Eine Frau mit Maske läuft an einem Corona-Testzentrum vorbei. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Meinung

Lasst euch weiter testen – auch wenn ihr geimpft seid

Shopping und Feiern sind nicht die einzigen Gründe, sich auf Corona testen zu lassen. Unser Autor meint, es sind noch nicht mal die besten. Er fordert: Lasst die Testzentren offen und nutzt sie.

Es ist ein bisschen verrückt. Da haben wir tatsächlich in relativ kurzer Zeit eine Infrastruktur geschaffen, die – für deutsche Verhältnisse unbürokratisch – viel Unsicherheit aus einer Krise genommen hat. Und nun schafft sich diese Infrastruktur selbst ab, in dem Glauben, sie werde nicht mehr gebraucht. Das ist ein Irrtum. Gerade jetzt sollten wir Testzentren offen halten und sie nutzen.

60 Prozent der Menschen in Dortmund sind mittlerweile mindestens einmal geimpft. Die Inzidenz ist vergleichsweise niedrig und viele Test-Auflagen sind entsprechend weggefallen. Da reichen doch weniger Testzentren, oder?

Eine Impfung befreit nicht von der Verantwortung für andere

Wer so argumentiert begeht einen gedanklichen Fehler. Denn auch Geimpfte können sich mit dem Coronavirus infizieren. Sie werden in der Regel nicht schwer erkranken, merken vielleicht sogar gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Sie können den Erreger aber dennoch mit einer geringen Wahrscheinlichkeit weitergeben.

Für Ungeimpfte kann das zur Falle werden. Sie treffen – auch wegen der Gleichsetzung von Impfung und negativem Test – in Restaurants, Kneipen und Geschäften auf potenziell ansteckende Geimpfte.

Nochmal: Die Gefahr einer Übertragung durch Geimpfte ist nicht groß. Aber sie besteht – und lässt sich weiter reduzieren. Auch Geimpfte sollten sich also testen lassen. Am besten regelmäßig, zumindest aber bevor sie sich mit Menschen treffen, die noch nicht geimpft sind.

Jetzt ist die Zeit, um die Inzidenz gering zu halten

Die aktuell niedrige Inzidenz bietet wiederum eine Chance, die sich durch Tests nutzen ließe. Noch liegt Dortmund auf einem Niveau an Neuinfektionen, auf dem sich Infektionsketten – werden sie rechtzeitig erkannt – durchbrechen lassen. Und regelmäßige Tests sind der beste Weg, Infektionen früh zu erkennen.

Das gilt gleich doppelt, angesichts der mittlerweile dominierenden Delta-Variante. Sie ist ansteckender und auch dazu in der Lage, sich bei nur flüchtigen Begegnungen zu übertragen. Angesichts dieser Gefahr sollten gerade jetzt alle daran mitwirken, das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Der Aufwand sollte möglichst gering sein

Antigen-Schnelltests sind mittlerweile unkompliziert, digitalisiert, für Nutzer kostenfrei, gehen schnell und tun den meisten Menschen nicht weh. Ja, sie haben ihren Preis, den wir als Gesellschaft bezahlen. Aber der Preis einer neuen Infektionswelle wäre deutlich höher.

Angesichts dieser Vorteile sollte es so einfach wie möglich sein, sich regelmäßig testen zu lassen. Wer sich mal eben auf dem Weg zur Arbeit oder in die City abstreichen lassen kann, macht das eher, als wer dafür extra einen Umweg in Kauf nehmen muss. Also: Lasst die Testzentren offen! Und nutzt sie.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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