Läden öffnen am Montag: Händler im Dortmunder Westen atmen durch

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Ab Montag (20.4.) dürfen auch im Dortmunder Westen Geschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern wieder öffnen. Doch nicht alle machen davon Gebrauch.

Lütgendortmund, Mengede, Huckarde

, 18.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hoffend und bangend haben wohl fast alle Menschen in Deutschland die Videokonferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten erwartet. Tatsächlich gab es am Mittwoch (15.4.) zumindest für einige gute Nachrichten: Geschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen.

Und das bereits ab Montag (20.4.). Wir haben uns stichprobenartig umgehört. Denn vielerorts laufen nun die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung auf Hochtouren. An der Limbecker Straße 36 in Lütgendortmund sieht das jedoch anders aus.

„Bei uns bleiben noch weitere 14 Tage die Türen zu“, sagt Thorsten Eustrup als Inhaber des Reisebüros Köhler. „Ich bleibe im Home Office und regle alles telefonisch.“ Das sei praktischer, zumal es nicht um Neubuchungen, sondern nur nur um Stornierungen, Umbuchungen und Fragen gehe.

Optiker öffnet wieder länger

Zudem fühlen sich viele Kunden sicherer mit einem telefonischen Kontakt. Die bestellten Plexiglas-Scheiben zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden seien derweil noch nicht eingetroffen. „Sollten die wider Erwarten eher ankommen, öffnen wir vielleicht auch etwas eher“, sagt Thorsten Eustrup.

Thorsten Eustrup ist Inhaber des Reisebüros Köhler an der Limbecker Straße in Lütgendortmund und Vorsitzender der Händlergemeinschaft "Aktiv im Ort".

Thorsten Eustrup ist Inhaber des Reisebüros Köhler an der Limbecker Straße in Lütgendortmund und Vorsitzender der Händlergemeinschaft "Aktiv im Ort". © Privat

Das Sonnenstudio „Sunstyle“ bereitet sich indes zwar auf eine mögliche Öffnung vor, muss aber noch die amtliche Verordnung der Stadt Dortmund abwarten. Jörg Reinecke, Geschäftsführer von Optik Enste, kann sich hingegen ab Montag wieder auf fast normale Öffnungszeiten freuen.

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War das Geschäft in den vergangenen Wochen nur von 9 bis 13 Uhr geöffnet, wird es nach dem Wochenende wieder nachmittags von 14 bis 18 Uhr öffnen. „Wir können den Kunden dann auch wieder mehr Serviceleistungen bieten – mit Mundschutz natürlich“, sagt Jörg Reinecke.

Buchhandlung hatte viel zu tun

Sabine Kurmann aus der Buchhandlung Seitenreich in Huckarde fiebert dem Montag regelrecht entgegen: „Endlich wieder Kunden im Geschäft“. Dabei fällt die Bilanz der Buchhandlung nach vier Wochen Kontaktsperre positiv aus. „Wir haben pro Tag etwa fünf bis sechs Bücher verschickt und 20 bis 25 Bücher selbst ausgeliefert“, berichte Sabine Kurmann.

Sabine Kurmann von der Buchhandlung „Seitenreich“ freut sich darauf, wieder Kunden begrüßen zu dürfen. Während der Schließung des Geschäftes haben sie und ihre Kolleginnen die Bücher ausgeliefert.

Sabine Kurmann von der Buchhandlung „Seitenreich“ freut sich darauf, wieder Kunden begrüßen zu dürfen. Während der Schließung des Geschäftes haben sie und ihre Kolleginnen die Bücher ausgeliefert. © Archiv

Für die Öffnung am Montag hat Seitenreich klare Auflagen bekommen. Pro zehn Quadratmeter darf nur ein Kunde eintreten, für den kleinen Laden bedeutet das, dass maximal drei Kunden eintreten dürfen.

Förderung durch das Land war wichtig

Die Erleichterung ist auch in Kirchlinde groß. Für Goldschmiedin Ingrid Nordmann kommt die Lockerung der Auflagen gerade recht. „Das Wegbrechen der Einnahmen durch die Schließung hat uns hart getroffen. Ohne die Förderung durch das Land wären wir nicht mehr hier. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Ingrid Nordmann hatte in den vergangenen Wochen zwar Zeit, alte Aufträge abzuarbeiten. Der Mangel an Kunden während der Schließung hat sie aber hart getroffen.

