Landschaftsplan setzt auf Kompromisse für Jäger, Hundehalter und Natur

dzNatur in Dortmund

Sieben Jahre ist am Landschaftsplan für Dortmund gearbeitet worden. Jetzt liegt er der Politik zur Abstimmung vor - mit vielen Kompromissen. Denn nicht alle Streitpunkte sind ausgeräumt.

Dortmund

, 25.05.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie Dortmund im Jahr 2041 aussieht, kann niemand mit Gewissheit sagen. Für Natur und Landschaft in der Stadt gibt es jetzt aber zumindest einen Plan, wie sie sich in den nächsten 20 Jahren entwickeln sollen. Denn das legt der Landschaftsplan fest, der bald von der Politik verabschiedet werden soll.

Im Gegensatz zu Bebauungsplänen regelt der Landschaftsplan, wie die freie Landschaft in Dortmund aussehen und sich entwickeln soll. Immerhin geht es dabei um mehr als 40 Prozent des Stadtgebiets. „Und der Freiraum hat eine zunehmende Bedeutung“, stellt Umweltdezernent Ludger Wilde fest.

Alte Pläne werden ersetzt

Konflikte liegen dabei auf der Hand: Freizeit- und Erholungsnutzung und Naturschutz passen nicht immer zusammen - wie sich zuletzt etwa am Lanstroper See gezeigt hat.

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Der Landschaftsplan soll mit festen Regeln dazu beitragen, die Natur in Dortmund voranzubringen. Er ersetzt die drei alten Landschaftspläne für den Norden, die Mitte und den Süden des Stadtgebiets, die zum Teil schon 30 Jahre alt sind. Jetzt einen Landschaftsplan „aus einem Guss“ zu haben, sieht Oberbürgermeister Ullrich Sierau - lange Zeit selbst Umweltdezernent - als „Meilenstein“.

In den Naturräumen des Lanstroper Sees leben und nisten zahlreiche, auch seltene und störungsempfindliche Tiere.

In den Naturräumen des Lanstroper Sees leben und nisten zahlreiche, auch seltene und störungsempfindliche Tiere. © Oliver Schaper

„Für uns ist das Ausdruck und Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, sagt Sierau. „Wir legen großen Wert darauf, dass die Ökologie bei uns in Ordnung ist.“ Auch das aktuelle Thema Klimaschutz spielt dabei eine große Rolle, weil der größte Teil des Landschaftsraums etwa als Frischluftschneise zum Klimaausgleich beitrage.

Pflegemaßnahmen für die Natur

Der Freiraum wird mit dem Landschaftsplan zwar nicht größer, soll aber teilweise eine neue Qualität bekommen. Dazu werden Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen festgelegt. 18,5 Millionen Euro sollen in den nächsten 20 Jahren als Umsetzungsmittel zur Verfügung stehen, kündigt Wilde an.

Dazu kommen Ge- und Verbote. So soll ein Pestizid-Verbot auf landwirtschaftlichen Flächen gelten, bei der Waldpflege will man „mehr Wildnis“ wagen, Wildkraut-Pflanzen und Streuobst-Wiesen sollen gefördert werden. Für die Jagd gelten zeitliche Einschränkungen an bestimmten Gewässern, um dort brütende und rastende Vogelarten nicht zu stören.

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Nicht zuletzt geht es auch darum, den Schutz der Umwelt noch stärker ins Bewusstsein der Bürger zu bringen. Dazu beitragen soll, dass nun alle Dortmunder Wälder zu Naturschutzgebieten erklärt werden. Der Anteil der Naturschutzgebiete am Stadtgebiet steigt damit auf 10,6 Prozent. „Der Naturschutz-Anteil hat sich damit innerhalb von 20 Jahren verfünffacht“, bilanziert Sierau.

Die Karte zeigt die Naturschutzgebiete (hellrot) und Landschaftsschutzgebiete (grün), die nach dem Landschaftsplan vorgesehen sind.

Die Karte zeigt die Naturschutzgebiete (hellrot) und Landschaftsschutzgebiete (grün), die nach dem Landschaftsplan vorgesehen sind. © Stadt Dortmund

Das freut auch die Umweltverbände. Uneingeschränkt jubeln können sie allerdings nicht. Sie haben sich in den letzten Jahren intensiv in die Beratung des Landschaftsplans eingebracht. Insgesamt gingen mehr als 500 Bedenken und Anregungen ein - was auch dazu beitrug, dass die Erarbeitung des Planwerks satte sieben Jahre in Anspruch genommen hat.

