Künstler-Gruppe holt den Titicacasee nach Dortmund

dzKünstlervereinigung

Die Künstlervereinigung „Dortmunder Gruppe“ musste aufgrund der Corona-Pandemie alle Ausstellungen absagen. Nun wagt die Gruppe einen Neustart – auf einer Insel – mit mehr Dialog als Kunst.

von Alexandra Wachelau

Brünninghausen

, 15.10.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir sind jetzt die Ureinwohner auf der Insel“, sagt Alexander Pohl. Der Vorsitzende der Künstlervereinigung „Dortmunder Gruppe“ steht etwas abseits vom Geschehen in der Galerie Torhaus am Rombergpark.

Jetzt lesen

Mitten im Raum: Eine wortwörtliche Insel, abgesteckt mit Klebeband und beladen mit allen Utensilien, die Künstler brauchen. Neben Leinwänden und Staffeleien sind hier auch Lampions und Hawaii-Hemden obligatorisch.

Ausstellung unter Corona-Bedingungen

Die Ausstellung „Urlaub am Titicaca-See“ ist etwas Besonderes. Schon auf dem Weg zur Galerie im Torhaus ist einiges anders. Nicht nur, dass die Brücke zum Torhaus momentan erneuert wird: In Corona-Zeiten dürfen sich maximal elf Personen gleichzeitig in der Kunstgalerie aufhalten, natürlich mit Mundschutz.

Jetzt lesen

Die Insel in der Galerie ist ein „Urlaubscamp“ für die Künstlervereinigung, wie Alexander Pohl sagt. Normalerweise hätte er schon im Frühjahr zwei Ausstellungen auf die Beine gestellt. Durch die coronabedingten Absagen ist „Urlaub am Titicaca-See“ daher die erste Ausstellung der Gruppe in diesem Jahr. Und das soll auch im Performance-Kunstwerk selbst thematisiert werden. Weniger mit Kunst, sondern mit Gesprächen.

„Lebender Organismus“ als Performance-Kunstwerk

„Wir wollen vor allem mit den Besuchern in den Dialog treten“, sagt Alexander Pohl. Drei Wochen lang werden sich die Künstler in Schichten auf der Insel aufhalten – auch außerhalb der Öffnungszeiten.

Noch sind die Wände um die Insel herum leer, doch bereits jetzt verraten die aufgeklebten Namen der Künstler, dass sich das bald ändern wird: Die Künstler werden nach und nach während der Aufführung Kunst produzieren.

„Es ist ein lebendiger Organismus, und wir sind Teil davon“, so Pohl. Die Besucher besuchen diesen Organismus – und haben dabei durchaus die Chance, Teil vom Endergebnis zu werden: Die Performance wird rund um die Uhr gefilmt. Am Ende wird daraus ein Film entstehen, den die „Dortmunder Gruppe“ auf ihrer Internetseite veröffentlichen wird. Doch auch zwischendurch kann der Stand der Dinge in der digitalen Galerie der Stadt Dortmund verfolgt werden – oder auch live vor Ort.

Titicacasee als Idyll, aber auch als Erinnerung

Und warum das alles ausgerechnet auf dem Titicaca-See? Alexander Pohl schmunzelt: „Das ist einem ehemaligen Mitglied zu verdanken, Put Pevec“. Das Bild „Titicacasee“ erhielt in einer Werkausstellung der „Dortmunder Gruppe“ einige Aufmerksamkeit.

Der Künstler Put Pevec zeigte darauf „einen Bikini aus Melonenkörbchen“, erinnert sich Künstlerin Gudrun Katthe. „Er war ein frecher Künstler, aber wir haben das damals ziemlich gefeiert“, sagt sie. Put Pevec ist auch diese Ausstellung gewidmet: Er verstarb 2004.

Der von ihm initiierte Titel Titicacasee sei dabei nicht nur eine kreative Oase: „Es ist auch ein Gebiet, in dem es furchtbar viel Umweltverschmutzung gibt“, sagt Alexander Pohl. Diese „Medaille mit zwei Seiten“ wird von den Künstlern als Streitthema aufgefasst: Ist die Insel ein falsches Idyll? Oder ein Urlaubsziel, zu dem man in Corona-Zeiten gelangen möchte?

Jetzt lesen

„Wir alle sehen uns gerade nach Ferne“, sagt Künstler Christian Psyk. „Zwei unserer Kollegen wären gerade eigentlich Lissabon und in Italien gewesen“, sagt Psyk. „Aber genauso wie diese Reisen fällt auch der Kulturaustausch der Dortmunder Gruppe weg.“

Kunstgalerie Torhaus Rombergpark

  • Momentan ist das Torhaus aufgrund der Brückensanierung nur von der östlichen Seite begehbar. Aufgrund der Corona-Pandemie dürfen sich nur elf Personen in der Galerie aufhalten.
  • Die Künstlervereinigung Dortmunder Gruppe gibt es schon seit den 1920er Jahren, offiziell seit 1956. Die Gruppe war maßgeblich am Galeriebau im Torhaus beteiligt.
  • Die Ausstellung „Urlaub am Titicaca-See“ läuft vom 18. Oktober (Sonntag) von 11 Uhr bis zum 8. November (Sonntag), 18 Uhr.
  • Die Galerie im Torhaus ist dienstags bis samstags von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Vorsitzender Alexander Pohl wäre selbst nächstes Jahr nach Novi Sad in Serbien gereist. „Wir sind sehr weit entfernt von einem normalen Ausstellungsbetrieb“, sagt er. „Vier Monate lang waren alle von uns platt, es ging nichts mehr.“

Auch jetzt ist die Situation für Künstler kritisch. Darum soll es ebenfalls in der dreiwöchigen Ausstellung gehen: Um die Frage, wie Kunst und Corona koexistieren können - und wie es für Künstler weitergeht.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt