Kirchentag ruft auch die Kirchenkritiker auf den Plan

dzEvangelischer Kirchentag

Jede Menge Politprominenz bietet der Evangelische Kirchentag vom 19. bis 23. Juni in Dortmund. Das und vor allem die finanzielle Unterstützung stößt aber auch auf Kritik.

Dortmund

, 13.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Ballon ist jäh geplatzt auf dem Titelblatt des Prospekts. Unter dem Titel „Vertrauen zerplatzt“ wirbt die Initiative „Religionsfrei im Revier“ für ihr Gegenprogramm zum Kirchentag in Dortmund. Mit einer Veranstaltungsreihe im Schauburg-Kino an der Brückstraße wollen die Kirchenkritiker vom 19. bis 22 Juni Stellung beziehen gegen die allzu enge Verzahnung von Kirche und Staat.

Der Kirchentag, der mit öffentlichen Mitteln kräftig gefördert wird, ist da nur ein willkommener Anlass. Die Kritik ist grundsätzlicher Art. „Wir wollen nicht die Kirche abschaffen und auch den Menschen auf dem Kirchentag nicht den guten Willen absprechen“, erklärt Arnold Evertz als Sprecher der Initiative „Religionsfrei im Revier“. „Unsere Kritik richtet sich an den Staat, der die Kirchen in ungebührlichem Maß privilegiert.“

Hartmann Schimpf sieht als Vertreter der Initiative darin einen Verstoß gegen den schon seit der Weimarer Republik bestehenden Verfassungsauftrag zur Neutralität des Staates.

Protestaktion gegen finanzielle Förderung

Schon im Vorfeld der Ratsentscheidung für die städtische Unterstützung des Kirchentages mit 2,8 Millionen Euro im Jahr 2015 hatten Vertreter der kirchenkritischen Giordano-Bruno-Stiftung Protestaktionen gestartet. Im Mittelpunkt stand eine überdimensionale Moses-Figur mit einer Tafel zum „elften Gebot“. Titel: „Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen.“ Sie wird auch bei Infoständen der Religionsfrei-Initiative während des Kirchentages am 19. Juni am Möchenwordt und vom 20. bis 22. Juni am Willy-Brandt-Platz, wieder auftauchen.

Doch nicht nur wegen der finanziellen Unterstützung ist der Kirchentag für die Kritiker ein gutes Beispiel für die engen Verflechtungen zwischen Staat und Kirche. Auch die Aufritte zahlreicher Politiker vom Bundespräsidenten über diverse Minister bis zur Bundeskanzlerin zeigten die besondere Nähe, kritisieren Schimpf und Evertz.

Dabei sei die Gruppe der Menschen, die sich als religionsfrei bezeichnen, nach aktuellen Studien größer als die jeweilige Mitgliederschaft der katholischen und der evangelischen Kirche. „Man kann an der Gruppe der Religionsfreien nicht vorbei“, findet Evertz. „Wir sehen uns als Lobby für diejenigen, die fernab von Religion selbstbestimmt leben wollen.“

„Ketzertag“ als Gegenforum

Ein Forum dafür bietet der „Ketzertag“, der das Kirchentagsprogramm mit ebenfalls hochkarätigen Gästen kontert. Am Mittwoch (19.6., 18.30 Uhr) steht der bekennende Atheist Philipp Möller, Autor des Bestsellers „Gottlos glücklich“, auf der Bühne in der Schauburg. Am Donnerstag spricht ab 18.30 Uhr der Politologe Carsten Frerk über die finanziellen Verflechtungen zwischen Staat und Kirche und die Juristin Jacqueline Neumann zum Thema Weltanschauungsrecht.

Die bekanntesten Vortragenden des „Ketzertages“ sind am Freitag die frühere SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier, die sich kritisch mit dem kirchlichen Arbeitsrecht auseinandersetzt, und der vom Düsseldorfer Karnevalszug bekannte Künstler Jacques Tilly. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet am Samstag ab 18.30 Uhr ein Streitgespräch zwischen dem Atheistin Michael Schmidt-Salomon und dem katholischen Theologen Prof. Klaus von Stoch – moderiert vom evangelischen Pfarrer Friedrich Laker.

Straßenfest zum Humanistentag

Eher Zufall ist es, dass auch der Humanistische Verband NRW mit Sitz in Dortmund am Kirchentags-Wochenende den Welthumanisten-Tag feiert – wobei das Straßenfest in der Küpferstraße, zwischen Löwenstraße und Märkischer Straße, dazu bewusst etwas größer ausfällt, wie Geschäftsführer Thomas Oppermann ankündigt.

Nach der Eröffnung am Freitag (21.6.) ab 18 Uhr gibt es am Samstag (22.6.) wie beim Kirchentag Workshops, Diskussionen, Lesungen, Theater und ein Konzert. Kreative Aktionen gibt es zum Abschluss am Sonntag (23.6.) ab 10 Uhr.

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