Kirchderner Konrektorin treibt die Digitalisierung in den Grundschulen voran

dzSmartphone und Co.

Auch Grundschüler sollten sich sinnvoll mit Laptop, Smartphone und Co. auseinandersetzen. Das steigert ihre Zukunftschancen. Das sagt Monika Palmer im Interview.

Kirchderne

, 28.03.2019, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Antrag der SPD-Fraktion hat die Bezirksvertretung Scharnhorst beschlossen, der Kirchderner Grundschule mit 8000 Euro unter die Arme zu greifen. An dieser Schule sei eine Mitarbeiterin tätig, so führte SPD-Mitglied Michaela Krafft in der Sitzung aus, die zugleich als Medienberaterin beim NRW-Schulministerium tätig sei. Monika Palmer heißt sie. Wir haben mit ihr gesprochen.

Hallo Frau Palmer, was macht eine Medienberaterin?

Wir beraten Schulen zur Schulentwicklung im Bereich Digitale Bildung. Darunter fallen unter anderem Medienkonzeptentwicklung, Beratung in Bezug auf lernförderliche IT-Ausstattung, Leitung von Fortbildungsmaßnahmen, Unterstützung der Schulträger und ganz wichtig Netzwerken – mit Kommunen, kommunalen Einrichtungen, außerschulischen Kooperationspartnern. Wir versuchen die Schulen in Sachen Digitale Bildung konkret zu machen, Vorteile zu zeigen und die Menschen zu motivieren. Ich bin im Kompetenzteam Bochum und daher auch dort an vielen Schulen unterwegs. Ich arbeite also sowohl in Bochum als auch in Dortmund. Die Kirchderner Grundschule ist meine Heimatschule. Mein Hauptarbeitsplatz.

Demnächst soll eine digitale Medienwerkstatt nach Kirchderne kommen. Was hat es damit auf sich und wann kommt diese Werkstatt?

Das ist ein Truck, der zum Ende des Schuljahrs oder Anfang des nächsten Schuljahrs kommt. Das Team gestaltet Schulworkshops für die dritten und vierten Klassen und bietet Lehrerfortbildungen sowie Eltern-Infoabende an.

Ich habe mir neulich in der Gesamtschule Scharnhorst die Digitalisierung erklären lassen und war beeindruckt. Aber in der Grundschule?

Klar, wir müssen die Kinder dort abholen, wo sie stehen. Und viele von ihnen haben auch in dem Alter schon Kontakt zu Smartphones, Tablets und Computern. Es geht uns darum, die Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Neuen Medien zu erziehen. Unser Motto lautet: Vom Konsumenten zum Gestalter.

Können Sie dafür ein paar konkrete Beispiele geben?

Auch für Grundschüler wird der Umgang mit dem Computer immer wichtiger.

Auch für Grundschüler wird der Umgang mit dem Computer immer wichtiger. © picture alliance/dpa

Zum Beispiel lernen die Kinder mit der Software Lightbot einfaches Programmieren. Man kann im Unterricht auch kleine Filme drehen oder E-Books herstellen.

Programmieren? Das hört sich ja fast nach Informatik in der Grundschule an.

Ja, und das gehört seit einiger Zeit ja auch zum Medienkompetenzrahmen NRW für Grundschulen. Ich bin sicher, dass Kinder auf den weiterführenden Schulen und später auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen haben, wenn sie sich damit auskennen.

Wie sieht es mit der technischen Ausstattung dafür an der Kirchderner Grunschule aus?

Mit dem Geld der Bezirksvertretung und einem weiteren Zuschuss vom Förderverein können wir nun eine halbe Klasse mit Tablets und einem Touchscreen ausstatten. Dann müssen sich eben zwei Kinder ein Gerät teilen. Wir haben acht Klassen. Aber immerhin: Einen Anfang können wir jetzt machen. Langfristiges Ziel muss es natürlich sein, alle Klassen mit der modernen Technik auszustatten. Und das sollte nicht erst 2021 sein.

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie auch bei einigen Lehrern Überzeugungsarbeit leisten müssen ...

In der Kirchderner Grundschule sind alle sehr aufgeschlossen für die Digitalisierung. Aber Sie haben recht, das ist nicht immer an allen Schulen so.

Was sagen Sie Lehrern, die finden, Kinder sollen auf Bäume klettern, statt aufs Smartphone zu starren?

Ich bin absolut dafür, dass Kinder möglichst oft draußen spielen und auf Bäume klettern. Aber andererseits haben Schulen auch die Pflicht, sich mit der Lebenswirklichkeit auseinanderzusetzen. Und dazu gehört eben in zunehmendem Maße auch die Digitalisierung. Es geht dabei übrigens auch um Chancengleichheit. Einige unserer Schüler kommen ja aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Und die haben eben bessere Chancen für ihren weiteren Lebensweg, wenn sie sich mit digitalen Medien auskennen. Ich möchte in dem Zusammenhang noch das 4-K-Modell des Lernens erwähnen: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Das muss Ziel künftigen Lernens sein.

Wird es denn die gute alte Kreidetafel weiterhin geben?

Das weiß ich nicht. Aber Fakt ist, dass neue Schulgebäude heute so konzipiert werden, dass es keine Wasseranschlüsse in den Klassen mehr gibt. Also kann man auch keine Tafel mehr auswischen. Weil keine Tafeln mehr vorgesehen sind.

Monika Palmer ist 42 Jahre alt und an der Kirchderner Grundschule seit Beginn des Schuljahres tätig – als Konrektorin. Frühere Stationen waren die Stift-Grundschule in Hörde, die Overberg-Grundschule in Mengede und die Westholz-Grundschule in Scharnhorst.
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