Leben im Risikogebiet: Ein paar Meter fehlen zum Wellness-Wochenende

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Cordula Struck wohnt unmittelbar an der Dortmunder Stadtgrenze - allerdings in Unna und somit im Risikogebiet. Während ihre Nachbarn verreisen dürfen, musste ihr Urlaub storniert werden.

Dortmund

, 09.10.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von ihrem Grundstück aus kann Cordula Struck das Dortmunder Ortsausgangsschild mit der Hand berühren. Ärgerlich für die 44-Jährige, dass sie - zumindest momentan - auf der falschen Seite des Schildes lebt. Denn das kostet sie ihren wohlverdienten Urlaub.

Die unsichtbare Grenze

Die Gudrunstraße bildet eine unsichtbare Grenze: Die eine Seite gehört zum Dortmunder Stadtteil Wickede, die andere zu Unna-Massen. Cordula Struck lebt mit ihrer Familie auf der östlichen Seite der Gudrunstraße - und somit im Kreis Unna.

Ein Kreis, der die 7-Tage-Inzidenz in Sachen Corona am Donnerstag (8. Oktober) mit einem Wert über 50 berechnete und deshalb quasi über Nacht zum Risikogebiet ernannt wurde.

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Für die 44-Jährige hatte diese Einstufung bereits am Freitagmorgen (9. Oktober) unmittelbare Folgen: Der geplante Wellness-Urlaub wurde storniert. Umso ärgerlicher, da die nur wenige Meter entfernt lebenden Nachbarn auf der anderen Straßenseite weiterhin problemlos verreisen dürfen. Ein geringerer Inzidenzwert in Dortmund macht‘s möglich.

Krankenschwester und Mutter

Als Krankenschwester und vierfache Mutter ist es für Cordula Struck alles andere als einfach, sich ein paar Tage Urlaub nur mit ihrem Mann zu gönnen. Doch genau das war für das Wochenende vom 16. bis 18. Oktober geplant.

Eine Freundin hatte sich bereiterklärt, auf die vier Kinder aufzupassen, damit das Ehepaar Struck in einem hessischen Wellness-Hotel so richtig ausspannen konnte. Aber der Traum zerplatzte.

Das Haus der Familie Struck (rechts) befindet sich auf der östlichen Seite der Gudrunstraße, das zweifarbige Haus, in dem Hans Jürgen Nickel lebt, liegt auf der westlichen Seite. Die wenigen Meter Distanz zwischen den Gebäuden entscheiden über den Urlaub der Bewohner.

Das Haus der Familie Struck (rechts) befindet sich auf der östlichen Seite der Gudrunstraße, das zweifarbige Haus, in dem Hans Jürgen Nickel lebt, liegt auf der westlichen Seite. Die wenigen Meter Distanz zwischen den Gebäuden entscheiden über den Urlaub der Bewohner. © Michael Schuh

„Als ich erfuhr, dass der Kreis Unna zu den Risikogebieten zählt, habe ich morgens bei dem gebuchten Hotel angerufen, den Mitarbeiter darüber informiert und nachgefragt, wie es nun weitergeht“, erzählt die Unnaerin. Doch die Antwort war deprimierend: „Man sagte mir, dass die Buchung deshalb storniert würde.“

Negativer Test nicht akzeptiert

Zwar erfuhr sie bei dem Telefonat, dass für sie keine Kosten anfielen, aber eine weitere Hiobsbotschaft hatte das Hotel dennoch parat: Auch einen negativen Coronatest akzeptiere die Unterkunft nicht. „Da wir erst in einer Woche gefahren wären, hätte das zeitlich mit dem Test ja noch geklappt“, sagt Struck, „obwohl bei meinem Hausarzt momentan die Türen eingerannt werden.“

Doch die Flinte ins Korn werfen möchte die 44-Jährige trotz der niederschmetternden Neuigkeiten noch nicht. „Die nächsten zwei Tage werde ich nutzen, um herauszufinden, ob wir doch noch in den Urlaub fahren können und wenn ja, wohin. Denn wenn man schon mal jemanden hat, der auf die Kinder aufpasst, ist es umso trauriger, wenn aus der Reise nichts wird.“

Nur einen Steinwurf entfernt

Schräg gegenüber der Familie Struck, nur einen Steinwurf entfernt, wohnt Hans Jürgen Nickel im Haus Gudrunstraße 46. Die gerade Hausnummer weist darauf hin, dass dieses Gebäude zum Stadtteil Wickede gehört und somit auf Dortmunder Grund und Boden steht.

Aus dem Urlaub zurück

Wie es der Zufall will, ist Nickel gerade erst von einem Kurzurlaub zurückgekehrt - und zwar aus Hessen. Und wenn er wollte, dürfte er gleich wieder losfahren; schließlich liegen zwischen seinem Wohnort und dem Risikogebiet einige wenige Meter.

Von besonderen Maßnahmen habe er im hessischen Bad Wildungen nichts bemerkt, sagt Nickel: „Dort war es wie hier, alles war geöffnet. Im Hotel gab es sogar ein Büfett.“

Coronatest selbst bezahlen

Bei all den momentanen Vorsichtmaßnahmen und Vorschriften hat der Dortmunder allerdings ein Haar in der Suppe gefunden: „Alle rufen: ‚Macht Urlaub in Deutschland!‘ Aber wer dem folgt, der muss - im Gegensatz zu denen, die aus einem Risikogebiet im Ausland zurückkommen - den Coronatest selbst bezahlen. Das finde ich nicht richtig.“

Richtig hin oder her - für ein paar Tage Urlaub hätte Cordula Struck auch das auf sich genommen.

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