BIG stundet Beiträge in Millionenhöhe: „Betriebschefs sind verzweifelt“

Corona-Krise

35,2 Millionen Euro an Sozialversicherungsbeiträgen hat die Dortmunder Krankenkasse BIG den Arbeitgebern wegen der Corona-Krise bereits gestundet. Doch das reicht noch nicht.

Dortmund

16.05.2020, 11:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Not stundet die Dortmunder Krankenkasse BIG zurzeit den Arbeitgebern die fälligen Sozialversicherungsbeiträge. Wie lange noch?

In der Not stundet die Dortmunder Krankenkasse BIG zurzeit den Arbeitgebern die fälligen Sozialversicherungsbeiträge. Wie lange noch? © dpa

Aufgrund der Corona-Pandemie hatte die Dortmunder Krankenkasse BIG vielen Unternehmen für März und April 2020 die „Notbremsung“ ermöglicht. 8.932 Anträge zur Stundung der Sozialversicherungsbeiträge wurden gestellt und 35,2 Millionen Euro gestundet (Stand 10.05.2020). Am 27. Mai wird die nächste Zahlung der Beiträge fällig. Doch die Situation dürfte sich bis dahin für viele Firmen nicht entspannt haben.

„Daher sind wir auf die Arbeitgeber zugegangen und haben die Verlängerung der Stundung angeboten“, sagt Bernhard Drever, Bereichsleiter Arbeitgeberservice bei der BIG. Geht es mit der Stundung in eine neue Runde, muss allerdings nach aktueller Rechtslage die gesamte gestundete Forderung verzinst werden. „Es ist durchaus möglich, dass die zinslose Stundung noch einmal verlängert wird. Wir als BIG engagieren uns im Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung für diese Lösung“, weiß Bernhard Drever.

Stundungen sind für viele Arbeitgeber keine Option

Die Situation sei derzeit für die Unternehmen sehr belastend, dennoch bleibe das große Wehklagen ob der Lage aus, stellt BIG-Kundenberater Maik Nieke fest. „Meine Ansprechpartner sind eigentlich alle relativ gefasst. Sie haben nicht das Gefühl, irgendetwas falsch gemacht zu haben“, so Nieke.

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Hauptsächlich bei ganz kleinen Firmen, etwa in der Gastronomie, sei manchmal die Verzweiflung herauszuhören. „Die wissen einfach nicht, wie es mit ihrem Betrieb weitergeht. Sie fühlen sich zutiefst in ihrer Existenz bedroht. Da zeige ich den Betroffenen gern alle Möglichkeiten auf, die sie haben. Das beruhigt sie ein bisschen“, so Maik Nieke.

Bernhard Drever, Bereichtsleiter Arbeitgeberservice bei der BIG, spürt die Not vieler Firmenchefs und sagt zu den Sozialversicherungsbeiträgen: „Es ist durchaus möglich, dass die zinslose Stundung noch einmal verlängert wird.“

Bernhard Drever, Bereichtsleiter Arbeitgeberservice bei der BIG, spürt die Not vieler Firmenchefs und sagt zu den Sozialversicherungsbeiträgen: „Es ist durchaus möglich, dass die zinslose Stundung noch einmal verlängert wird.“ © BIG / Schütze

Ähnliche Erfahrungen hat auch Simone Miebach gemacht, seit 17 Jahren Kundenberaterin im Arbeitgeberservice. „Die Gespräche mit den Kunden sind sehr entspannt und freundlich“, sagt sie. Manche wollten letztlich doch keine Stundung, „weil sie das Geld nachzahlen müssen. Da biete ich die Ratenzahlung an“, so Simone Miebach.

Milliardenbeträge brechen gerade weg

Die Gesamtsituation bereitet der BIG-Krankenkasse große Sorgen. „Das Geld, das gestundet wird, fehlt im Gesundheitsfonds, in der Renten- und Arbeitslosengeldkasse. Dazu kommen die fehlenden Einnahmen bei den Sozialversicherungsbeiträgen aufgrund von Kurzarbeit, Insolvenzen und Entlassungen. Das sind Milliardenbeträge“, so Peter Kaetsch, Vorstandsvorsitzender der BIG.

BIG-Vorstandsvorsitzender Peter Kaetsch ist in Sorge: „Das Geld, das gestundet wird, fehlt im Gesundheitsfonds, in der Renten- und Arbeitslosengeldkasse.“

BIG-Vorstandsvorsitzender Peter Kaetsch ist in Sorge: „Das Geld, das gestundet wird, fehlt im Gesundheitsfonds, in der Renten- und Arbeitslosengeldkasse.“ © BIG / Schütze

Der BIG-Chef fügt noch hinzu: „Und es ist noch gar nicht abzusehen, wie sich auch die Gesundheitsausgaben aufgrund der Pandemie erhöhen. Aus unserer Sicht geht kein Weg daran vorbei, den Gesundheitsfonds aus Steuermitteln zu stabilisieren.“

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