Ingrid Nordmann hatte in den vergangenen Wochen zwar Zeit, alte Aufträge abzuarbeiten. Der Mangel an Kunden während der Schließung hat sie aber hart getroffen. © Uwe von Schirp

Dabei hatte Ingrid Nordmann in der Zeit der Schließung alle Hände voll zu tun. „Wir haben eine ganze Reihe von Aufträgen abgearbeitet“, sagt die Goldschmiedin. Ihre Kunden können sich also nach der Wiedereröffnung auf frisch vollendeten Schmuck wie Ohrringe oder Ringe freuen.

Restaurants in Huckarde organisieren Abhol-Service

Das Huckarder Dorf wird ab Montag deutlich belebt. Das Restaurant„Täglich“ am Markt beginnt mit einem Abhol-Angebot.

Bestatter Wolfgang Huhn kann wieder Bestattungen mit bis zu zehn Personen am Grab planen. Trauerfeiern in geschlossenen Räumen, wie in seinem Institut oder in den Trauerhallen auf den Friedhöfen, wird es weiterhin nicht geben.

Wolfgang Huhn kann auch ab Montag noch keine Trauerfeiern für mehr als zehn  Personen organisieren.

Wolfgang Huhn kann auch ab Montag noch keine Trauerfeiern für mehr als zehn Personen organisieren. © Dieter Eichmann

Der Bestatter hofft auf eine Lockerung deutlich vor dem 31. August, denn „viele Trauernde haben die Beschränkungen bei Beerdigungen als sehr belastend empfunden“, so Huhn.

Viel Warenaufkommen – lukrative Rabatte

Birgit Schachtsieck von der Boutique La Via in Mengede blickt hoffnungsvoll, aber vorsichtig der Ladenöffnung am Montag entgegen. „Mal schauen, wie es weitergeht“, sagt sie.

Birgit Schachtsieck hat viel Ware in ihrer Boutique "La Via" und bietet lukrative Rabatte.

Birgit Schachtsieck hat viel Ware in ihrer Boutique "La Via" und bietet lukrative Rabatte. © Uwe von Schirp

Ein Schild am Eingang weist die Kundinnen darauf ihn, wie sie sich verhalten sollen. „Im Geschäft geht es ganz gut, Abstand zu halten.“ Die Inhaberin geht aber auf Nummer sicher: maximal fünf Kundinnen gleichzeitig dürfen in der Mode stöbern.

„Ich habe viel Warenaufkommen und muss gucken, ob wir die Waren verkaufen können“, erklärt Birgit Schachtsiek. Sie führt Markenware und muss zwölf Kollektionen im Jahr vom Hersteller abnehmen. Deswegen wirbt sie auf ihrer Facebook-Seite für die kommende Woche mit lukrativen Rabatten.

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Auf Online-Shopping hat sie in den vergangenen Wochen verzichtet. „80 Prozent sind Stammkundinnen. Die schätzen persönliche Beratung.“ Aber sie ist froh, dass sie wieder öffnet: „Noch zwei, drei Monate wären nicht gegangen.“

Bücher im Geschäft oder per Lieferservice

Auf „turbulente Wochen“ blickt Buchhändler Michael Nau zurück. Der Bestell- und Lieferservice der Buchhandlung am Amtshaus stieß auf große Nachfrage bei den Kunden. Auslieferungen und Rechnungstellungen waren allerdings mit Mehraufwand verbunden. „Wir sind aber froh über die riesige Solidarität.“

Den Lieferservice behält Michael Nau auch nach der Wiederöffnung bei.

Den Lieferservice behält Michael Nau auch nach der Wiederöffnung bei. © Uwe von Schirp

Am Montag öffnen Nau und seine Mitarbeiterinnen wieder die Ladentüren – für maximal drei bis vier Kunden gleichzeitig. Die Kunden sollen dabei gelenkt werden: Wer eine Bestellung abholt, soll direkt zur Kasse gehen. Diejenigen, die im Sortiment stöbern wollen werden auf die andere Seite des Ladenlokals gelenkt.

Die Botschaft in einem Newsletter am Freitag lautet zudem: „Wir sind wieder da! Und auch weiterhin zu Ihnen unterwegs.“ Denn trotz aller Anstrengung bietet der Händler den Lieferservice weiterhin an. „Das machen wir für alle, die noch nicht wieder in Läden unterwegs sein wollen“, sagt er. „Und wir kommen wirklich gerne zu Ihnen.“

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