Anmeldungen für Kindertagesstätten sind jetzt online möglich. Die Stadt spricht von Service und besserer Datenlage. Doch die Kinderbetreuung bleibt auch in Zukunft eine Baustelle.

Dortmund

, 08.04.2019, 18:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Direkt zu Beginn der kleinen Runde im Rathaus sagte Daniela Schneckenburger einen Satz, der aufgrund des Themas Kindergartenplätze an sich schon eine Nachricht wäre: Sie freue sich, so Dortmunds Schuldezernentin, auf eine besonders schöne Pressekonferenz. Schön, launig oder lustig können solche Konferenzen durchaus mal sein.

Nur haben sie dann meistens nichts mit Kindertagesstätten zu tun. Das Thema Kindergärten ist ein problematisches, das weiß auch Schneckenburger. An diesem Montag (8.4.) aber soll der Öffentlichkeit das neue Kitaportal vorgestellt werden. „Lang erhofft und heiß ersehnt von den Eltern“, sagt die Dezernentin. Bisher hätten die ihre Kinder „händisch angemeldet“, das ist seit Montag Vergangenheit.

Verbesserung für Eltern und die Stadt

In der Tat, das Anmeldeverfahren für die Betreuung von kleinen Kindern ist eine Verbesserung zur bisherigen Anmeldepraxis. Für die Eltern auf der einen Seite, die ihre Kinder jetzt für Kindertagesstätten oder Kindertagespflegen (Tagesmütter etc.) anmelden können, ohne mehrere verschiedenen Einrichtungen besuchen zu müssen.

Andererseits ist es eine Erleichterung für die Stadt, da sie ab dem Kindergartenjahr 2020/2021 konkret weiß, wie hoch der tatsächliche Bedarf an Betreuungsplätzen ist.

Denn aktuell ist es noch so, dass auf einen Kindergartenplatz gut zehn Anmeldungen kommen. Problematisch dabei ist, dass diverse Eltern – aus der Sorge heraus, keinen Betreuungsplatz zu bekommen – ihr Kind in verschiedenen Einrichtungen anmelden oder auf Wartelistenplätze setzen. Das soll in Zukunft also anders werden, auch wenn die Stadt laut Schneckenburger noch einige Zeit brauche, die aktuellen Wartelisten in das neue Portal zu übernehmen.

Es gibt 21.361 Betreuungsplätze. Und 35.317 Kinder.

In das Portal sind alle 207 Dortmunder Kindertagesstätten eingebunden, rund ein Drittel davon sind städtisch (Fabido), zwei Drittel laufen über freie Träger (Kirchen, Elterninitiativen, Awo...). Zusammen mit 2920 Plätzen in der Kindertagespflege gibt es in Dortmund aktuell 21.361 Betreuungsplätze. Gleichzeitig leben in Dortmund 35.317 Kinder im relevanten Alter von null bis sechs Jahren.

Auch wenn jetzt die Anmeldungen durch ein Portal koordiniert werden und Mehrfachmeldungen rausgefiltert werden, bleibt es reine Mathematik, dass es in Dortmund (wie fast überall sonst auch) zu wenig Betreuungsplätze gibt.

Mit 27 neuen Kiten ist es „beileibe nicht getan“

Dagegen setzt die Stadt auf den Neubau: „Im Laufe des Kindergartenjahres 2019/2020 sollen 27 weitere neue Kitas an den Start gehen und erweitert werden“, heißt es. Aber auf die Frage, ob „sollen“ auch „werden“ heißt, antwortet Daniela Schneckenburger: „Bauvorhaben können sich ändern, aber das ist der Plan.“ Mit diesen 27 weiteren Einrichtungen, so die Dezernentin weiter, sei es „beileibe nicht getan“. Der Bedarf sei groß, der Druck ebenso. „Wir bauen und bauen, perspektivisch aber muss das mehr werden. Denn auch die Kinder werden immer mehr“.

„Gedeckelter Mangel“

Das ist einer der Kernpunkte in der Kindertagesstättenproblematik: Der zukünftige Bedarf ist landes- und auch bundesweit über Jahre falsch gesehen worden, in der Folge haben die Kommunen zuwenig Kiten gebaut. Auch stieg der Andrang auf Plätze in der U3-Betreuung, was den Druck zusätzlich erhöht hat.

Kinder zwischen einem und drei Jahren haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte oder in einer Kindertagespflege. Kinder über drei Jahren haben einen solchen Anspruch auf einen Kindertagesstättenplatz.

Drei Klageandrohungen wegen Nichterfüllung dieser Ansprüche habe es im vergangenen Jahr gegeben, alle konnten vorher beigelegt werden. Die aktuelle Situation nennt Schneckenburger einen „gedeckelten Mangel“. Vermutlich ist ein „gedeckelter Mangel“ etwas, wo man zwar einen Mangel erkannt hat, ihn aber noch für handhabbar hält.

Und dann noch die Personalfrage

Keine Sorgen müsse man sich kurzfristig bei dem Thema Erzieher und Erzieherinnen machen. Zumindest, was die notwendige Zahl bei den städtischen Fabido-Kiten angeht – und nur für die kann Schneckenburger sprechen. Dort sei der Fachkräftebedarf im Moment gesichert. Mittelfristig werde man aber auch hier Konzepte brauchen, um ausreichend Personal zu finden.

Wer sich in anderen Kindertagesstätten in Dortmund erkundigt, erfährt, dass sich ein Personalmangel seit mindestens zwei Jahren spürbar auswirkt. Auch würden in den kommenden Jahren viele Erzieherinnen altersbedingt ausscheiden, in der Zukunft dürfte sich die Personalfrage verschärfen.

„Hochvirulentes Thema“

Laut Schneckenburger ist die Kinderbetreuung ein „hochvirulentes Thema“, es gebe „auch aufgrund veränderter Familienkonstellationen emotionalen und faktischen Druck. Die am Montag vorgestellte Plattform zur Anmeldung online sei ein „wirkliches Stück Familienfreundlichkeit, hinter dem eine ganze Menge Arbeit stecke. Die ersten Planungen dazu hatte es 2014 gegeben. Gültig ist das neue Portal für Kinder, die ab dem Kindergartenjahr 2020/2021 einen Platz brauchen.

Das Portal der Stadt ist unter der Adresse kita-portal.dortmund.de zu erreichen. Erziehungsberechtigte, die ihr Kind bereits angemeldet haben, müssen das dort nicht nachholen. Wer sich dort eingeloggt hat, kann sein Kind anmelden. Besuche in der Wunsch-Kita sind natürlich nach wie vor möglich. Wer nicht online anmelden möchte, kann dies nach wie vor auch händisch beim Jugendamt tun. Telefon: 0231/5013666 oder per Mail an: kinderbetreuung@dortmund.de
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