„Kopenhagen Westfalens“? Enttäuschung und Spott über Dortmunder Pläne für Radverkehr

dzRadverkehrs-Förderung

Auf dem Weg zur Fahrrad-Metropole nach Vorbild Kopenhagens sieht sich die Stadt Dortmund. Doch Fahrrad-Experten haben einen zentralen Kritikpunkt an der angekündigten Radfahr-Förderung.

Dortmund

, 18.11.2019, 06:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neue komfortable Radwege und Fahrradstraßen, mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder - die Stadt Dortmund will nach heftiger Kritik an den Bedingungen für Fahrradfahrer umsteuern und kräftig in die Radverkehrsförderung investieren. Von den Vertretern der Fahrradverbände und den Grünen gibt es trotzdem Kritik. Aus gutem Grund.

Von Peter Fricke von Velocity-Ruhr gibt es zwar durchaus auch Lob für die angekündigte Radfahr-Offensive der Stadt. Dass eine Verkehrswende mit stärkerer Förderung des Radverkehrs nötig ist, sei erst einmal eine gute und richtige Erkenntnis, stellt er fest. Trotzdem hält der Experte die Absichtserklärungen der Stadt für insgesamt enttäuschend.

Kein Plus im Doppelhaushalt

Wie berichtet, will die Stadt die Ausgaben für den Radverkehr vervierfachen - von aktuell 1,5 Millionen Euro auf 6 Millionen Euro im Jahr 2022. Doch genau daran entzündet sich die Kritik. Denn im städtischen Doppelhaushalt für die Jahre 2020/21 sei erst einmal keine Erhöhung der Mittel vorgesehen. „Das bedeutet, dass es zwei Jahre im Schneckentempo weitergeht“, moniert Fricke.

Dabei sei es nach 15 Jahren Investitionsstau nötig, „die Ärmel hochzukrempeln“. Und auch, wenn die Stadt die nötigen Planungskapazitäten erst jüngst aufgestockt habe, können man bei gutem Willen auch in den nächsten Jahren schon mehr tun.

„Der Bedarf für Investitionen ist jetzt schon da, nicht erst in zwei Jahren“, schließt sich Werner Blanke als Kreisvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) der Kritik an. Er sieht auch das von Planungsdezernent Ludger Wilde ausgegebene Ziel, bis 2030 einen Radverkehrsanteil von 20 Prozent zu erreichen, als zu zaghaft an.

Blanke plädiert dafür, einen Anteil von 30 Prozent anzupeilen. „Das Kopenhagen Deutschlands wird Dortmund mit 20 Prozent Radverkehrsanteil nicht“, stellt Blanke fest.

Damit spielt er darauf an, dass sich die Stadt in ihrer Pressemittelung zur künftigen Radverkehrsförderung, „auf dem Weg zum Kopenhagen Westfalens“ sieht. Die dänische Hauptstadt gilt mit einem Radverkehrsanteil von mehr als 40 Prozent europaweit als Musterbeispiel für eine fahrradfreundliche Stadt.

Spott in Sozialen Medien

Nicht nur in sozialen Medien bringt der Vergleich den Dortmunder Verkehrsplanern eher Spott ein. Kopenhagen sei in Sachen Radverkehrsförderung Champions League, nimmt Peter Fricke Anleihen beim Fußball. Mit den aktuellen Dortmunder Bemühungen „reicht es noch nicht einmal für den Aufstieg in die Regionalliga“, urteilt er.

Auch mit dem von der Stadt nach einer neuen Mobilitätsbefragung verkündeten Zehn-Prozent-Anteil des Radverkehrs in Dortmund sei man „noch weit entfernt von Städten wie Kopenhagen, Amsterdam oder auch Münster“, meint auch die Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion Ingrid Reuter.

Kritik an Autovorrang-Politik

Das Gefühl, mit dem Rad sicher durch die Stadt fahren zu können, scheitere in Dortmund „an der unerschütterlichen Vorrangstellung des Autoverkehrs, die durch die bisherigen politischen Entscheidungen immer wieder manifestiert wurde“, kritisiert Ingrid Reuter: „Wenn Dortmund zum Kopenhagen Westfalen werden soll, dann wird das kein leichter Weg. Und dann muss klar sein, dass es am Ende mehr Platz auf den Straßen für die klimafreundliche Fortbewegung geben muss.“

Die aktuellen Vorschläge der städtischen Verkehrsplaner gehen den Grünen denn auch nicht weit genug. „Eine ganze Spur auf dem Wall für den Radverkehr ist ebenso wenig dabei, wie die Definition grundlegender Qualitätsstandards für Radwege oder eine grüne Welle für den Radverkehr“, erklärt die Grünen-Politikerin. „Es fehlt in Dortmund bisher der Mut, grundsätzliche Veränderungen umzusetzen.“

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