Klinikum rettet BVB-Fan mit weltweit einzigartiger Operation

dzAußergewöhnlicher Eingriff

Mit einer weltweit einzigartigen Doppel-Operation hat das Klinikum Dortmund das Leben eines Mannes gerettet. Was den BVB-Fan gesund gemacht hat, soll bald auch vielen anderen Menschen helfen.

Dortmund

, 09.05.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Kreislauf aus Krankheiten, aus dem Rolf Konepatzki nicht mehr von alleine herausgekommen ist. Vor knapp 15 Jahren erhielt er die Diagnose Diabetes. Starkes Übergewicht und ein hoher Blutzuckerspiegel führten zu vier Herzinfarkten.

Das Klinikum Dortmund konnte ihn jetzt auf einen Schlag mit einer weltweit neuartigen Operation heilen - und sein Leben grundlegend verändern.

Operation an Herz und Magen läuft gleichzeitig

Weil ohne eine starke Gewichtsabnahme keine Herz-OP langfristig Erfolg gebracht hätte, haben die Experten aus der Herzchirurgie, der Kardiologie und der Chirurgie des Klinikums innerhalb von wenigen Tagen einen Stent- und Bypass-Eingriff am Herzen sowie eine Magenverkleinerung durchgeführt – beides minimalinvasiv und laut Klinikum in der Form bislang einmalig.

Jetzt lesen

Wie das Klinikum auf Anfrage mitteilt, gab es eine solche OP-Kombination bislang nur, wenn zur Herz-Erkrankung ein Magentumor vorlag, die Eingriffe also zwangsläufig durchgeführt werden mussten.

Das BVB-Trikot sitzt immer besser

Die Eingriffe aus Vorsorge zu kombinieren, „um eine weitere Verschlechterung des Gesamtzustandes des Patienten mit Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Störungen des Fettstoffwechsels zu vermeiden und sein Wohlbefinden langfristig zu bessern, gab es nach allem, was wir gelesen haben, weltweit noch nicht“, so das Klinikum.

Wenige Wochen nach diesem Doppel-Eingriff geht es dem großen BVB-Fan Rolf Konepatzki immer besser. Persönliche Besuche auf der Station sind noch nicht möglich, daher lässt er über das Klinikum ausrichten, wie es ihm geht.

Er nehme immer weiter ab, das schwarzgelbe Trikot sitze auch immer lockerer. Vorher habe es immer gespannt und sei hochgerutscht. Heute sitzt es - für ihn ein tolles Zeichen. Vor den OPs lag sein Gewicht bei 180 Kilo.

Warum aber ist dieser Eingriff bislang nirgendwo zwischen New York und Sydney durchgeführt worden? Das Klinikum macht dafür folgende Gründe aus.

Stark übergewichtige Patienten werden normalerweise für eine Bypassoperation abgelehnt. Wenn sie operiert werden, dann über die Eröffnung des Brustbeins, wodurch aber das Risiko schwerer Wundinfekte größer ist.

Wegen der Kombination aus Anästhesie und minimal-invasiver Chirurgie konnte der Eingriff so durchgeführt werden. „Aber das machen weltweit nicht viele Chirurgen, insbesondere nicht bei Patienten mit mehr als 160 Kilogramm“, so das Klinikum.

Expertise aus zwei Fächern in der Dortmunder Klink ist eine seltene Kombination

„Die Schlauchmagen-OP in minimal-invasiver Technik bedarf einer besonderen Expertise und wird nur in speziellen Zentren durchgeführt“, erklärt das Klinikum. „Und beides zusammen in einem Zentrum ist eben selten.“

Prof. Dr. Alexander Albert, Direktor der Klinik für Herzchirurgie, hat bislang nach eigener Aussage mehr als 10.000 Befragungen von Patienten nach einer Herz-OP durchgeführt, um zu erfahren, welche Probleme nach einer gelungenen Operation noch auf die Patienten zukommen.

Bei Rolf Konepatzki hatte Albert nach Gesprächen mit dem Patienten vorausgesehen, dass die Bypass-Operation einen begrenzten Nutzen hat, wenn er sein Gewicht nicht in den Griff bekommt.

Der Patient verliert Gewicht und braucht kein Insulin mehr


Konepatzki hatte bereits erfolglos einen Versuch gestartet, intensiv abzunehmen und einen Antrag auf Magenverkleinerung gestellt, der von den Kassen abgelehnt wurde. So kam Prof. Dr. Alexander Albert auf die Idee, ihm beides anzubieten.

Das Klinikum jedenfalls will die Doppel-OP in der Fachliteratur veröffentlichen und auch in Zukunft durchführen: „Wir waren selbst erstaunt, wie schnell der Patient sich erholt hat, die Herzbeschwerden verschwunden sind, abgenommen hat und seine Blutzuckererkrankung sich so gebessert hat, dass er kein Insulin mehr braucht.“

Lesen Sie jetzt