„Hier stimmt irgendwas nicht“: LEG-Mieter um ihre Sicherheit besorgt

dzLEG

Die Mieter in der Siepmannstraße haben nichts zu lachen. Ein kaputter Balkon und seit zwei Jahren keine Reparatur durch die LEG, dann flatterte der Vollstreckungsbescheid ins Haus.

Kirchlinde

, 28.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andrea (57) und Uwe (59) Lammersmann wohnen seit 1986 an der Siepmannstraße in Kirchlinde. Als sie eingezogen sind, wurden die Wohnungen noch von der Ruhr-Lippe Wohnungsgesellschaft vermietet. Vor rund 10 Jahren hat die LEG das Gebäude übernommen, seitdem geht es laut den Lammersmanns mit den Wohnungen „bergab“. „Die LEG will einfach nur Kosten sparen“, erklärt Uwe Lammersmann.

Ein kaputter Balkon

Vor zwei Jahren wollte er die Fliesen auf dem Balkon auswechseln, nachdem einige gebrochen waren. Als die Fliesen runter waren, offenbarten sich massive Schäden am Balkon, daraufhin kontaktierten die Lammersmanns die LEG.

Doch die habe nicht reagiert. Im nächsten Schritt kürzte das Ehepaar nach vorheriger Ankündigung die Miete um 3 Prozent. Das war am 1.6.2019 - vor knapp 14 Monaten. Erst nach der Mietkürzung habe die LEG erstmals einen Haustechniker geschickt, der die Risse als „leichte Schäden“ abgetan habe. Der Balkon sei weiterhin nutzbar. Familie Lammersmann beharrte auf ihrem Standpunkt, es folgten Mahnbescheide und ein Vollstreckungsbescheid.

Mit den Schäden an ihrem Balkon lebt Familie Lammersmann seit 2 Jahren. Die LEG habe die Schäden als unbedeutend klassifiziert.

Mit den Schäden an ihrem Balkon lebt Familie Lammersmann seit 2 Jahren. Die LEG habe die Schäden als unbedeutend klassifiziert. © Nora Varga

Doch außer den Bescheiden schickte die LEG auch einen zweiten Mitarbeiter in die Wohnung der Lammersmanns. Und der kam zu einem anderen Ergebnis als sein Kollege vorher. Die LEG hat dazu auf Anfrage unserer Redaktion geschrieben: „Leider hat sich der Schaden am Balkon der Siepmannstraße 1 im Laufe der Zeit erweitert. Nachdem wir von den Rissen Kenntnis erlangt haben, wurden sofort fachtechnische Untersuchungen eingeleitet.“ Zur Behebung der Schäden werden „Bauantragsunterlagen vom Bauamt“ benötigt, Corona-bedingt sei es noch nicht möglich gewesen, einen Termin dafür auszumachen. Der Vollstreckungsbescheid werde wieder zurückgenommen.

Nicht immer heißes Wasser und Risse im Gebäude

Der Balkonschaden ist jedoch nicht das einzige Problem in der Siepmannstraße. Es gebe immer wieder kein warmes Wasser, auch zu Weihnachten habe die Familie ohne warmes Wasser dagestanden. Die LEG erklärt, dass die „Probleme rund um die Warmwasserversorgung“ beseitigt worden seien. Die abschließende Reparatur habe am 1. Juli stattgefunden.

Die Risse in ihrem Haus an der Siepmannstraße rufen Besorgnis bei den Mietern hervor.

Die Risse rufen Besorgnis bei den Mietern hervor. © Nora Varga

Andrea Lammersmann zeigt uns im Keller einige Risse, die für den Laien besorgniserregend aussehen. Zum Teil wurden die Risse geflickt, sind aber wieder aufgerissen. Das Ehepaar macht sich Sorgen um seine Sicherheit und befürchtet, dass die Statik des Gebäudes gefährdet ist. Ein Vertreter der LEG habe ihre Sorgen bestätigt. Der Redaktion hat die LEG schriftlich mitgeteilt: „Auch hier wurde die Statik geprüft. Diese ist durch die Schäden nicht beeinträchtigt.“

Besonders die Risse direkt unter den Balkonen lassen bei Uwe Lammersmann alle Warnsignale aufleuchten.

Besonders die Risse direkt unter den Balkonen lassen bei Uwe Lammersmann alle Warnsignale aufleuchten. © Nora Varga

Trotzdem sind die Lammersmanns besorgt. Durch die Risse bröckelten immer wieder Putz und Teile der Fassade vom Gebäude. „Hier leben viele Familien mit Kindern“, erzählt Andrea Lammersmann, „was passiert, wenn einem Kind sowas auf den Kopf fällt?“

Kommunikationsprobleme in der LEG

Die Lammersmanns verweisen auch auf Kommunikationsprobleme innerhalb der LEG. So habe der LEG-Vertreter, der die Risse im Keller bewertet hat, auch die Schäden am Balkon des Ehepaares als gravierend eingestuft, ihnen versichert, dass die Mietminderung angemessen sei und der Balkon repariert werden müsse. Doch ausgerechnet kurz nach seinem Besuch erhielt das Ehepaar den Vollstreckungsbescheid, der eine Pfändung bedeutet hätte.

Seit die LEG das Gebäude verwaltet, sei der allgemeine Zustand schlechter geworden und Schäden würden nicht behoben.

Seit die LEG das Gebäude verwaltet, sei der allgemeine Zustand schlechter geworden und Schäden würden nicht behoben. © Nora Varga

Hierzu schreibt uns die LEG: „Wir bedauern die missverständliche Kommunikation gegenüber unseren Mietern und den fehlerhaften Erlass von Mahn- und Vollstreckungsbescheiden.“

Andrea und Uwe Lammersmann erklären, sie seien nicht die einzigen Mieter, die Probleme mit ihren Wohnungen hätten.

Ein Riss, der sich quer durch einen der Laubengänge zieht, wurde mit einer neuen Bodenplatte überklebt. Auch diese neue Platte reißt bereits wieder ein.

Ein Riss, der sich quer durch einen der Laubengänge zieht, wurde mit einer neuen Bodenplatte überklebt. Auch diese neue Platte reißt bereits wieder ein. © Nora Varga

Einer Mieterin mit Balkonschäden habe die LEG am Telefon erklärt, sie müsse ausziehen, damit der Balkon renoviert werden könne. „Die Mieter haben Angst“, beschreibt Andrea Lammersmann die Situation der Mieter in der Siepmannstraße.

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