Unterschiedliche Interessen

„Wir haben die Anregungen sehr ernst genommen und den Versuch unternommen, viele Interessen zu berücksichtigen“, versichert Dr. Uwe Rath als Leiter des städtischen Umweltamtes. Wobei die Interessen oft sehr unterschiedlich waren - etwa zwischen Naturschützern, Jägern und Hundehaltern.

Streitthema Anleinpflicht: Hunde dürfen in Naturschutzgebieten zwar ohne Leine laufen, allerdings nur auf den befestigten Wegen.

Streitthema Anleinpflicht: Hunde dürfen in Naturschutzgebieten zwar ohne Leine laufen, allerdings nur auf den befestigten Wegen. © dpa

Deshalb gibt es im Landschaftsplan jede Menge Kompromisse. Bestes Beispiel: Der freie Auslauf für Hunde. Er ist in den Wäldern, auch wenn sie jetzt Naturschutzgebiet sind, weiterhin erlaubt, wenn die Hunde auf den Wegen bleiben. Außerhalb des Waldes sind Hunde in Naturschutzgebieten immer an der Leine zu führen, lautet jetzt der Grundsatz. Damit gibt es nicht mehr wie früher unterschiedliche Regelungen zwischen alten und neuen Naturschutzgebieten, sondern nur noch nach Wald und „Nichtwald“.

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Ob und wie das kontrolliert werden kann, ist nur eine von vielen Fragen, die die Naturschützer noch haben. Sie sorgen sich angesichts aktueller Daten auch um den drastischen Rückgang von Insekten und Vögeln, die Folgen des Klimawandels oder auch Straßenbaupläne etwa zur Verlängerung der Brackeler Straße durch den empfindlichen Naturraum im Norden von Asseln und Wickede.

Viele Anregungen der Naturschützer

Von den Anregungen des Naturschutzbeirats seien im jetzt vorgelegten Landschaftsplan „etwa 25 Prozent ganz und 15 Prozent teilweise berücksichtigt worden, 60 Prozent wurden abgewiesen“, bilanziert der Beiratsvorsitzende Hans-Dieter Otterbein. Trotzdem fällt sein Fazit versöhnlich aus. „Der Landschaftsplan würde ohne unseren Beitrag anders aussehen“, stellt er fest.

Sie stellten den Landschaftsplan gemeinsam im Rathaus vor: Thomas Quittek (BUND), Umweltamtsleiter Dr. Uwe Rath, der Naturschutzbeirats-Vorsitzende Dr. Hans-Dieter Otterbein (links von oben), Umweltdezernent Ludger Wilde, Britta Perschbacher vom Umweltamt und Oberbürgermeister Ullrich Sierau (rechts von oben).

Sie stellten den Landschaftsplan gemeinsam im Rathaus vor: Thomas Quittek (BUND), Umweltamtsleiter Dr. Uwe Rath, der Naturschutzbeirats-Vorsitzende Dr. Hans-Dieter Otterbein (links von oben), Umweltdezernent Ludger Wilde, Britta Perschbacher vom Umweltamt und Oberbürgermeister Ullrich Sierau (rechts von oben). © Stadt Dortmund;Roland Gorecki;

So sieht es auch Thomas Quittek vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Wir stehen hinter dem Plan“, sagte er. „Er ist eine sehr gute Grundlage für die Sicherung des Naturhaushalts in Dortmund.“ Die Umsetzung sei „eine große Herausforderung, aber auch eine Chance für Natur und Landschaft.“

Beschlossen werden soll der Landschaftsplan vom Rat der Stadt am 18. Juni. Wenn danach auch die Höhere Naturschutzbehörde bei der Bezirksregierung in Arnsberg keine Bedenken hat, kann er im Herbst dieses Jahres in Kraft treten - für dann mindestens 20 Jahre.

Der Landschaftsplan in Zahlen

  • Der Flächenanteil der besonders geschützten Teile von Natur und Landschaft in Dortmund erhöht sich mit dem neuen Landschaftsplan von aktuell 39,6 auf künftig 41,18 Prozent des Stadtgebietes.
  • Der Flächenanteil der Naturschutzgebiete und geschützten Landschaftsbestandteile beträgt dabei 10,59 Prozent.
  • Dazu gehören 35 Naturschutzgebiete (2.706 ha), 48 Landschaftsschutzgebiete (8.584,5 ha), 139 geschützte Landschaftsbestandteile (266,9 ha) und 76 Naturdenkmale.
  • Der Grünanteil in Dortmund liegt insgesamt bei gut 63 Prozent. Denn innerstädtische Grünflächen, Parks und Friedhöfe werden vom Landschaftsplan nicht erfasst.
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