Kommerzielle Altkleidersammlung: Für diese Dreistigkeit zahlen alle Dortmunder

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Seit Wochen ärgern sich Netter über Altkleiderberge auf der Dörwerstraße. Bürger informierten EDG, Ordnungs- und Umweltamt. Die Lösung des Ärgernisses naht – ist aber gar nicht so einfach.

Nette

, 26.08.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Dörwerstraße neben der Bushaltestelle Brinkmannstraße türmen sich Altkleider. Geschätzte acht Quadratmeter groß ist die Fläche der vermeintlichen wilden Entsorgung. Spielzeug liegt dazwischen. Ein Fall für die Dreckspetze der EDG, für Ordnungs- und Umweltamt? Sollte man meinen. Aber nur auf den ersten Blick.

Guido Burg meldete den Netter Dreckfleck über die Dreckspetze, schaltete das Ordnungsamt ein. Am 1. August teilte das Ordnungsamt ihm mit, die Angelegenheit sei zuständigkeitshalber beim Umweltamt. Am 9. August fragte Burg per E-Mail nach, ob „die Sache bei Ihnen noch in Bearbeitung ist“. Antwort: Die EDG habe das Ticket als erledigt geschlossen. „Problem gelöst“, schließt Guido Burg. Aber: „Der Zustand verschlechtert sich. Immer mehr Säcke werden einfach dazu geworfen.“

Legaler Umgang mit einem illegalen Container

Der Altkleider-Berg erstreckt sich neben einem kommerziellen Altkleidercontainer. Die Tür zum Leeren des Containers ist herausgerissen. Plastiksäcke und einzelne Altkleider liegen bis an den Rand des Bürgersteigs. „Hier steht ein illegaler Altkleidercontainer und niemand ist dafür zuständig?“, schreibt Burg an diese Redaktion. Zumindest mit dem ersten Teil seiner Aussage hat er wohl recht. Und darin liegt ein Teil des Problems.

„Eine komplexe Angelegenheit“, schreibt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage. Ordnungs-, Tiefbau- und Umweltamt hätten zunächst Fakten zusammengetragen, um abgestimmt handeln zu können. Auch die EDG und DEW21-Tochter Donetz seien einbezogen worden. Nein, hier wiehert nicht der Amtsschimmel über lange Wege in der Verwaltungwege. Die Angelegenheit ist in der Tat komplex.

Der Kleiderberg ist kein „normaler“ Müllberg

Normalerweise sei die EDG zuständig, wenn Altkleider auf öffentlicher Fläche wie ein Müllberg herum liegen. „Rein rechtlich darf aber ein solcher Kleiderberg nicht wie ein Müllberg behandelt und einfach entfernt werden“, erklärt Schön. Das haben Gerichte entschieden.

Hinzu kommt: Der Container steht gar nicht auf öffentlicher Fläche. „Wenn es ein privates Grundstück ist, dürfen wir nicht tätig werden“, erklärt EDG-Sprecherin Petra Kroll. Und bestätigt eine mittlerweile weitere Meldung über die Dreckspetze. Der Container steht vor einem Transformatorenhäuschen – und damit auf dem Grundstück von Donetz.

Kein Rückruf unter dieser Nummer

„Das ist ein wilder Container, der unerlaubt dort hingestellt wurde“, sagt Donetz-Sprecherin Jana-Larissa Marx. Davon gebe es gleich mehrere Fälle. Offenbar ein Geschäftsmodell, um keine Standmiete bezahlen zu müssen: „Die Container bleiben so lange da stehen, bis der Grundstrückeigentümer sich meldet und sie dann weggeschafft werden müssen.“ Problem in der Dörwerstraße: „Kollegen“, so Marx, „haben unter der am Container angebenen Handynummer angerufen und auf den Anrufbeantworter gesprochen. Es folgt aber kein Rückruf.“

Der Dortmunder Energie-Netzbetreiber verfährt nun – rechtlich sicher – wie das Tiefbauamt und die EDG: Ein Aufkleber fordert den Container-Besitzer auf, binnen 14 Tagen den Container zu beseitigen. Sollte dieser der Aufforderung nicht folgen, kann Donetz den Container beseitigen – muss ihn aber für ein halbes Jahr zwischenlagern. Beides auf eigene Kosten – und damit letztendlich zulasten aller Dortmunder.

Donetz suche derzeit einen Platz für das Zwischenlagern und bringe anschließend den Aufkleber an. „Was drum herum liegt, räumen wir dann aber schon mal weg – damit es wieder schöner aussieht“, erklärt Jana-Larissa Marx.

Kommerzielle Altkleidersammlung: Für diese Dreistigkeit zahlen alle Dortmunder

Zynisch wirkt der Aufkleber, mit dem der gewerbliche Container-Betreiber an den Gerechtigkeitssinn der Bürger appelliert. © Uwe von Schirp

Die kommerzielle Altkleidersammlung am illegalen Standort auf Kosten der Allgemeinheit wird zynisch durch einen Aufkleber des Betreibers an der Einwurfklappe. Dort steht: „1000 Euro Belohnung. Seit einiger Zeit werden uns von Mitbewerbern aus der Region Container gestohlen. Sollte Ihnen aufgefallen sein, dass andere Fahrzeuge unsere Container leeren oder sogar mitnehmen, rufen Sie uns bitte umgehend an, oder melden Sie den Diebstahl direkt bei der örtlichen Polizei, bei der wir bereits Anzeige erstattet haben. Vielen Dank!“

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