Kosten für Analyse will kaum einer zahlen

Schweinegrippe

DORTMUND „Es gibt keine Schweinegrippe mehr, weil es keine Diagnostik gibt.“ Dr. Petra Kappelhoff geht seit Montag mit ordentlich Wut im Bauch zur Arbeit.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 07.08.2009, 17:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Proben-Aufkommen im Labor Dr. Eberhard und Partnern sind drastisch gesunken.

Das Proben-Aufkommen im Labor Dr. Eberhard und Partnern sind drastisch gesunken.

Niedergelassene Ärzte müssen ihren Patienten den Betrag als Individuelle Gesundheitsleistung in Rechnung stellen, seitdem die Krankenkassen vor einer Woche klar machten: „Wir bleiben außen vor.“ Gestern Nachmittag lenkten die Kassen – bedingt – ein. Danach wird der Test jetzt für die Gruppe der Risikopatienten, z. B. chronisch Kranke und Schwangere, von ihnen bezahlt. Knapp 400 Proben täglich gingen Ende Juli im MVZ zur PCR-Testung ein. Nur um die 80 seien es seit dem 1. August, überschlägt die Laborärztin. Letztes Wochenende stand sie noch bis 23 Uhr zwischen Teströhrchen und Computern. Durch die Flaute beim Virus-Nachweis sei der Verbreitung der Schweinegrippe jetzt das Tor geöffnet, befürchtet Dr. Kappelhoff. Sie könnte recht behalten. Auf nur 74 erhöhte sich die Zahl der bestätigten Schweingrippe-Fälle in Dortmund in der letzten Woche.

Zum Vergleich: Am 31. Juli waren es schon 53. Dr. Udo Lepper, Vize-Chef des Gesundheitsamtes, führt den geringen Anstieg auch auf die Kostenabwälzung des PCR-Tests zu Lasten der Patienten zurück. Denn: Bei dem – für Kranke kostenlosen – Verdacht auf Grippe, der ebenfalls meldepflichtig ist, seien die Zahlen gleichbleibend hoch. Sie liegen im dreistelligen Bereich.

Angesichts permanenter Aufklärung durch Gesundheitsamt, Kassenärztlicher Vereinigung und Medien erschrickt ihn die verbreitete Unwissenheit niedergelassener Ärzte. Erst Donnerstag musste der Amtsarzt einer Praxis in Lütgendortmund einheizen, weil eine Arzthelferin eine Patientin am Telefon auflaufen ließ. Die 34-Jährige hatte grippetypische Symptome geäußert. Statt eines Arzttermins bekam sie den falschen Tipp, sich ans Gesundheitsamt zu wenden. 

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