Kunstschwund: Verwaltung räumt Fehler ein

Dortmunder Kulturausschuss tagte

Rund zweieinhalb Stunden befasste sich am Dienstagabend der Ratsausschuss für Kultur, Sport und Freizeit mit dem Kunstschwund bei den städtischen Kulturbetrieben. Gleich zu Beginn gab es eine Entschuldigung von Kulturdezernent Jörg Stüdemann. Er und auch die Museumsleitungen räumten Fehler ein.

DORTMUND

, 20.06.2017, 21:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kunstschwund: Verwaltung räumt Fehler ein

Das Foyer des Museums Ostwall in der vierten Etage des Dortmunder U: dem Museum fehlen Bilder.

Kulturausschuss am Dienstagabend in Dortmund: Ausführliche Stellungnahmen der Verwaltung und umfangreiche Unterlagen, die erst zur Sitzung auf den Tisch kamen, sollten Antworten auf die Fragen geben, warum und wie viele Kunstwerke genau verschwunden sind und warum die Politik darüber nicht umfassend informiert wurde.

Kulturdezernent machte den Anfang - mit einer Entschuldigung

Den Anfang machte Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann mit einer Entschuldigung. Zum Einen für die Art und Weise der Kommunikation der Verwaltung in dieser Sache – „das hat offensichtlich zu Missverständnissen geführt“ – und „für das Abhandenkommen von Kunstwerken“. Stüdemann: „Es ist alles andere als rühmlich, wenn so etwas eintritt“.

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Gleichzeitig betonte er, das Kulturbüro und die Kulturbetriebe hätten „nicht aktiv an der Vernichtung von Kunstwerken gearbeitet“. Es gab auch einen neuen Stand zur Anzahl fehlender Kunstwerke zu vermelden: Das Museum Ostwall hat 43 Kunstwerke als echte Verluste zu verzeichnen. Sie wurden im Laufe von 70 Jahren zerstört oder sind verloren gegangen. 60 Kunstwerke, die zunächst vermisst wurden, haben sich wohl nie im Besitz der Stadt befunden, erläuterte Dr. Nicole Grothe, heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin zuständig für die Sammlung Museum Ostwall.

Im Bestand des Kunstarchivs fehlen allein seit dem Jahr 1993 403 Werke mit einem Gesamtwert von rund 100 000 Euro. Die meisten wurden vor dem Jahr 2001 angeschafft.

Stüdemann: Stadt wollte Kunstschwund nicht in der Bilanz vertuschen

Auch wenn es ein Betrübnis und Ärgernis sei, dass rein zahlenmäßig so viele Kunstwerke abhandengekommen seien, sei das bilanziell von keiner Bedeutung, unterstrich Stüdemann und trat Vermutungen entgegen, die Stadt habe den Kunstschwund in der Bilanz der Kulturbetriebe vertuschen wollen: „Es kann nicht der Eindruck übrig bleiben, dass wir bei diesem oder bei anderen Unternehmen Bilanzmanipulationen oder vorausgreifende Bilanzgestaltung initiiert hätten.“

Reimund Schepers von der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die den Jahresabschluss 2016 testiert hat, hatte zuvor festgestellt, dass es keinen Anlass zur Neubewertung des städtischen Kunstbesitzes gebe.

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Stüdemann und auch Museumsleitungen räumten Fehler und Versäumnisse aus der Vergangenheit ein, „aber das kann man nur Museumsdirektoren vorwerfen, die jetzt tot sind“, so der Kulturdezernent. Barbara Brunsing (Grüne) stellte fest: „Es geht darum, dass mit den Dingen sorgfältig und eigentumsadäquat umgegangen wird.“

Auf Brunsings Frage, warum er die Politik nicht über den Kunstverlust im Museum Ostwall informiert habe, sagte Kurt Eichler, Leiter der Kulturbetriebe, es habe sich nur um einen „Zwischenbericht“ gehandelt. Und: „Das war für die jetzige Inventur nicht mehr relevant.“

Den Beschluss zum Jahresabschluss gibt's erst nach der Sommerpause

Grüne und die CDU wollten ursprünglich das Rechnungsprüfungsamt einschalten und den Jahresabschluss 2016 der Kulturbetriebe nicht abnicken. Weil die Politik noch Zeit braucht, die erst am Dienstag vorgelegten Unterlagen zu studieren, wurde der Beschluss zum Jahresabschluss auf die Zeit nach der Sommerpause verlegt.  

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