Kneipensterben geht weiter: nächste „Traditions-Pinte“ in Dortmund ist geschlossen

dzGaststätten in Dortmund

Sie gehen langsam aus, die Treffpunkte, an denen man mal ein schnelles Pils trinken oder den Kasten des Sparklubs mit Münzen füttern kann. Im Dortmunder Süden schließt die nächste Kneipe.

Holzen

, 20.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tradition ist ja immer relativ. Aber bei dieser Gaststätte, die im Dortmunder Süden verschwindet, gibt es keinen Zweifel. Jahrzehnte gehörte sie zum Ortsteil, war vielen ans Herz gewachsen und hatte ganz sicher Tradition.

Ende der 60er Jahre wurde der Heidekrug in Holzen eröffnet. Gebaut in der Zeit, als auch der neue „Ortskern“ des südlichen Vororts entstand. Nördlich des Heidewegs wurden Mehrfamilienhäuser hochgezogen. Eine kleine Ladenzeile plus Tankstelle entstand – und eben auch der „Heidekrug“.

Seit Jahresanfang geschlossen

Der hat vor knapp vier Wochen seine Türen geschlossen. Für immer. Die Kneipe ist dicht. Zwar hängen noch die Getränkepreise im Schaukasten und auch die Fahne von Borussia Dortmund weht noch am Fahnenmast vor der kleinen Außenterrasse. Aber die Rollladen sind heruntergelassen und werden sich wohl auch für die Traditionspinte nicht mehr öffnen.

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Ein Foto aus dem Jahr 1967. Im roten Kreis die Gaststätte „Heidekrug". © Repro Ziese

Der Pachtvertrag, der ausgelaufen ist, wurde nicht mehr verlängert. Eine Kneipe wird hier wohl nicht mehr eröffnen. Eine Wohnbebauung ist vermutlich geplant, der Heidekrug soll abgerissen werden. Wann, das steht aber noch in den Sternen. Wohnbebauung? Bei der kommunalen Politik weiß man noch nichts. „Mir ist da noch nichts zu Ohren gekommen“, sagt Bezirksbürgermeister Sascha Hilgeris. Auch in den Unterlagen für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung am Dienstag (28.1.) sei zu diesem Thema nichts zu finden.

Fußballabteilung wurde hier gegründet

Jahrelang war die Kneipe nicht nur der Treffpunkt vieler Holzener, sondern hier wurde auch Vereinsgeschichte geschrieben. So wurden hier im Jahre 1970 die Weichen zur Fußballabteilung des TuS Holzen-Sommerberg gestellt. Unter dem Namen TuS Gut-Heil Sommerberg-Höchsten wurde im Heidekrug am 5. Januar eine Fußballabteilung gegründet.

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Der Heidekrug in Holzen ist dicht. © Jörg Bauerfeld

Auch als Vorverkaufstätte bei verschiedenen Aktivitäten in Holzen trat der „Heidekrug“ immer wieder in Erscheinung. Wenn etwas Größeres anstand, der „Heidekrug“ hatte Karten.

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Auch die gute alte Tradition des Sparklubs wurde in der kleinen Kneipe aufrechterhalten - bis zuletzt. So gab es bis zur Schließung vor einigen Wochen noch zwei große Sparklubs und einen kleinen. Einer ist jetzt ein paar Hundert Meter weiter in das Restaurant Haus Ledendecker gewechselt, der andere ist über die Stadtgrenze nach Schwerte abgewandert und ist jetzt im Café- und Bierhaus „Bei Maria“ heimisch geworden. Den kleinen gibt es nicht mehr.

Nicht mehr viel in Holzen

„Ich bin immer gerne im Heidekrug gewesen“, sagt Doris Peschke stellvertretende Schriftführerin der Interessengemeinschaft (IG) Holzen. Hier sei ein schöner Treffpunkt gewesen, wo man sich zwanglos treffen konnte. Und eben auch noch am Tresen sitzen konnte. „Das wird in Holzen jetzt schwierig“, sagt Doris Peschke. Da bliebe im Moment lediglich Haus Ledendecker. „Bei Heini an der Theke ist es aber immer sehr eng.“

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Auch die Männergesangsvereine Höchsten und Rote Erde war hier mal zuhause.

Das „Kneipensterben“ ist auch für Freddy Ziese sehr traurig. Der Heimatpfleger, der Holzen in- und auswendig kennt, zählt noch einmal auf, was es früher für Lokalitäten in Holzen gab. „Es gab den Starenkasten an der Werkstraße, da ist jetzt ein Fensteranbieter drin und das Niemand im Wacholderweg“, sagt Ziese.

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Das Schild wird bald abgeschraubt. © Jörg Bauerfeld

Und natürlich im Wannebachtal Krämer in der Wanne (das heutige Wirtshaus Krämer) und Götter in der Wanne. Das ist ebenfalls schon Jahrzehnte geschlossen. Jetzt sind in Holzen nur noch Haus Ledendecker und die Pizzeria Da Nino, die noch größere Restaurationsräume in dem südlichen Dortmunder Stadtteil haben.

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