Gemeinschaftsunterkünfte: Wenn ein „Frühstück deluxe“ müde Gäste zu neuem Leben erweckt

dzEvangelischer Kirchentag

Mehr als 20.000 Kirchentagsgäste schlafen in Dortmunder Schulen. Hier verbringen sie die Nacht auf der Luftmatratze und stärken sich beim Frühstück für den Tag. Unter anderem in Nette.

Nette

, 20.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist kurz nach halb acht Uhr an diesem Feiertagsmorgen. Stimmengewirr dringt aus den gekippten Fenstern von Albert-Schweitzer-Realschule und Heinrich-Heine-Gymnasium in Dortmund-Nette. Die Kirchentags-Gemeinschaftsunterkunft erwacht.

Wo sonst zur gleichen Stunde Schüler den Weg in ihr Klassenzimmer suchen, steht Axel Gebhard in einer langen Schlange. Tasse, Teller, Besteck in der Hand und noch ein wenig Schlaf in den Augen. „Ich hab ganz gut geschlafen, aber mir tut alles weh.“ Folgen einer Nacht auf der Isomatte.

Mensa bietet optimale Bedingungen

Die Schlange, in der der Rostocker steht, ist lang. 637 Kirchentagsgäste schlafen im Schulzentrum am nordwestlichen Stadtrand. Es dauert also eine Zeit, bis jeder seinen Kaffee oder Kakao, sein Brötchen, Aufstrich, Obst und Joghurt geholt hat. Die Ausgabe erfolgt im gemeinsamen Mensabereich der beiden Schulen.

Gemeinschaftsunterkünfte: Wenn ein „Frühstück deluxe“ müde Gäste zu neuem Leben erweckt

Eine schier endlose Schlange bildet sich am Morgen vor der Frühstücksausgabe. 637 Gäste wollen versorgt werden. © Uwe von Schirp

Die Bedingungen hier sind top, hat frühmorgens schon das Ordnungsamt bei einer Kontrolle bestätigt – und gleich selbst gefrühstückt, erzählt Maik Voswinkel, der Quartiermeister. Die strengen Hygienevorschriften lassen keine Improvisation zu. Trotzdem werden Voswinkel und sein 40-köpfiges Team später beraten, was sie für die kommenden Tage verbessern können. Die evangelische Jugend des Kirchkreises Hattingen-Witten betreut die Unterkunft.

Frühstück mit viel Obst, Gemüse und Joghurt

Das Warten in der schier endlosen Schlange lohnt sich. „Das Essen ist der Oberhammer“, sagt Bert Schmidt aus Celle beeindruckt. Die Frischetheke in der Mensa lässt kaum einen Wunsch offen. Denn nicht nur das obligatorische Brötchen und zwei Scheiben Brot, Butter, Marmelade, ein wenig, Wurst und Käse, dazu einen Joghurt und ein Apfel liegen auf den Frühstückstellern.

Gemeinschaftsunterkünfte: Wenn ein „Frühstück deluxe“ müde Gäste zu neuem Leben erweckt

In der Mensa des Netter Schulzentrums erwartet die Gäste ein "Frühstück deluxe". © Uwe von Schirp

Im Netter Schulzentrum gibt es für Kirchentags-Verhältnisse ein „Frühstück deluxe“: kleine Möhren, Gurken, Nektarinen, Bananen liegen in den Obstschalen. Mehrere Geschmackssorten Joghurt stehen daneben, ebenso mehrere Sorten Müsli. Alles in Bio-Qualität – wie in allen anderen 179 Gemeinschaftsunterkünften auch.

Übernachten im Gemeinschaftsquartier ist ein Muss

Nun hat sich hier kein Sponsor besonders ins Zeug gelegt. Für jeden Übernachtungsgast stehen wie überall 2,70 Euro für die Verpflegung zur Verfügung. Das nette Frühstück in Nette hat jedoch einen Namen: Björn Wiedemeier, Betreuer im Team und im Alltag Marktleiter eines Lebensmitteldiscounters. Ein Zu- und Glückfall.

