Kita passt nicht auf: Kind (2) allein an viel befahrener Straße gefunden

Polizei-Einsatz

Der zweijährige Jan ist am Donnerstag (27.8.) verschwunden. Dabei hat er lebensbedrohliche Allergien und muss eigentlich besonders intensiv beaufsichtigt werden. Seine Mutter ist schockiert.

Dortmund

, 28.08.2020, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marta Turowski-Jürck erlebte am Donnerstag (27. August) den Schock ihres Lebens.

Marta Turowski-Jürck erlebte am Donnerstag (27. August) den Schock ihres Lebens. © Privat

Der Besuch in einem Kindergarten oder einer Kindertagesstätte ist für ein Kind ein großer Meilenstein. Die erste Emanzipation von den Eltern in einem noch jungen Leben. Eine Zeit lang getrennt von ihnen zu sein ist ungewohnt. Daran muss sich so ein Kind erst mal gewöhnen.

So auch der Sohn von Marta Turowski-Jürck (37). Seit Anfang August besucht der zweieinhalbjährige Jan einen Kindergarten im Kreuzviertel. Noch muss er sich aber eingewöhnen.

Die Eingewöhnungsphase lief noch

Die Eingewöhnung war bisher eher schwierig. Eine Stunde ohne Mama war für Jan zu viel, „er hat dann immer geweint“, erzählt Turowski-Jürck. Am Donnerstag (27.8.) wurde Jan von seiner Mutter um 9 Uhr in die Kita gebracht. Zum ersten Mal in dieser Woche, zuvor war der Sohn krank.

Erstaunlicherweise verkraftete Jan die Trennung von Mama an dem Tag besser, sodass Marta Turowski-Jürck mit den Erziehern vereinbarte, dass ihr Sohn bis 11 Uhr in der Kita bleibt. Eine Stunde länger als sonst. Sie ging nach Hause. Doch er wollte wohl nicht in der Kita bleiben und büxte aus.

Ältere Dame beruhigt Jan mit einem Lolli

Gegen 10.45 Uhr wurde eine ältere Dame an der Kreuzstraße, Ecke Weisbachstraße, auf das Kleinkind aufmerksam. Als sie den Jungen ansprach, soll er „Wo ist Mama?“ gefragt haben, wie Polizeisprecher Peter Bandermann berichtet. Turowski-Jürck zufolge habe ihr zweieinhalbjähriger Sohn an einer Ampel gestanden und auf die Schalter gedrückt – an einer viel befahrenen Straße.

„Die Frau hat das einzig Richtige gemacht und die Polizei gerufen“, so Bandermann. Und sie hat das Kind nicht allein gelassen, bis eine Streife eintraf. Zur Beruhigung bekam das Kind von der Frau einen Lolli.

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Um kurz nach 11 war Turowski-Jürck auf den Weg zur Kita, um ihren Sohn abzuholen. An der Kreuzung Hohe Straße / Kreuzstraße bemerkte sie vom Weiten „ein süßes Kind“ und zwei Polizisten – als ihr klar wurde, dass es ihr Sohn ist, war sie schockiert.

Sie sei dann auf die andere Straßenseite gerannt und habe die Beamten gefragt, warum ihr Sohn bei ihnen ist. Die Polizisten erklärten ihr, was passiert war. Mutter, Kind und Polizei machten sich auf dem Weg zur Kita.

Ein Kita-Wechsel steht jetzt an

Den Mitarbeitern der Kita war der entlaufene Junge dabei gar nicht aufgefallen. Auch eine Entschuldigung habe es nicht gegeben, wie Turowski-Jürck erzählt. Lediglich die Aussage: „Das kann doch nicht sein.“

Turowski-Jürck ist darüber entsetzt. Vor allem weil ihr Sohn eine besonders schwere Lebensmittelallergie habe, die lebensbedrohlich sein kann und er deshalb zu 40 Prozent behindert ist. Und deshalb eigentlich besonders intensiv beaufsichtigt werden sollte. „Hätte die ältere Frau meinem Sohn statt eines Lollis Schokolade gegeben, wäre das fatal gewesen“, so die Mutter.

Zwar habe sich der Kindergarten mittlerweile bei Turowski-Jürck entschuldigt, trotzdem hat die wütende Mutter sich dazu entschlossen, die Kita zu wechseln – auch für ihr zweites, älteres Kind, das dort ebenfalls untergebracht ist.

Ein aufregender Tag mit der „Polisei“

Die Mutter hat sich direkt beim Jugendamt beschwert und den Träger des Kindergartens informiert. Der betroffene Kindergarten wollte sich am Freitag gegenüber unserer Redaktion nicht zu dem Vorfall äußern.

Der kleine Jan hat die Situation übrigens gut verkraftet: Er hat sich direkt schlafen gelegt, als er wieder zu Hause war, konnte aber nach dem Nickerchen seinem Papa von seinem aufregenden Tag mit „Lolli“ und „Polisei“ berichten.

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