Jeder Vierte in Kurzarbeit: Wie steht Dortmund im NRW-Vergleich da?

dzCorona-Krise

Jeder vierte Arbeitnehmer in Dortmund ist momentan in Kurzarbeit - so viele wie noch nie. Doch wie schwer wurde Dortmunds Wirtschaft im landesweiten Vergleich getroffen? Neue Zahlen zeigen es.

Dortmund

, 15.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie heftig die Corona-Krise die heimische Wirtschaft erwischt hat, zeigt ein Blick auf die im März und April angemeldete Kurzarbeit. In ganz Nordrhein-Westfalen wurde in diesen beiden Monaten von 151.810 Betrieben Kurzarbeit für die Beschäftigten angemeldet. In der gesamten Zeit vom Januar 2007 bis Februar 2020 wurden in NRW lediglich 80.883 solcher Anzeigen für Kurzarbeit von den Arbeitgebern gestellt.

In Dortmund ist aktuell jeder vierte Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Genau 61.013 Arbeitnehmer sind oder waren zwischen Brechten und Syburg von Kurzarbeit betroffen – so viel wie noch nie. Wie diese Zahl einzuordnen ist und welche Branchen die Corona-Krise vor allem trifft, zeigen jetzt Daten der Arbeitsagentur zur Kurzarbeit in ganz NRW.

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Danach gibt es große regionale Unterschiede in Nordrhein-Westfalen. Dortmund liegt mit seiner Kurzarbeiter-Rekordzahl im Mittelfeld. In ganz NRW sind im März und April 30,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand Juni 2019) von Kurzarbeit betroffen gewesen. In Dortmund liegt diese Betroffenheitsquote bei 24,7 Prozent – also deutlich darunter.

Vielfalt kennzeichnet die Dortmunder Wirtschaft

Landesweit ist die Spannbreite enorm: Sie reicht von einer Betroffenheitsquote von 15,3 Prozent in Leverkusen bis zu 50 Prozent im Kreis Olpe. Der Wert hängt offensichtlich davon ab, wie weit aufgefächert die Wirtschaftsstruktur in der jeweiligen Region ist.

Dortmund ist von Kurzarbeit nicht so stark betroffen, wie andere Regionen in Nordrhein-Westfalen. Wirtschaftsförderer Thomas Westphal sieht den Grund dafür in der heutigen Vielfalt der Dortmunder Wirtschaft.

Dortmund ist von Kurzarbeit nicht so stark betroffen, wie andere Regionen in Nordrhein-Westfalen. Wirtschaftsförderer Thomas Westphal sieht den Grund dafür in der heutigen Vielfalt der Dortmunder Wirtschaft. © (A) Dieter Menne

So sieht Wirtschaftsförderungs-Chef Thomas Westphal den wesentlichen Grund dafür, dass Dortmund in diesem kommunalen Vergleich im Mittelfeld rangiert, in der „großen Vielfalt der Dortmunder Wirtschaft“.

Als Handels- und Dienstleistungszentrum sowie auch als Logistikstandort ist Dortmunds Arbeitsmarkt nicht mehr - wie zu Zeiten von Kohle und Stahl - von der Großindustrie geprägt. Im benachbarten Kreis Unna ist das anders. Dort wurde für 45,3 Prozent aller Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet.

„Während in Dortmund der Anteil derer, die in der Industrie beschäftigt sind, unter 18 Prozent liegt, liegt dieser Anteil im Kreis Unna bei 27 Prozent. Dort gibt es viele Betriebe mit oft großen Belegschaften“, erklärt Gero Brandenburg, der Sprecher der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund.

Alle Branchen gleichzeitig von Kurzarbeit betroffen

Bestätigt wird diese Einschätzung dadurch, dass vor allem in Südwestfalen (Hagen, Märkischer Kreis, Olpe), einer Industrieregion mit Schwerpunkten in den Bereichen Automotive, Maschinenbau, Gebäudetechnik sowie Gesundheits- und Holzwirtschaft, ebenfalls besonders viele Anzeigen für Kurzarbeit eingegangen sind.

Gegenüber vergangenen Wirtschaftskrisen ist an der Corona-Krise neu, dass nahezu alle Branchen gleichzeitig von Kurzarbeit betroffen sind. Darunter auch solche, die früher selten damit in Berührung gekommen sind, wie etwa die Reisebranche, die Gastronomie oder das Friseurgewerbe.

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In ganz NRW ist bisher die Gastronomie am stärksten betroffen. Insgesamt mehr als 18.000 Anzeigen für Kurzarbeit wurden gestellt. Laut der Statistik der Arbeitsagentur war damit jeder sozialversicherungspflichtig Beschäftigte dieser Branche von Kurzarbeit betroffen.

Weitere massiv betroffene Branchen sind der Einzelhandel, das Gesundheitswesen (Therapeuten und Arzt- und Zahnarztpraxen) sowie Unternehmensverwaltungen und Unternehmensberatungen. Nicht gesondert aufgeführt ist die Tourismusbranche mit den aktuell besonders leidenden Reisebüros. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft sehen sich hier gerade zwei Drittel der Unternehmen von Insolvenz bedroht.

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