Lagerhalle in Flammen: „Ich hatte große Angst um unsere Wohnung“

dzGroßbrand in Dorstfeld

20 Personen mussten während eines Lagerhallen-Großbrands ihre Wohnungen verlassen. Ihre größte Sorge galt den zahlreichen Gasflaschen in unmittelbarer Nähe des Brandorts.

Dorstfeld

, 07.09.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christine und Rainer Blase und Wilfried Kalkreuter gehören zu den 20 Dorstfeldern, die in der Nacht von Samstag (5.9.) auf Sonntag (6.9.) unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden. Innerhalb weniger Minuten mussten sie ihre Wohnungen in der Straße „Auf dem Brümmer“/Iggelhorst verlassen, weil gegenüber eine 5000 Quadratmeter große Lagerhalle in Flammen stand. Erst nach rund fünf Sunden durften sie zurückkehren.

„Ich hatte große Angst um unsere Wohnung“, sagt Christine Blase am Montagvormittag (7.9.). Sie steht mit ihrem Mann und ihrem Schwiegersohn auf dem Bürgersteig gegenüber der Brandruine. „Die ganze Zeit habe ich befürchtet, dass etwas hochfliegt, auf unserem Balkon landet und dann die ganze Wohnung brennt“, erzählt sie.

Hausmeister Siegfried Tiburzy vor der Brandruine.

Hausmeister Siegfried Tiburzy vor der Brandruine. © Beate Dönnewald

Doch dieses Szenario hat sich glücklicherweise nur im Kopf der Anwohnerin abgespielt. „Der Wind stand günstig“, sagt ihr Mann – was auch aus einem weiteren Grund ein großer Segen war: Denn in unmittelbarer Nähe zum Brandort liegt die Firma Celortec, die unter anderem Industrie-, Flaschen- und Schutzgas vertreibt. Bis dorthin breiteten sich die Flammen glücklicherweise nicht aus.

„Feuerwehr hat einen excellenten Eindruck gemacht“

Angst um sich selbst hätten sie nicht gehabt, sagen die drei unisono. „Die Feuerwehr hat alles hervorragend koordiniert. Sie hat einen exzellenten Eindruck gemacht“, lobt Wilfried Kalkreuter. Man habe sich sehr sicher gefühlt, einzig die „mehrere 100 Kilo Propangas“ hätten ihnen ein wenig Sorgen bereitet.

Aktuell besteht Einsturzgefahr. Der Brandort ist abgeriegelt.

Aktuell besteht Einsturzgefahr. Der Brandort ist abgeriegelt. © Beate Dönnewald

Einige der Nachbarn, erzählt Wilfried Kalkreuter, seien nur mit einem Nachthemd bekleidet gewesen und hätten sich während des Feuerwehr-Einsatzes im bereitgestellten Versorgungsbus aufgehalten. Dort habe es sogar Getränke und Brötchen gegeben.

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„Wir haben die ganze Zeit draußen gestanden und alles aus sicherer Entfernung beobachtet“, so der Anwohner. Das Feuer habe sich in rasender Geschwindigkeit ausgebreitet. „Zu allem Überfluss hat sich eine Nachbarin noch einen Finger gebrochen. Sie ist damit am Treppen-Geländer hängengeblieben.“

Das Feuer hat einen immensen Schaden angerichtet. Laut Polizei liegt die Schadenshöhe vermutlich im siebenstelligen Bereich.

Das Feuer hat einen immensen Schaden angerichtet. Laut Polizei liegt die Schadenshöhe vermutlich im siebenstelligen Bereich. © Siegfried Tiburzy

Auch auf dem Firmengelände nebenan, das der Burghard Kleuser GmbH gehört, ist das Flammenmeer an diesem Vormittag ein Thema. „Ich habe habe um 3.13 Uhr die Feuerwehr angerufen, doch die Alarmanlage hatte sich schon um 3.06 Uhr gemeldet“, erzählt ein Augenzeuge. Er bewacht nachts das Areal, auf dem Schausteller-Wagen und -zubehör zwischenlagern.

Dieses Foto zeigt den hinteren Teil der Halle, wo das Feuer vermutlich ausgebrochen ist.

Dieses Foto zeigt den hinteren Teil der Halle, wo das Feuer vermutlich ausgebrochen ist. © Beate Dönnewald

Dach der Halle ist mit einem lauten Knall eingestürzt

Auch er habe aus Sicherheitsgründen das Gelände verlassen müssen. „Man konnte gar nicht so schnell gucken, wie sich das Feuer ausgebreitet hat. Das waren vielleicht 10 bis 15 Minuten.“ Mit einem großen Knall sei sehr schnell das Dach „samt 600 Solar-Panels“ eingestürzt, so der Augenzeuge.

So sah die Lagerhalle aus, bevor die Flammen sie zerstörten.

So sah die Lagerhalle aus, bevor die Flammen sie zerstörten. © Siegfried Tibzury

Weil Einsturzgefahr besteht, ist der Brandort am Montagvormittag komplett abgesperrt. Siegfried Tiburzy, Hausmeister der betroffenen Firma Stang Immobilien, steht vor den Resten der Lagerhalle.

Auf einem Handyfoto zeigt er, wie es hier vor dem Brand aussah. Eine Computer-Reyclingfirma und ein Online-Shop für Spirituosen hätten die Halle gemietet, erzählt Tiburzy. „Ich habe eine schlechte Nacht hinter mir. Schließlich geht es auch um unsere Arbeitsplätze.“

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Polizei geht von Brandstiftung aus und sucht Zeugen

Die Schadenshöhe ist noch nicht ermittelt. „Vermutlich wird sie im siebenstelligen Bereich liegen“, so ein Polizeisprecher.

Ein Blick ins Innere der Halle, als die Welt noch in Ordnung war.

Ein Blick ins Innere der Halle, als die Welt noch in Ordnung war. © Siegfried Tiburzy

Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei von Brandstiftung aus. Zeugen werden gebeten, sich bei der Kriminalwache unter (0231) 132-74 41 zu melden.

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