Lebende Rasenmäher für die Stadt im Einsatz

DORTMUND Landschaftspflege wird im Rathaus immer mal wieder durchgekaut. Wie das praktisch aussieht, ist zurzeit in Menglinghausen zu beobachten. Dort beißen im Auftrag der Stadt 160 Schafe und Ziegen für den Naturschutz ins Gras – wie an fünf weiteren Stellen im Stadtgebiet.

von Von Gaby Kolle

, 24.07.2008, 17:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Umweltamtsleiter Dr. Wilhelm Grote mit 160 Schafen und Ziegen,  die zurzeit in Menglinghausen  für die Stadt im Einsatz sind.

Umweltamtsleiter Dr. Wilhelm Grote mit 160 Schafen und Ziegen, die zurzeit in Menglinghausen für die Stadt im Einsatz sind.

Seit Anfang Juli beschäftigt die Stadt 680 Heidschnucken, Heidschnucken-Mufflon-Mischlinge, diverse Schafrassen und 36 Ziegen als lebende Rasenmäher. Die Tiere von zwei Schäfereien halten Ausgleichsflächen, Naturschutzflächen und öffentliche Grünanlagen, z.B. Brach- und Wiesenflächen, Streuobstwiesen und Bachtäler in Schuss. Insgesamt rund 50 Hektar, u.a. in Deusen (250 Tiere) und am Schürener Feld (100 Tiere). „Wir haben diese Bewirtschaftungsform gewählt, weil sie seit mehr als 4000 Jahren erprobt ist, kaum Lärm und keine Trittschäden verursacht“, erklärt der Leiter des Umweltamtes, Dr. Wilhelm Grote. Auch am Preis für die nachhaltige Nutzung gibt‘s nicht zu meckern und zu blöken. Schafe und Ziegen mähen einen Quadratmeter für vier Cent. Wenn sie Flächen in Siedlungsnähe oder Streuobstwiesen wegen der Ästhetik zwei Mal im Jahr beackern, kostet das die Stadt insgesamt 6 bis 7 Cent pro Quadratmeter.Die Schafe sind die Feinschmecker, Heidschnucken sehr genügsam, Ziegen Allesfresser, erläutert Schäferin Beate Fröhlich-Heinz (49) aus Recklinghausen. Sie lässt alsDienstleisterin alle ihre 640 Tiere im Auftrag der Stadt grasen. Und es wird so lange an einer Stelle gefressen, bis die mit einem Elektronetz eingezäunte Wiese ausgehungert ist von Brennesseln, Disteln und Brombeeren und die Ziegen unerwünschte Gehölze weggebissen haben. Grote: „Die Flächen sollen nicht verwalden.“ Man müsse die Tiere auch schon mal zwingen, das trockene Gestrüpp abzugrasen, bis es wirklich weg sei, sagt die Schäferin, selbst wenn ein paar Meter weiter frisches Grün lockt. In 14 Tagen sollten sie die 1,4 Hektar in Menglinghausen durchgekaut haben, einschließlich Disteln und Brennesseln. Lebender Rasenmäher zu sein, ist eben kein Zuckerschlecken.

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