Das Gesundheitsministerium hat veröffentlicht, mit wie vielen Ampullen des Impfstoffs die Bundesländer in den kommenden Wochen rechnen können. © picture alliance/dpa
Corona-Impfung

Krankenhaus-Chef schon geimpft, während Ärzte und Pfleger noch warten

In einem Dortmunder Krankenhaus ist der Geschäftsführer gegen das Coronavirus geimpft worden, bevor das medizinische Personal vollständig versorgt ist. Einige finden das „skandalös“.

Es gibt feste Vorgaben dafür, nach welcher Priorisierung das Personal an Krankenhäusern eine Impfung gegen das Coronavirus erhält. Im St.-Johannes-Hospital in der Dortmunder Innenstadt ist diese Reihenfolge missachtet worden.

Der Hauptgeschäftsführer der Katholischen St.-Johannes-Gesellschaft, Klaus Bathen, und sein Stellvertreter Christoph Rzisnik sind mit einer ersten Dosis gegen SarsCov-2 geimpft worden.

Gudula Stroetzel, Sprecherin der St.-Johannes-Gesellschaft, bestätigt mehrere entsprechende Hinweise, die diese Redaktion zuletzt erreicht haben. Zuerst hatte „Ruhr 24“ über das Thema berichtet.

Empörung bei Menschen aus dem Umfeld es St.-Johannes-Hospitals

Bei Menschen aus dem Umfeld des zweitgrößten Krankenhauses Dortmunds löst das Vorgehen der Klinik-Leitung Unverständnis und Empörung aus. Ein Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt im Gespräch mit dieser Redaktion: „Ich finde das skandalös. Ärzte und Pfleger müssen zuerst drankommen. So lange muss sich ein Geschäftsführer zurückhalten können.“

Dass eine Rest-Dosis nicht weggeworfen werden könne, sei verständlich. „Aber da gehe ich doch einmal über die Station und treffe sofort Leute, die es machen würden.“

Andere Hinweisgeber sprechen von einem „moralisch fragwürdigen Verhalten“ und werfen die Frage auf, ob nicht noch weitere Angestellte zu Unrecht bereits geimpft worden sind.

Sprecherin: „Alle Beschäftigten der Kategorie 1 waren bereits geimpft“

Laut Sprecherin Gudula Stroetzel seien die beiden Geschäftsführer zu einem Zeitpunkt geimpft worden, an dem alle Krankenhausbeschäftigten der Kategorie 1 bereits geimpft gewesen seien.

In diese Kategorie fällt etwa das Personal auf den Intensivstationen oder in sonstigen Bereichen, wo es zu engem Kontakt mit Covid-19-Patienten kommt. Bisher seien „mehrere hundert“ Mitarbeitende aus Pflege und ärztlichem Dienst im St.-Johannes-Hospital gegen SarsCov-2 geimpft worden. Im „JoHo“ arbeiten rund 2000 Menschen.

„Die Impfstrategie im Haus ist durch geplante Termine strukturiert. Sollten jedoch Termine nicht wahrgenommen werden, können weitere Mitarbeitende spontan angesprochen werden“, sagt Stroetzel. Dies sei an diesem Tag der Fall gewesen.

Entscheidung, die Geschäftsführung zu impfen, fiel „ad hoc“

Da alle gelieferten Einheiten wegen der kurzen Haltbarkeit sofort verabreicht werden müssen und aus einer Impfampulle zusätzliche Dosen erhältlich wurden, sei „ad hoc“ die Entscheidung gefallen, diese dem Hauptgeschäftsführer und seinem Stellvertreter zu verabreichen.

Gudula Stroetzel sagt: „Mit dem heutigen Wissensstand würde dies nicht mehr so entschieden werden.“

„Verknappung“ des Impfstoffs war laut der St.-Johannes-Gesellschaft nicht bekannt

Denn zum Zeitpunkt der Impfung des Geschäftsführers sei man noch davon ausgegangen, dass weitere Impfdosen eintreffen würden und die Breitenimpfung im Krankenhaus wenige Tage später weitergeführt werden kann. „Die Verknappung des Impfstoffes war zu diesem Zeitpunkt so nicht anzunehmen oder bekannt“, sagt Gudula Stroetzel.

Die Sprecherin weist auf die Bedeutung der Geschäftsführung für das „System Krankenhaus“ hin. „Das Erhalten der Arbeitsfähigkeit kann maßgeblich dazu beitragen, die Versorgung von Patienten während der Pandemie ununterbrochen zu gewährleisten.“

Kein vergleichbarer Fall in anderen Dortmunder Kliniken

Das Klinikum Dortmund teilt auf Anfrage mit, dass noch kein Mitglied der Geschäftsführung eine Impfung erhalten habe, da man sich strikt an die Vorgaben der Ständigen Impfkommission und des RKI halte.

Für das Klinikum Westfalen erklärt Sprecher Klaus-Peter Wolter: „Am Klinikum Westfalen ist kein Mitglied der Geschäftsführung geimpft worden. Wir sind konsequent nach Priorisierungen vorgegangen. Das betraf Ärzte, Pflegekräfte und weitere Mitarbeiter mit direktem Patientenkontakt oder Funktionen in Zuordnung zu Corona-Bereichen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
Zur Autorenseite
Felix Guth

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.