Kinder in Gefahr? Wie ein Schulbusfahrer verzweifelt gegen Autofahrer kämpft

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Schon zum zweiten Mal beschwert sich Busfahrer Bernhard Schindler bei der Polizei: Rücksichtslose Autofahrer seien eine Gefahr für Schüler. Die Polizei kann das nicht nachvollziehen.

Dortmund

, 10.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Gott sei Dank ist nichts passiert.“ Das denkt sich Bernhard Schindler viel zu häufig bei der Arbeit. Immer dann, wenn ein Schulkind, das er gerade an der Haltestelle abgesetzt hat, unbedacht über die Straße läuft. Und die Autofahrer entgegen den Regeln in diesem Moment nicht in Schrittgeschwindigkeit fahren, sondern in ihrem üblichen Tempo auf der Straße unterwegs sind.

Bernhard Schindler ist Schulbusfahrer. Wenn gekennzeichnete Schulbusse an einer Haltestelle halten, gilt für Autofahrer: Schrittgeschwindigkeit fahren, Abstand zum Bus halten – auch im Gegenverkehr. Das schreibt die Straßenverkehrsordnung vor.

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Die Regel dient der Sicherheit der Fahrgäste, die an der Haltestelle aus- und einsteigen. In Schindlers Fall sind das in der Regel Schüler und Erwachsene mit Behinderung. Schon häufiger hat er erlebt, dass gerade Kinder unbedacht über die Straße laufen, ohne nach links und rechts zu schauen. Wenn dann Autofahrer nicht die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit beachten, können solche Situationen extrem gefährlich werden.

Nur drei Fahrer hielten sich an Verbot

Doch wenn man Bernhard Schindler fragt, hält sich kaum jemand an diese Regel. „Das Überholverbot haben von Zehntausenden Fahrzeugen nur drei beachtet“, sagt er. Das seien seine Erfahrungen aus dem vergangenen Schuljahr.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schindler auf das Problem aufmerksam macht. Schon vor einem Jahr wandte er sich an die Öffentlichkeit, beschwerte sich über die rücksichtslosen Autofahrer und forderte die Polizei auf, stärker zu kontrollieren.

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Über 100 Euro Bußgeld und Punkte in Flensburg können drohen, wenn man sich als Autofahrer nicht an das Schritttempo-Gebot beziehungswese Überholverbot hält.

Passiert ist jedoch nach seinen Angaben nichts. Deswegen startet er nun einen neuen Versuch. Mit einem offenen Brief wandte er sich an Polizeipräsident Gregor Lange: „Wegen der oben genannten Misstände stelle ich hiermit den Antrag, zeitnah Geschwindigkeitskontrollen zumindest an den besonders gefährdeten Haltestellen an Schulen und Schulzentren einzuführen“, schreibt er.

Polizei: Keine Schulweg-Unfälle an Haltestelle

Die Polizei selbst kann Schindlers Beschwerde nicht so recht nachvollziehen. „Nach Auswertung der Unfallzahlen für das Schuljahr 2018/2019 findet sich die von Herrn Schindler dargestellte Problematik in diesen nicht wieder“, heißt es in einer Antwort von Sprecherin Dana Seketa. Im vergangenen Schuljahr gab es insgesamt 16 Schulwegunfälle in Dortmund und Lünen. „Unfallgeschehen im Zusammenhang mit der von Herrn Schindler dargestellten Problematik sind nicht bekannt.“

Auch Unfälle an Haltestellen habe die Polizei nicht erfasst. Was nicht heißen soll, dass sie Schindlers Anschuldigungen grundsätzlich für Unsinn hält: „Nichtsdestotrotz kann die Wahrnehmung einzelner Verkehrsteilnehmer natürlich anders sein – auch, was den Eindruck von gefährlichen Verkehrssituationen angeht“, schreibt Seketa weiter. Solche Beobachungen nehme man natürlich ernst.

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Deswegen wolle man unter anderem die Orte, die Schindler der Polizei als besonders gefährlich genannt hatte, aufsuchen und die dortige Verkehrssituation überwachen. Generell, so schreibt die Polizei, werde der Verkehr seit Schulbeginn intensiv durch die Polizei überwacht, zum Beispiel im Bereich von Grundschulen.

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