Kranunfall: Ursache weiter unklar

DORTMUND 15 Jahre lang war der Hardenberghafen das Einsatzgebiet von Dieter Claus. Jetzt steht er kopfschüttelnd vor dem Schrotthaufen aus Stahl, der einmal ein 40 Meter hoher Lastkran war.

von Von Daniel Claesen

, 26.04.2007, 10:14 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Das ist also von meinem Schätzchen übrig geblieben.“ Von 1988 bis 2003 habe er diesen Kran gefahren. „Den verunglückten Kollegen kenne ich gut. Ich war sein Ausbilder.“

Früher, so der 66-jährige Rentner, habe man mit dem Greifer eine Last von 30 Tonnen auf einmal bewegen können. „Damals wurde noch Erz umgeladen, das war deutlich schwerer als die Kohle.“ Und noch etwas fällt ihm ein: „Was hatten wir früher Brüche in den Schienen! Die haben den Kränen nichts ausgemacht.“ Deshalb glaubt Claus auch nicht daran, dass eine kaputte Schiene die Ursache den Unglücks war. „Der Schienenstrang wurde doch gerade erneuert. Wenn sie mich fragen, war das Materialermüdung.“

Der Kran war 47 Jahre alt, doch nach Auskunft von Jürgen Eßer, Geschäftsführer der Wartungsfirma Cranetch, „könnte so ein Teil auch hundert Jahre und älter werden“. Es sei ihm schleierhaft, warum der Kran umstürzte und auf das Güterschiff „Ulrike“ fiel. „Das müssen die Gutachter klären.“

Die hatten ihre Arbeit gestern beendet. Mit einem Ergebnis rechnet die Polizei laut Sprecher Thorsten Heske „in ein bis zwei Wochen“. Die Unglücksstelle ist für die Bergungsarbeiten freigeben. Der Stahlkoloss wird in transportfähige Teile zerlegt, drei Autokräne verladen den Schrott dann auf Ballastfahrzeuge. Zusätzlich werden Taucher heute das Hafenbecken kontrollieren. Die Arbeiten sollen gegen 18 Uhr abgeschlossen sein.

Jürgen Eßer erwartet einen erheblichen Schaden: „Bei dem Schiff wird wohl eine halbe Million zusammen kommen.“ Für den Kran veranschlagt er eine Summe „zwischen 2 und 2,5 Millionen Euro.“ Geld macht ihm weniger Sorgen: „Das war alles versichert. Viel schlimmer ist der Personenschaden.“ Der Kranführer war nach dem Unfall mit schweren Verletzungen ins Klinikum eingeliefert worden. Gestern schwebte er nach wie vor in Lebensgefahr.

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