Veruntreuung im Krankenhaus: Buchhalter soll Millionenbetrag zur Seite geschafft haben

dzSt.-Johannes-Hospital

Das St.-Johannes-Hospital hat dieser Redaktion einen schweren Fall von Veruntreuung bestätigt. Ein Buchhalter hat jahrelang Geld auf sein eigenes Konto überwiesen. Der Schaden ist gewaltig.

Dortmund

, 23.05.2019, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 36-jähriger Mitarbeiter der Finanzbuchhaltung soll durch Kontenmanipulationen zwischen 2010 und 2018 insgesamt 1,2 Millionen Euro auf sein eigenes Konto überwiesen haben. Das teilte Klaus Bathen, Hauptgeschäftsführer der St.-Johannes-Gesellschaft, am 23. Mai (Donnerstag) auf Anfrage dieser Redaktion mit.

„Der Mitarbeiter erzeugte mit ausgesprochen krimineller Energie Rechnungen von fingierten Firmen und legte diese im Zahlungssystem an“, erklärt Klaus Bathen. So kamen jährliche Zahlungen mit unterschiedlichen Beträgen zustande, die sich im Verlauf von acht Jahren auf 1,2 Millionen Euro summierten.

Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt bereits seit Dezember 2018 - erst jetzt wird der Fall öffentlich

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt bereits seit Ende Dezember 2018 wegen des Verdachts der Untreue. Staatsanwalt Henner Kruse spricht von einem „beträchtlichen Schaden“. Eine Anklage ist noch nicht erhoben worden.

Klaus Bathen sagt, dass der Mann sein Vorgehen bereits gegenüber der Krankenhaus-Geschäftsführung zugegeben habe. Nach Medienanfragen hat das Krankenhaus den Fall offen gelegt. Alle Mitarbeiter sind zeitgleich über den Vorgang informiert worden.

Buchhalter schriebt gefälschte Rechnungen mit leicht veränderten Namen echter Firmen

Laut der St.-Johannes-Gesellschaft ging der Verwaltungsangestellte wie folgt vor: Er schrieb gefälschte Rechnungen, änderte darauf die Namen von echten Firmen leicht ab und gab seine eigene Bankverbindung an. So standen scheinbar Zahlungen für reale Leistungen eines Transportunternehmens und eines Lieferanten für Krankenhaus-Kleidung in der Bilanz. Das Geld floss aber auf das Privatkonto des Mannes - dasselbe, auf das auch das Gehalt seines Arbeitgebers gezahlt wurde.

Bemerkt hat das acht Jahre lang offensichtlich niemand. „Es gab ein großes Vertrauen und viel guten Glauben unter den Kollegen“, sagt Klaus Bathen im Gespräch mit dieser Redaktion. Es sei nicht unüblich, dass Subunternehmen mit ähnlichen Namen wie ihre Mutterunternehmen in den Bilanzen auftauchen.

Laut Klaus Bathen werden in der Buchhaltung jährlich Rechnungen in Höhe rund 120 Millionen Euro bewegt. Es gebe rund 80.000 Lieferanten-Rechnungen pro Jahr.

Mitarbeiter war bereits seit 2008 bei der St.-Johannes-Gesellschaft angestellt

Der ausgebildete Bürokaufmann aus Düsseldorf war seit 2008 bei der Katholischen St.-Johannes-Gesellschaft gGmbH angestellt. Er war in der Kreditoren-Buchhaltung eingesetzt. Daher durfte er selbst Zahlungen anweisen.

Dass sein System aufflog, ist einer der Firmen zu verdanken, deren Namen der Buchhalter manipuliert hatte. Im Dezember 2018 war dort bei einem routinemäßigen Zahlungsabgleich aufgefallen, dass Zahlungen ausgewiesen waren, die das Unternehmen nie erreicht hatten.

Klaus Bathen sagt: „Daraufhin wurden Unregelmäßigkeiten feststellbar. Wir haben sofort die Staatsanwaltschaft Dortmund eingeschaltet.“ Der Mitarbeiter ist seitdem nicht mehr im Dienst.

Zur St.-Johannes-Gesellschaft gehören acht Kranken- und Pflegeeinrichtungen. Darunter sind das St.-Johannes-Hospital in der Innenstadt, das Marienhospital in Hombruch und das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Kurl. Rund 4000 Menschen arbeiten für die Trägergesellschaft. 2017 machte das Unternehmen einen Jahresüberschuss in Höhe von 1,5 Mio. Euro bei einem Umsatz von 342,2 Millionen Euro.

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