Kurz-Sitzmöglichkeiten für Senioren werden in Eving zum Streitthema

dzKurze Erholung

Als „Schwachsinn“ bezeichnet Joachim Kindler die Kurzsitzmöglichkeiten für Senioren in Eving. Diese Kritik hätte er auch früher formulieren können, sagt der Bezirksbürgermeister.

Eving, Brechten

, 29.05.2020, 12:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das ist völliger Schwachsinn“, sagt Joachim Kindler. „Keiner nutzt diese Sitzmöglichkeiten.“ Der Brechtener regt sich über die Kurzsitzmöglichkeiten auf, die an insgesamt zehn Stellen im Stadtbezirk Eving aufgestellt wurden.

Um den Evinger Senioren eine Möglichkeit zu geben, sich während ihrer Spaziergänge kurz hinzusetzten, wurden Ende 2018 an zehn Knotenpunkten in Eving diese Ein-Personen-Sitze gebaut. Einer der treibenden Kräfte dahinter war der Seniorenbeirat Eving.

Kindler hätte sich aber lieber klassische Bänke gewünscht, auf die auch zwei Personen passen würden. „Die Verantwortlichen sind sich nicht über den Bedarf bewusst“, sagt der 76-Jährige, der seit acht Jahren in Brechten wohnt. „Den älteren Menschen fehlt eine normale Bank. Die wäre bequemer und günstiger.“

Die Höhe und der Winkel des Ein-Personen-Sitzes wurden extra an die Bedürfnisse von Senioren angepasst. Seit Ende Mai steht daneben auch ein Mülleimer.

Die Höhe und der Winkel des Ein-Personen-Sitzes wurden extra an die Bedürfnisse von Senioren angepasst. Seit Ende Mai steht daneben auch ein Mülleimer. © Tobias Larisch

Auch über die Platzierung der Kurzsitzmöglichkeiten ärgert sich Kindler, da auf den „Hauptachsen“ oder in der Nähe von Supermärkten Sitzmöglichkeiten fehlen würden. Zudem gebe es von Lünen bis zum Naturschutzgebiet Grävingholz keine normale Bank, außer einer Pilgerbank, die er selbst gebaut hätte.

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Dass Ende Mai auch noch ein Mülleimer neben die Kurzsitzmöglichkeiten an der Ecke Widumer Straße/Im Löken in Brechten gestellt wurde, sei laut Kindler eine „Geldverschwendung“. „Wenn sie wenigstens ein Dach darüber gebaut hätten, dann könnte man sich wenigstens bei Regen unterstellen“, sagt er und mokiert sich.

Es gibt auch positivere Stimmen

Doch nicht alle Senioren stehen den Kurzsitzmöglichkeiten negativ gegenüber. „Wir hätten lieber einfache Bänke gehabt, aber so kann sich zumindest einer kurz hinsetzen“, sagt Ursula Meisner, die mit ihrem Mann öfter spazieren gehe. „Wer am meisten Rückenschmerzen hat, darf sich als erstes setzen, sagen wir immer.“

Die Ur-Brechtenerin, die bereits seit 50 Jahren in dem Stadtteil lebt, bezeichnet die Kurzsitzmöglichkeiten als „einen Tropfen auf den heißen Stein“. Meisner ergänzt: „Es wäre schöner, wenn mein Mann und ich uns zusammen hinsetzen könnten, aber die Idee ist gut.“

Der Evinger Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) ist bereit für den Dialog mit Joachim Kindler.

Der Evinger Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) ist bereit für den Dialog mit Joachim Kindler. © Marius Paul

Der Evinger Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) ist offen für den Austausch mit Joachim Kindler. „Herr Kindler kann sich gerne persönlich bei mir melden und wir können miteinander sprechen“, sagt er. „Bis jetzt habe ich nämlich immer nur aus der Zeitung von ihm gehört.“

Auch an Veranstaltungen zur Planung der Kurzsitzmöglichkeiten habe Kindler nicht teilgenommen. „Dort hätte er gerne seine Meinung äußern können“, sagt Stens. Die Auswahl der Standorte für die Sitzgelegenheiten erklärt der Bezirksbürgermeister so: „Die Platzsuche war nicht so einfach, weil uns das Grundstück ja gehören muss.“

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