Kleines Wunder: Gelähmter Andriy (2) aus der Ukraine lernt jetzt laufen

dzCaritas Dortmund

Dank der Caritas erhielt der teilweise gelähmte Andriy (2) aus der Ukraine in Dortmund professionell Hilfe. Jetzt hat er seine ersten Schritte getan – ein kleines Wunder, die Mutter weinte.

von Alexandra Wachelau

Mitte

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Der zweijährige Andriy wirkt etwas schüchtern. Seine Mutter dagegen strahlt, als die Dolmetscherin sie nach der Entwicklung ihres Jungen fragt. Er sei – an der Hand seiner Mutter – schon mehrere Schritte gegangen, zum ersten Mal in seinem Leben.

Andriy ist in der 25. Woche als Frühchen zur Welt gekommen. Sein Zwillingsbruder hat die Geburt nicht überlebt. Andriy selbst leidet schon sein ganzes Leben an Lähmungen in den Beinen.

„Wir haben es geschafft, Andriy sehr kurzfristig in den Workshop von Nancy Hylton einzuschleusen“, sagt Viviana Mehlan von der Caritas Dortmund. Das Team kennt den Jungen selbst noch nicht lange: „Mein Mann, der das LVR Freilichtmuseum Lindlar leitet, hat ihn bei einer Ausstellungsbesichtigung gesehen“, sagt Christa Joist vom Caritasverband Gummersbach.

In dem Dorf von Andriy war keine medizinische Hilfe vorhanden

Das war vor zwei Wochen. Dass die beiden Frauen von der Caritas sich so schnell um die Hilfe für den Jungen kümmern konnten, sei ein „Glücksfall“. Die Ukraine ist das zweitärmste Land in Europa. Nur wenige Familien können sich eine ärztliche Behandlung überhaupt leisten.

Der von der Caritas finanzierte Workshops sorgt dafür, dass Andriy in Zukunft vielleicht ohne Hilfe gehen kann. Die ersten Schritte habe er, als er die Orthese anprobierte, bereits getan, berichtet Viviana Mehlan. „Die Eltern haben vor Freude geweint. Das war wie ein kleines Wunder“, sagt sie.

Nancy Hylton unterrichtet in ihrem Workshop Physiotherapeuten. Deren junge, motorisch eingeschränkte Patienten bekommen hier Gipsabdrücke, aus denen Prothesen entwickelt werden.

Kleines Wunder: Gelähmter Andriy (2) aus der Ukraine lernt jetzt laufen

Nancy Hylton (5. v. l.) engagiert sich schon seit über 20 Jahren für Kinder wie Andriy, die motorisch beeinträchtigt sind. © Wachelau

Die Amikanerin Nancy Hylton entwickelte während ihrer Arbeit als Physiotherapeutin die sogenannten „dynamischen Orthesen“. Diese Art von Prothesen stützen beispielsweise spastische Lähmungen. Einmal im Jahr gibt sie einen einwöchigen Workshop in Dortmund, in dem sie vor allem Physiotherapeuten von Kindern im Umgang mit den Orthesen schult.

Der Andrang hierfür ist enorm. Auch in diesem Jahr hatten manche ihrer jungen Patienten eine lange Anreise: Aus Italien, Estland oder – wie bei dem zweijährigen Andriy – aus der Ukraine.

Akzeptanz, Geduld und ein gesichertes Versorgungsumfeld schaffen

Ob und in welcher Form Andriy wieder laufen wird, kann Nancy Hylton nicht voraussagen. Aber sie schätzt seine Chancen gut ein. Sie hat schon viele Kinder mit ähnlichen Symptomen begleitet, die jetzt laufen können. Außerdem, so sagt sie, zeige er Freude daran, sich zu bewegen – ein gutes Zeichen.

Detlef Kokegei, Mitarbeiter an der BUFA, sagt, dass es bei solchen Projekten ebenfalls darauf ankäme, Akzeptanz zu schaffen. „Manche Kinder werden vielleicht trotz der Behandlung nie laufen können. Aber sie können lernen, damit umzugehen, und das Umfeld auch. Das ist manchmal genauso wichtig.“

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