„Königin von Solingen“ will in Dortmund Oberbürgermeisterin werden

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Die Dortmunderin Judith Storb will für die Satirepartei „Die Partei“ als Dortmunds Oberbürgermeisterin kandidieren. Zur OB-Kandidatin ist sie aber auch in einer anderen Stadt gewählt worden.

Dortmund

, 03.06.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die nordrhein-westfälische Kommunalverfassung ist eindeutig. Ein Mensch kann nur in einer einzigen Stadt für den Posten des Bürgermeisters beziehungsweise des Oberbürgermeisters kandidieren. Gleichwohl ist die 26-jährige Dortmunderin Judith Storb gleich von zwei Kreiswahlversammlungen der Partei „Die Partei“ zur Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl gewählt worden: in Dortmund und in Solingen. Wie es dazu kam, ist eine kuriose Geschichte.

Die von Martin Sonneborn gegründete Partei namens „Die Partei“ versteht sich selbst als „Satirepartei“. So ganz ernst darf man also sicherlich nicht alles nehmen, was sie so verkündet. So zieht der Dortmunder Ortsverband mit einem 10-Punkte-Plan in den Wahlkampf zur Kommunalwahl am 13. September. Dass es 12 und nicht 10 Punkte sind, die da aufgelistet werden - geschenkt.

Oberstes Ziel: Corona-Verbot

Das oberste Ziel des Wahlprogramms lautet „Corona verbieten“. Wenn ein Verbot helfen würde, meinetwegen. Und dass die Partei mit einem Windrad auf der Säule auf dem Friedensplatz die „heiße Luft aus dem Rathaus“ nutzen will, findet bestimmt auch der eine oder andere ganz lustig - zumindest außerhalb des Rathauses.

Auf der Facebook-Seite des Ortsverbands Solingen der "Partei" wird Judith Storb als gekrönte Kandidatin für die OB-Wahl in Solingen gefeiert.

Auf der Facebook-Seite des Ortsverbands Solingen der "Partei" wird Judith Storb als gekrönte Kandidatin für die OB-Wahl in Solingen gefeiert. © Screenshot: Ulrich Breulmann

Aber mit einem veritablen Eigentor ihrer OB-Kandidatin haben sich die satirischen Politiker beziehungsweise die politischen Satiriker nun doch herumzuschlagen. Judith Storb wurde nicht nur am 8. März bei der Dortmunder Kreiswahlversammlung zur OB-Kandidatin für Dortmund gewählt, sondern auch am 25. Mai von der Kreiswahlversammlung in Solingen zur OB-Kandidatin für Solingen. Dort setzte man ihr nach der Wahl sogar eine Krone aufs Haupt und krönte sie so zur „Königin von Solingen“.

Foto mit Krönchen auf dem Kopf

Die junge Frau gerät ins Stottern, als sie von unserer Redaktion auf die auf der Solinger Facebook-Seite der „Partei“ verbreitete Nachricht von der doppelten Kandidatenkür, die mit einem Krönchen-Bild von ihr garniert ist, angesprochen wird. „Das war gar nicht so ernst gemeint. Aber dass sie die Bilder veröffentlicht haben, das ist dumm gelaufen. Aber: Jeder macht Fehler.“

Auf der Facebook-Seite des Ortsverbands Solingen der "Partei" wird die Wahl von Judith Storb zur Ob-Kandidatin für Solingen verkündet.

Auf der Facebook-Seite des Ortsverbands Solingen der "Partei" wird die Wahl von Judith Storb zur Ob-Kandidatin für Solingen verkündet. © Screenshot: Ulrich Breulmann

Die ganze Geschichte hänge eben damit zusammen, dass sie bei ihrem dualen Studium als Wirtschaftsinformatikerin den praktischen Teil in Solingen absolviert habe. Dort habe sie den Ortsverein der Partei mitgegründet und habe immer noch enge Beziehungen dorthin.

Parteifreunde finden es nicht witzig

„Das ist mein Kreisverband der Herzen, antreten werde ich offiziell in Dortmund, wo ich lebe, aber nicht in Solingen. Da habe ich im Rathaus auch gar keine Kandidatur angemeldet“, sagt sie und die Pressestelle der Stadt Solingen bestätigt das.

Ihre Freunde in Solingen hätten sich halt nur einen Spaß machen wollen - den wiederum ihre Parteifreunde in Dortmund nicht wirklich witzig gefunden hätten: Glücklich seien sie nicht gewesen, als sie die Facebook-Nachricht gesehen hätten, sagt Judith Storb.

Warum man die Nachricht dann nicht sofort wieder gelöscht habe? Auf diese Frage hat Judith Storb eine Antwort, die wirklich einer großen Politikerin würdig wäre: „Wir brauchen eine Lösung, die das Ganze formalpolitisch hübsch darstellt.“ Bisher ist das nur so halb gelungen.

Noch fehlen Unterschriften

Auf ihrer eigenen Facebook-Seite verkauft Judith Storb die Geschichte inzwischen als großen Spaß, mit dem man auf die Möglichkeit der Kostenersparnis habe hinweisen wollen - eine Oberbürgermeisterin für zwei Städte. Auf der Facebook-Seite der Partei Solingen dagegen ist die Nachricht auch am Montagnachmittag noch immer zu finden - samt einem Foto von Judith Storb mit Krönchen.

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Übrigens: Noch hat Judith Storb nicht genügend Unterstützungsunterschriften zusammen, um wirklich bei der Kommunalwahl antreten zu dürfen. Nach ihrer Aussage fehlen ihr aktuell noch mehr als 200.

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