Viele Kinder, geringer Abstand, mehr Infektionen? Wie geht es in den Kitas in Dortmund weiter? © picture alliance/dpa
Coronavirus

Kitas wieder offen für alle: Erzieher sorgen sich vor Corona-Mutationen

Gibt es mehr Corona-Infektionen, wenn wieder mehr Kinder in die Kitas gehen? Das ist eine Sorge, die die Verantwortlichen haben. Allerdings: Es gibt auch viel Verständnis für die Eltern.

„Die Eltern sind an einer Grenze gewesen“, sagt Jochen Schade-Homann, beim evangelischen Kirchenkreis Dortmund zuständig für die Kitas. „Viele berichten von sehr hohen Belastungen“, pflichtet Daniel Kunstleben bei, der Chef beim städtischen Kita-Träger Fabido.

Dennoch: Wenn ab Montag alle Mädchen und Jungen gerne zurückkehren dürfen in die Kindergärten, wenn es keinen Appell des Landes NRW mehr gibt, die Kleinen doch zuhause zu lassen – dann sind da auch Sorgen bei den Erziehern und Verantwortlichen.

Erzieher haben Sorgen vor Corona-Mutationen

„Ich frage mich schon, was es für ein Infektionsgeschehen gibt, auch in Bezug auf Corona-Mutationen“, sagt Awo-Kita-Chefin Petra Bock. „Was geschieht jetzt? Was kommt auf uns zu?“, fragt sich Birgit Sprenger vom Träger der katholischen Kirche im östlichen Ruhrgebiet. Und Wohlleben unterstreicht: „Die Sorge ist für die Mitarbeiter ein permanenter Begleiter.“

Ab Montag (22.2.) gelten feste Regeln: Alle Kinder dürfen kommen, allerdings zehn Stunden weniger pro Woche, als normal wäre. Das bedeutet beispielsweise: abholen um 14 statt um 16 Uhr.

Feste Gruppen? Klappt das in der Realität?

Zudem bleiben alle in festen Gruppen. In offenen Konzepte wären Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar. Und Springer – also Erzieher, die mal in der einen, dann in der anderen Gruppe oder Kita arbeiten – sollte es nicht mehr geben.

Ob das in der Realität funktioniert? Petra Bock (Awo) bezweifelt das: „Mitarbeiter haben auch mal Urlaub. Außerdem fängt die Erkältungszeit an.“ Und: Einige Erzieher hätten auch Schulkinder, die sie betreuen müssten, sodass sie nicht in die Kitas kommen könnten.

Zusätzliche Erzieher gibt es nicht auf dem Markt

Angenehm wäre es natürlich, könnte man zusätzliche Erzieher einstellen. Aber die gebe es nicht auf dem Markt, „und das wird zum Problem.“

Daniel Wohlleben (Fabido) sieht das ähnlich. Man habe schon eine Dauerausschreibung laufen – bei 2500 Mitarbeitern sei ja andauernd Fluktuation, etwa durch Ruhestand oder Schwangerschaft.

Die Situation ab Montag „stellt uns vor neue Herausforderungen“, findet Birgit Sprenger (kath. Kirche): „Was heißt es, eine Kita wieder hochzufahren?“ In den vergangenen Wochen seien ja nur wenige Kinder gekommen, berichten alle vier großen Kita-Träger. „Um die 30 Prozent, mal mehr, mal weniger“ bei den Katholiken, „Mitte 30 Prozent“ bei Fabido, „40 bis 50 Prozent, manchmal auch mehr“ bei der Awo. „50 bis 70 Prozent, aber in manchen Einrichungen auch 70 bis 80 Prozent“ bei den Protestanten. Dessen oberster Kita-Leiter Schade-Homann rechnet aber „nicht damit, dass wir auf die 100 Prozent kommen“.

„Minister hat Eltern schon unter Druck gesetzt“

Er sagt auch: „Ich sehe das ganz gelassen. Dass wir das jetzt so machen, ist ja auch notwendig.“ Seit 16. Dezember seien viele Kinder zuhause. Das könne nicht so bleiben. „Und dass es jetzt kommt, hängt natürlich auch mit der Schulöffnung zusammen.“

NRW-Familienminister Joachim Stamp habe „die Eltern schon unter Druck gesetzt“, kritisiert Schade-Homann. Und die aktuelle Lösung sei „noch nicht die ganz große Perspektive.“

Wie lassen sich große Ausbrüche in Kitas vermeiden? Durch Masken, findet die Awo-Verantwortliche Petra Bock. Nur: In welchen Situationen konkret die getragen werden sollen, müsse man bis Montag noch absprechen.

Wenn sich Erwachsene begegnen: Maske tragen

Fabido-Chef Kunstleben unterstreicht: Wo sich Erwachsene begegnen, müsse Maske getragen werden. Wenn die Eltern die Kinder bringen oder abholen – auch wenn die Übergabe nur an der Tür oder im Eingangsbereich passiere – aber auch auf Fluren, in Pausenräumen, in Sozialräumen, wenn die Erzieher unter sich sind.

Dennoch möchte auch Kunstleben eins noch betonen: „Die Kolleginnen und Kollegen freuen sich auf die Kinder.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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