Komödie lotet Salonfähigkeit des Populismus aus

dzFletch-Bizzel-Premiere

Im Fletch Bizzel feierte „Der rechte Auserwählte“ am Samstag umjubelte Premiere. Das Boulevardstück startet als muntere Beziehungskomödie, doch dann werden rassistische Klischees beleuchtet.

von Britta Helmbold

Dortmund

, 14.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie schon in der vorangegangenen Produktion „Der Vorname“ des Fletch-Bizzel-Ensembles wird auch im neuen Theaterstück „Der rechte Auserwählte“ des französischen Autors Eric Assous die Salonfähigkeit des neuen Faschismus ausgelotet. Regisseur Thomas Holländer hat die sarkastische und politisch-aktuelle Textvorlage unterhaltsam mit seinem spielfreudigen Mimen-Quintett in Szene gesetzt.

Doch zunächst haben Melanie und Greg ganz andere Bedenken. Zum Abendessen ist ihr reicher Freund Jeff eingeladen. Doch nun kommt noch Jeffs Ex-Geliebte Charline, und sie bringt ihren Verlobten mit. Kann das gut gehen? Denn Jeff trauert noch immer um seine verlorene Liebe.

Wortwitziges Geplänkel

In das wortwitzige Geplänkel der Bildungsbürger, wie man es aus französischen Konversationsstücken kennt, sickert der Populismus ein. Im beiläufigen Plauderton verrät Thomas Kemper als Charlines Verlobter seine rassistischen und antisemitischen Ansichten. Immer bewaffnet unterwegs, bedient er rassistische Klischees, mag keine Juden, hält alle Afrikaner für Autodiebe und hat anscheinend einen Latino umgebracht.

Sandra Schmitz, die die verliebte Charline spielt, hatte ja angekündigt, dass ihr Verlobter etwas anders sei. Doch den drei Freunden entgleisen – ob dieser faschistischen Standpunkte die Charlines Verlobter von sich gibt – zunehmend die Gesichtszüge. Zunächst macht sich nur Beklemmung breit, doch dann kommt es zum Streit unter den Männern.

Ein Anruf führt dazu, dass Noel die „Party“ verlassen muss. Und nun wird Charline – wegen ihrer Partnerwahl – in die Zange genommen, bis auch sie verärgert verschwindet.

Neue Wendungen im kurzweiligen Stück

Immer wieder nimmt das kurzweilige Stück neue Wendungen – und gegen Ende dreht es sich wieder um Beziehungen. Hans-Peter Krügers Greg gesteht seine Affäre mit Charline ein, zu einem Zeitpunkt, als sie noch mit seinem besten Freund Greg (Hein-Peter Lengkeit) zusammen war. Ein Grund für seine Ehefrau Melanie (wunderbar Bianka Lammert), einen hysterischen Anfall hinzulegen und ihm einen Koffer für den sofortigen Abgang zu packen.

Eine amüsante Komödie mit Tiefgang, und eine von Regisseur Holländer gut getimte Inszenierung mit fünf Schauspielern, die das Dialog-Pingpong gekonnt beherrschen. Eine sehenswerte Produktion, die man nicht verpassen sollte.

  • Weitere Termine: 10./11.5., 20 Uhr
  • Fletch Bizzel: Humboldtstraße 45
  • Karten: Tel. 142525 oder auf fletch-bizzel.de
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