Mit leerem Magen zur Schule: Diese Grundschule in Dortmund will das nicht hinnehmen

dzSchulobst- und -gemüseprogramm

Eine Dortmunder Grundschule hat vor Jahren eine Lösung gegen leere Schüler-Mägen gesucht. Die soll jetzt finanziell mehr unterstützt werden. Und das ist auch für andere Schulen eine Chance.

Marten

, 12.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Grundschüler, die am Nachmittag zur Hausaufgabenbetreuung von Margarte Konieczny kamen, hatten bis dahin noch nichts gegessen. „Die Kinder konnten sich vor lauter Hunger kaum auf die Hausaufgaben konzentrieren“, erzählt Konieczny.

Anfangs habe sie mit ihren Mitstreitern für Kekse und Müsli gesorgt, später habe sich ihre Idee mehr und mehr zu einem Frühstücksprojekt für alle Schüler der Steinhammer-Grundschule in Marten entwickelt.

2009 war die Martener Schule dann eine der ersten 355 Schulen, die an dem EU-Schulobst- und -gemüseprogramm NRW teilnahmen – und damit eine der Vorreiterinnen in Dortmund und ganz Deutschland.

Welches Obst und Gemüse auf den Tisch kommt, ist saisonabhängig

Seitdem stehen von montags bis freitags jeden Morgen gelbe Kisten auf einem Tisch in der Grundschule. Wer unter die Stoffabdeckung linst, sieht: Jede ist mit Obst, Gemüse und Müsli gefüllt. Vor der ersten großen Pause holen sich die Klassen je eine Kiste ab.

Mit leerem Magen zur Schule: Diese Grundschule in Dortmund will das nicht hinnehmen

Ein Großteil des Obsts und Gemüses kommt geschnitten in den Klassen an. © Carolin West

„Es ist nicht immer das gleiche Obst und Gemüse drin“, erklärt Schulleiterin Sabine Wahrenburg. „Das ist auch saisonabhängig.“ Wichtig sei der Schule allerdings, dass die Kinder sowohl regionale als auch exotische Sorten kennenlernen.

Obst und Gemüse kaufen die zehn ehrenamtlichen Mitarbeiter des Frühstücksprojektes beim örtlichen Rewe Karau und auf dem Markt. Aber woher kommt das Geld dafür?

Caritas-Gruppe „Heilige Familie“ unterstützt das Schulfrühstück

Die Grundausstattung für das Frühstücksangebot hat die Grundschule vor zehn Jahren mit Spendengeldern aus dem Ort finanziert. „Die Politik hat sich viel Zeit gelassen“, erklärt Margarete Konieczny die erste Finanzierung.

Seit die Schule Teil des EU-Programms ist, erhält sie Landesmittel. „Aber die reichen nicht aus, um alles zu bezahlen“, sagt Sabine Wahrenburg. Das übrige Geld stellt die Caritas-Gruppe „Heilige Familie“, auch Spenden der Martener und der Aktionsplan Soziale Stadt helfen.

Mit leerem Magen zur Schule: Diese Grundschule in Dortmund will das nicht hinnehmen

Die SPD-Politiker Anja Butschkau (l.) und André Stinka haben die Steinhammer-Grundschule besucht. © Carolin West

Der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, André Stinka, der die Grundschule am Freitag (8.11.) zur Frühstückszeit besuchte, versprach: „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Zuschüsse auf Landesebene erweitert werden – um das zu untermauern, sammeln wir Beispiele wie Ihres.“

Das Frühstücksprojekt wäre fast aufgelöst worden

Gemeinsam mit der örtlichen SPD-Landtagsabgeordneten Anja Butschkau möchte er sich für eine bessere Finanzierung des Frühstücksprojektes an den NRW-Grundschulen einsetzen. Inzwischen sind es jährlich mehr als 1000, die am Projekt teilnehmen.

Doch nicht nur die Finanzierung ist ein Problem für die Grundschulen. Oft fehlen auch Eltern oder Ehrenamtliche, die helfen. „Als Frau Konieczny vor drei Jahren eine Nachfolgerin suchte, gab es erst niemanden“, sagt Melanie Hördemann, deren Sohn die Schule besucht.

Mit leerem Magen zur Schule: Diese Grundschule in Dortmund will das nicht hinnehmen

Viele Ehrenamtliche kümmern sich um das Frühstücksprojekt. Melanie Hördemann (vorne, 3.v.r.) leitet es. © Carolin West

So weit habe sie es nicht kommen lassen wollen – und sich schließlich selbst gemeldet. „Ich erstelle jetzt Pläne, wer wann zum Zubereiten und Spülen kommt und kümmere mich um die Berechnung der Aufwandsentschädigung.“

Es werden noch Ehrenamtliche gesucht

Denn jeder Helfer erhält am Ende des Monats einen kleinen Geldbetrag für seine Mitarbeit. „Wir haben einfach gemerkt, dass das manchen hilft, sich für die Mitarbeit zu entscheiden“, sagt Margarete Konieczny.

Ein Ende des Projektes sei undenkbar gewesen. „Das Schulfrühstück ist enorm wichtig, denn manche Kinder bekommen trotz all unserer Bemühungen, beispielsweise beim Elternsprechtag, immer noch nichts von ihren Eltern“, sagt Sabine Wahrenburg.

Für Marten seien solche Projekte ein Gewinn – und vor allem auch für die Schüler. Deshalb hofft die Schule auf weitere Mithilfe. Wer sich engagieren möchte, kann sich bei Melanie Hördemann unter Tel. (01573) 941 99 19 melden.

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