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Während die Schlange langsam kürzer wird, trinken Sabine und Mario Rossi sowie Angela Scholle ihren Kaffee aus. Sie kommen aus Remscheid. „Umme Ecke“, sagt Sabine Rossi. Trotzdem stand ein tägliches Pendeln für die Gemeinde-Gruppe nicht zur Debatte. Nur im Gemeinschaftsquartier sei der Kirchentag hautnah, sagt die Pastorin und Jugendreferentin. „Hier ist man mit anderen zusammen und nimmt sich gegenseitig wahr.“

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So schlafen und frühstücken die Kirchentagsteilnehmer

So schlafen und frühstücken die Kirchentagsgäste im Gemeinschaftsquartier
20.06.2019
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Mario und Sabine Rossi sowie Angela Scholle kommen aus Remscheid. Nach dem Frühstück stehen vor allem besondere Gottesdienstformen und Angebote für Jugendliche auf ihrem Kirchentagsprogramm.© Uwe von Schirp
Im Netter Schulzentrum gibt es ein Frühstück "deluxe" mit verschiedenen Joghurtsorten und viel Obst und Gemüse - alles in Bio-Qualität.
© Uwe von Schirp
Das Team am Infoschalter hilft bei jeder Frage weiter und ist für Anregungen offen.© Uwe von Schirp
Bis mehr als 600 Übernachtungsgäste ihr Frühstück zusammen gestellt haben, vergeht eine Zeit.© Uwe von Schirp
Vor dem Aufbruch wird gespült - im Atrium des Schulzentrums unter freiem Himmel.© Uwe von Schirp
Die Mensa des Schulzentrums bietet für das Frühstück ideale Rahmenbedingungen.© Uwe von Schirp
Der Kühlwagen des Quartier-Teams, ein Teilnehmer-Wohnwagen, Reisebusse und PKW - auf dem Schulhof haben alle Platz.© Uwe von Schirp
Bislang Gäste in Gemeinschaftsquartieren, beim Dortmunder Kirchentag Quartiersbetreuer: Die Jugend aus dem Kirchenkreis Hattingen/Witten hat die Rollen getauscht.© Uwe von Schirp
Luftmatratze, Isomatte, Schlafsack: Im Gemeinschaftsquartier schlafen die Gäste auf dem Boden.© Uwe von Schirp
Aufbruch zu neuen Kirchentags-Erlebnissen: Vom Netter Schulzentrum geht es mit Bus und Bahn in die Stadt.© Uwe von Schirp
Die Mensa des Schulzentrums bietet für das Frühstück ideale Rahmenbedingungen.© Uwe von Schirp

„Wir sind ja nicht zum Spaß hier“, bläst Mario Rossi zum Aufbruch. Er lacht. Vorher aber wird gespült – auch das eine Kirchentagsregel. Im Atrium zwischen Mensa stehen große Wannen mit Wasser.

Gute-Nacht-Café öffnet um 18 Uhr

8.30 Uhr: Am Infoschalter beantworten die Quartiersbetreuer alle möglichen Fragen. Die Nachtwache schlummert derweil tief und fest. Stündlich hat sie Rundgänge durch die Schulen gemacht. „Das ist allein schon wegen des Brandschutzes unverzichtbar“, sagt Maik Voswinkel.

Eineinhalb Stunden später wird er das Quartier schließen. Zeit für Besprechungen, Vorbereitungen für die kommende Nacht und ein wenig Kirchentags-Atmosphäre. Um 18 Uhr schließen sie die Türen wieder auf. „Dreiviertel unserer Gäste sind Jugendliche. Sie kommen recht früh“, erklärt Voswinkel.

Die Nachtruhe beginnt aber erst um 1 Uhr. Im Pädagogischen Zentrum öffnet bis dahin das „Gute-Nacht-Café“ – mit Musik, Spielen und einem Bierchen vom Quartiers-Kiosk.

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