In den USA - hier an einer Highschool in Kalifornien - werden bereits Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren gegen Corona geimpft. © dpa (Symbolbild)
Impfstart am 7. Juni

Kinderärztin über Corona-Impfungen ab 12: „Das macht mir Bauchschmerzen“

Auch Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren dürfen ab dem 7. Juni gegen Corona geimpft werden. Die Sprecherin der Dortmunder Kinderärzte hat gleich mehrere Probleme mit diesem Beschluss.

Wenn am 7. Juni die Impf-Priorisierung wegfällt, dürfen auch Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren geimpft werden. Darauf haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefinnen und -chefs am Donnerstag (27.5.) auf dem sogenannten „Impfgipfel“ geeinigt.

„Der Beschluss macht mir Bauchschmerzen“, sagt Hendrike Frei, Sprecherin der Dortmunder Kinderärztinnen und -ärzte. Die Medizinerin, die seit über 20 Jahren als Kinderärztin in Mengede praktiziert, ist unglücklich über diese Entscheidung.

Besonders stört sie, dass die Politik nicht auf die noch ausstehende Empfehlung der Experten der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu Corona-Impfungen für diese Altersgruppe gewartet habe: „Warum müssen wir es jetzt so schnell machen?“, fragt sie: „Das bringt uns Kinderärzte in Zugzwang.“

Wichtige medizinische Fragen rund um das Impfen von Kindern und Jugendlichen von 12 bis 15 seien noch nicht geklärt, beklagt Frei. Wie viel Impfstoff solle gespritzt werden, reicht vielleicht sogar eine Dosis für Kinder, gibt es besondere Nebenwirkungen? „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, sagt Frei, ihr Immunsystem reagiere teilweise anders.

Frei wünscht sich mehr Studien zu Kinder-Impfungen. Die Untersuchung von rund 2200 Geimpften zwischen 12 und 15 Jahren, die dem Impfstoff-Hersteller Biontech als Grundlage seines Zulassungsantrags für Europa dient, überzeugt die Dortmunder Kinderärztin nicht komplett: „Die Zahl der bisher geimpften Kinder ist sehr, sehr klein.“

Für die konkreten Planungen der Impfungen in ihrer Praxis ab dem 7. Juni hofft Frei deshalb, dass die Stiko bis dahin eine Empfehlung zu dem schwierigen Thema abgibt.

Stiko-Mitglied und Kinderarzt Martin Terhardt sagte dem RBB, dass sich die Stiko bemühe, bis Ende kommender Woche (KW 22) fertig zu werden – das wäre gerade noch rechtzeitig. Medienberichten zufolge tendiert das Expertengremium derzeit dazu, lediglich für chronisch kranke Kinder eine Impf-Empfehlung auszusprechen.

„Wir haben den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen“

Die Dortmunder Kinderärztin Hendrike Frei würde einer solchen Empfehlung folgen – trotz der allgemeinen Impfberechtigung aller Kinder und Jugendlichen ab 12.

„Ich würde anfänglich die Kinder zuerst impfen, für die es medizinische Gründe gibt, etwa Patienten mit Trisomie 21 oder einer schweren chronischen Lungenerkrankung“, sagt sie. „Der kerngesunde Jugendliche, der sportlich ist und der die Impfung nur für den Urlaub braucht, müsste da erst einmal warten.“

Eine solche praxisinterne Priorisierung ergebe sich allein schon aus dem Umstand, dass Impfstoff nach wie vor knapp sei: „Wir haben den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen.“

Keine Extra-Impfdosen

Extra Impfdosen für Kinder-Impfungen, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern indirekt in Aussicht gestellt hatte, wird es angesichts der allgemeinen Vakzin-Knappheit nicht geben. Das stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstagabend nochmal klar.

Und so müssen die Kinderärzte weiterhin mit dem wenigen Impfstoff haushalten, den sie Woche für Woche zugeteilt bekommen. Denn wie in vielen anderen Praxen impfen Frei und ihre Kollegin bereits jetzt, nämlich ihre Ü16-Patienten und Eltern von jungen Patienten aus Risikogruppen.

Für diese Woche lagerten 48 Biontech-Impfdosen im Kühlschrank von Freis Praxis, jeweils 24 für Erst- und Folgeimpfungen. Es sei das erste Mal gewesen, dass sie tatsächlich die Menge bekommen habe, die sie bestellt hatte: „Wir könnten bestimmt doppelt so viele Menschen impfen wie bisher, wenn wir verlässlich Impfstoff bekämen.“

Bundeskanzlerin Merkel wiederholte am Donnerstag ihr Versprechen, dass man allen Impfwilligen bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot machen werde – das gelte nun auch für die Kinder ab 12. Frei hält das für realistisch.

Bis dahin bittet die Kinderärztin die Eltern aber um Geduld: „Wir können uns den Impfstoff nicht backen.“

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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