Noch Termine frei? Auch Friseurmeisterin Filiz Schulz hängt in ihrem Salon in Dortmund viel am Telefon. © Björn Althoff
Corona-Pause

Kunden-Ansturm bei Dortmunds Friseuren: „Habe auf drei Leitungen telefoniert“

„Kann ich einen Termin bekommen, möglichst schnell?“ Seitdem klar ist, dass die Friseure ab 1. März öffnen dürfen, gibt es einen Ansturm auf die Termine. Drei Beispiele aus Dortmund.

„Am Samstag haben alle um 10 Uhr versucht anzurufen“ – zu diesem Zeitpunkt war Filiz Schulz zum ersten Mal wieder erreichbar in ihrem Salon und erlebte, wie groß der Ansturm auf die Termine war. Am 1. März (Montag) dürfen die Friseure wieder öffnen.

Dann enden mehr als zehn Wochen Corona-Zwangspause. Ein Zeitraum, für den auch Schulz schon Termine vergeben hatte in ihrem Salon „Shine like a diamond“ an der Kaiserstraße.

Termine ausgefallen? Diejenigen kamen als Erste dran

„Wir hatten den Terminplan für Ende Dezember und für Januar ja schon voll“, erklärt die Friseurmeisterin. Diejenigen habe man natürlich zuerst abtelefoniert, noch bevor die Leitung am Samstag offen war für alle. „Das sind natürlich die Ersten, die jetzt drankommen. Deren Termine waren da schon vorverlegt.“

Der März sei schon fast voll, sagt Schulz – nach nur einem Tag am Telefon. Ein Stand, den es auch anderswo gibt. Marco Trapani, Haarschneider aus dem Kreuzviertel, sagt mit Augenzwinkern: Der Kollege, der in seinem Laden am Vinckeplatz die Terminwünsche der Kunden annehme, „hat sich schon wund telefoniert“.

Termine im März? Das wird jetzt schon eng

Acht Stunden pro Tag habe er am Telefon gehangen. „Leider hat der Online-Planer nicht mehr rechtzeitig geklappt.“ So läuft es bei Trapani ganz klassisch: Auch wenn er auf Facebook und Instagram vertreten ist, wenn er E-Mails empfangen kann – überall kommunizierte man, dass die Terminvergabe nur telefonisch laufe und dass dann ein Mensch Namen in einen Kalender aus Papier einträgt.

Auch hier: Termine im März? Kaum noch zu kriegen. Im Nachhinein freut sich Trapani, dass er nicht schon Termine für eine eventuelle Öffnung Mitte Februar vergeben hat, die dann abgesagt hätten werden müssen.

Überall in Dortmund: „Der Ansturm ist massiv“

Denn gerade solche Momente sind es, die zu Frust und Unverständnis bei Kunden führen können, weiß Frank Kulig, Obermeister der Friseur-Innung Dortmund und Chef eines eigenen Salons in der Innenstadt. „Sie hätten mich doch weitertragen müssen“ – diese Kunden-Beschwerde hätten ihm viele Kollegen aus der Innung weitergegeben.

„Der Ansturm ist massiv“, sagt Kulig. Und das gelte auch für ihn persönlich: „Am Mittwochnachmittag ist das losgegangen, noch bevor die Öffnung am 1. März wirklich entschieden war. Ich war noch im Betrieb, habe abends bis 21 Uhr Kunden zurückgerufen. Donnerstag und Freitag konnte ich dann das Haus nicht verlassen. Ich habe zeitweise auf drei Leitungen gleichzeitig telefoniert.“

„Wir haben drei Monate lang nichts gemacht“

Die Zeit bis Ende Februar nutzt Kulig auch für Besorgungen: Ist genügend Desinfektionsmittel da? Genug Waschmittel, um die Kittel ständig zu reinigen? Für die Fragen werde sicherlich Anfang März keine Zeit mehr bleiben.

Kuligs leichte Sorge: Wie wird das, wieder auf Vollgas hochzufahren? „Wir haben jetzt drei Monate nichts gemacht.“ Als es nach Lockdown Nummer eins wieder losgegangen sei, „taten mir die Handgelenke weh. Und jetzt müssen wir erst einmal wieder an das Belastungsniveau herankommen.“

Zu eng im Laden: Manche arbeiten jetzt in zwei Teams

„Es gibt auch Kollegen, die arbeiten in zwei Teams“, weiß Kulig. Und Trapani sagt: Ja, stimmt, bei ihm zum Beispiel. Er werde in den nächsten Wochen Termine bis 21 Uhr vergeben und wohl bis 22 Uhr im Laden sein. Denn zur Wiedereröffnung gelten neue Corona-Regeln: Zehn Quadratmeter pro Person im Laden, nicht etwa pro Kunde.

Das habe die Folge, dass nicht alle Azubis da sein könnten – so blöd das auch sei, verdeutlicht Trapani.

Filiz Schulz hingegen braucht sich zumindest darum keine Sorgen zu machen. Im Laden, den sie erst nach Lockdown eins eröffnet hatte, ist mit 110 Quadratmetern genügend Platz für sie, ihren Co-Geschäftsführer, den Auszubildenden und die Kunden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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