Die Obergeschosse des früheren Kreiswehrersatzamtes am Rande des Burgwalls stehen seit Jahren leer. © Oliver Volmerich
Bauvorhaben

Leerstand: Stadt hat große Pläne für Gebäude direkt am Wall

Ein markantes Gebäude am Wallring steht seit Jahren leer. Jetzt hat sich die Stadt Dortmund als Eigentümerin die Karten gelegt, was sie mit dem Haus machen will.

Männern über 30 ist das Gebäude an der Nordseite des Burgwalls wohlbekannt. Hier fanden im Kreiswehrersatzamt bis zur Abschaffung der Wehrpflicht die Musterungen angehender Rekruten und Zivildienstleistender statt. Die Wehrpflicht ist Geschichte – und das Gebäude bald auch. Denn die Stadt Dortmund plant den Abriss.

Die Sicherheitsnetze, die an der Fassade gespannt sind, zeigen deutlich, dass das Haus schon bessere Tage gesehen hat. Erst 2016 hatte die Stadt das Bürogebäude zwischen Leuthardstraße und Johannisborn gekauft, nachdem der Bund das Kreiswehrersatzamt aufgegeben hatte. Hier wurden junge Flüchtlinge untergebracht.

Allerdings nur für kurze Zeit. Seit dem Sommer 2017 steht das siebengeschossige Gebäude ab dem 2. Obergeschoss leer. „Es weist einen erheblichen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf auf“, teilt die Stadt mit. Auch die Bausubstanz und die technische Ausrüstung entsprächen „nicht mehr den Anforderungen an ein funktionsgerechtes und modernes Verwaltungsgebäude“.

Machbarkeitsstudie empfiehlt Neubau

Ob sich eine Sanierung lohnt oder ein Abriss und Neubau sinnvoller ist, hat die städtische Liegenschafts-Verwaltung in einer Machbarkeitsstudie untersuchen lassen. Das Ergebnis ist eindeutig: Abbruch und Neubau sind die langfristig wirtschaftlichste Variante für den Standort. Die Pläne der Stadt sehen jetzt vor, nach dem Abriss ein neues Bürogebäude an dieser Stelle zu bauen, das Platz für bis zu 250 städtische Arbeitsplätze bietet.

Der Bedarf sei groß, teilt die Stadt mit. Die Anzahl der Beschäftigten der Stadtverwaltung Dortmund sei in den vergangenen Jahren gestiegen und in einigen Ämtern bestehe für das vorhandene und absehbar zusätzliche Personal Bedarf an zusätzlichen Büroflächen. Sämtliche Verdichtungen, Mehrfachbelegungen und Grundriss-Optimierungen in bestehenden Gebäuden seien bereits ausgeschöpft.

Weitere Büroflächen anzumieten, sei war schnell möglich, die Nutzung eigener Gebäude sei aber langfristig mit deutlich weniger Kosten verbunden, lautet die Erkenntnis der Liegenschafts-Experten. Perspektivisch sollen sogar städtische Ämter aus gemieteten Büros in eigene Immobilien umziehen.

Ein möglicher Kandidat für den Einzug in ein neues Bürohaus an der Leuthardstraße/Johannisborn wäre das Planungs- und Bauordnungsamt, das weiter wächst und bislang in Mietflächen auf der Südseite des Burgwalls untergebracht ist. Es sei eine Nutzung des Neubaus durch die technischen Ämter der Stadtverwaltung vorgesehen, heißt es offiziell.

Hohe Klimaschutz-Standards

Mit dem Neubau will die Stadt nebenbei auch in Sachen Baustandards mit gutem Beispiel vorangehen. „Bei dem Bauvorhaben sollen die Themen Klimaschutz, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im besonderen Maße Berücksichtigung finden und als Beispiel für zukünftige Bauten der Stadt Dortmund dienen“, heißt es. „So werden nicht nur neue Büroarbeitsplätze geschaffen, sondern auch ein wichtiger Schritt in eine klimafreundliche Zukunft getan.“

Für die Realisierung setzt die Stadt auf ein „Rundum-sorglos-Paket“. Über ein Vergabeverfahren will man für den Bau einen „Totalunternehmer“ suchen, der auch Planungsentwürfe und Klimakonzept liefert. Der Rat soll am 20. Mai über die Vorbereitung des Vergabeverfahrens entscheiden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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