Sind Dortmunds neue Ampeln ein Sicherheitsrisiko?

dzVerkehr

Immer mehr Ampeln in Dortmund stehen „nackt“ da: ohne Sonnenblenden vor Rot, Gelb und Grün. Das hat gute Gründe - bringt aber für manche Autofahrer Probleme mit sich.

Dortmund

, 09.05.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kreuzviertel steht eine Ampel, die seit Ende 2018 viele Verkehrsteilnehmer verzückt: In den Ampelphasen rot, gelb, grün leuchtet „I love U“ auf. Ein Alleinstellungsmerkmal der Ampel. Mit einem weiteren Merkmal gehört sie zu einer aussterbenden Ampel-Spezies: Vor ihren Lichtern sind noch Sonnenblenden, „Schuten“ genannt, montiert. Ende 2019 werden von den 630 Ampeln in Dortmund nur noch 200 ältere Schuten haben; in zehn Jahren sollen nach Angaben der Stadt an keiner einzigen Ampel mehr Schuten montiert sein.

Die Stadt setzt statt auf Ampeln mit Glühlampen längst auf LED-Leuchten. Sie verbrauchen weniger Strom und haben eine längere Lebensdauer. Und sie gelten auch bei Sonnenlicht als deutlich besser erkennbar – daher werden keine Schuten mehr verbaut. Zumal die Ampeln so nicht mehr gereinigt werden müssen: Ampeln ohne Schuten säubert der Regen.

Nachdem nun allerdings mehrere Leser die Redaktion darauf hingewiesen hatten, das Licht von Ampeln ohne Schuten nicht immer erkennen zu können, haben wir nachgefragt: Bei einer Mini-Umfrage auf der Facebook-Seite der Redaktion gab es 130 Kommentare; ein Dutzend Nutzer gab an, schon einmal Probleme bei der Erkennbarkeit von LED-Ampeln ohne Schuten gehabt zu haben.

„Je nachdem, wie die Sonne drauf scheint, sieht man nichts“

So auch Thomas Pianka, der bereits Sorge hatte, „das liegt an mir“. An der Sölder Straße vor der Brücke zur Vellinghauser Straße, könne er bei starkem Sonnenschein die Leuchten der Ampel regelmäßig nicht richtig erkennen. „Meine Hoffnung beruht immer darauf, dass ich nicht als Erster an der Ampel stehe.“ Auch an der Ampel an der Ruhrallee auf Höhe des Südbads gehe es ihm bisweilen so. Facebook-Nutzer Klaus hat es an Ampeln ohne Schuten ähnlich erlebt: „Je nachdem, wie die Sonne drauf scheint, sieht man nichts.“

„Über die Optik einer Signalanlage ohne Schuten kann man natürlich streiten.“
Sylvia Uehlendahl, Tiefbauamtsleiterin

Die Stadt, die seit 2016 bei Ampel-Neubauten keine Schuten mehr einsetzt und sich auf die LED-Technik verlässt, hat anfangs Rückfragen zum „veränderten Erscheinungsbild“ der irgendwie nackt aussehenden Ampeln erhalten. „Über die Optik einer Signalanlage ohne Schuten kann man natürlich streiten“, sagt die Leiterin des Tiefbauamtes, Sylvia Uehlendahl. Eine schlechtere Erkennbarkeit sei aber bislang nicht bemängelt worden.

Gegenüber der Redaktion bemängeln sehr wohl Autofahrer die Erkennbarkeit von LED-Ampeln ohne Schuten. Ein Leser, dem das Problem im April ständig aufgefallen ist, hat der Redaktion zwei Fotos geschickt: Eines zeigt die Ampel an der Ecke Hamburger Straße/Franziskanerstraße bei Sonnenschein, das andere an einem bewölkten Tag. In der Tat ist das Licht auf dem ersten Bild nur schwer zu erkennen.

Sind Dortmunds neue Ampeln ein Sicherheitsrisiko?

Ein Leser hat uns dieses Foto von der Ampel an der Ecke Hamburger Straße/Franziskanerstraße geschickt: An sonnigen April-Tagen habe er immer wieder Probleme gehabt, das Ampellicht zu erkennen. © privat

Sind Dortmunds neue Ampeln ein Sicherheitsrisiko?

Zum Vergleich schickte uns der Leser ein weiteres Foto, aufgenommen an einem bewölkten Mai-Tag: Die Ampellichter sind problemlos zu erkennen. © privat

ADAC-Experte sagt: „Es kann zu Problemen kommen“

Bei der Stadt kann man sich so recht keinen Reim darauf machen. Ein Sprecher verweist darauf, dass viele Autofahrer bei starker Sonne blinzeln müssten und jedes Auge unterschiedlich ist. „Aus Sicht der Stadt gibt es keine Probleme bei der Erkennbarkeit der Signale“, sagt Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl. Die Frontscheiben vor den LED-Lichtern seien farblos – auch sie würden die Sichtbarkeit nicht beeinträchtigen.

Dirk Krüger, Leiter für Technik und Verkehr beim ADAC, bekräftigt, dass LED-Ampeln als deutlich besser erkennbar gelten denn alte Ampeln mit Glühlampen. Er sagt aber auch: „Das heißt nicht, dass LED-Lampen immer und unter allen Umständen erkennbar sind. Es mag Kombinationen aus Ampelposition, Lage der Fahrspuren und Sonnenstand geben, die so ungünstig sind, dass es doch zu Problemen kommen kann.“ Sollten sich Beschwerden zu einer Ampel häufen, wäre aus Krügers Sicht eine Ortsbesichtigung ratsam: „Möglicherweise wären die klassischen Schuten – auch wenn sie nicht vorgesehen sind – tatsächlich eine Lösungsmöglichkeit. Dies zu beurteilen, ist aber die Aufgabe von Fachleuten.“ Damit liegt der Ball bei den Bürgern, die am besten wissen, wo Ampelleuchten nicht gut erkennbar sind. Und bei der Stadt, indem sie Hinweise prüft.

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