnsitz kaufen wollte. „In drei Wochen sind die für den Preis nicht mehr zu haben“, sagt Thomas Rochan.

Die Landesregierung habe ein vernünftiges Vorhaben aktiv verhindert

Im gemeinsamen Strafantrag formuliert das Paar: „Durch Verlust eines beabsichtigten Kaufvertrages und stornierte Buchungen entstand durch das Verhalten der Beschuldigten ein immenser materieller Schaden in Höhe von mehreren Zehntausend Euro, der Gegenstand eines anderen Verfahrens gegen das Land NRW wird.“

Die Stadt Dortmund habe „in vernünftiger und nachvollziehbarer Weise und in Fürsorgepflicht“ die Schulen schließen wollen, meinen die Dortmunder: „Dieses wurde aktiv von den Beschuldigten in verantwortungsloser Weise verhindert.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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