Zwei der im April festgenommenen Personen sind jetzt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. © Bundespolizei
Gerichtsurteil

Kiloweise Heroin gefunden: Deal mit Richter lässt anderen Vorwurf platzen

Polizisten haben stolze 16 Kilo Heroin bei einer Razzia in Dortmund gefunden. Dabei war den Besitzern ursprünglich etwas anderes vorgeworfen worden - jetzt gibt es ein Gerichtsurteil.

Bei einer Razzia im April 2020 sind zwei Männer in Dortmund festgenommen worden. In einer durchsuchten Wohnung haben Polizisten 14 Kilogramm Heroin gefunden, in einem Auto weitere 2 Kilogramm. Diese Menge ist mehr als 700.000 Euro wert.

Aufgefallen sind der 32- und der 57-Jährige durch Telefonüberwachung in einem ganz anderen Fall. „Das war ein Zufallsfund“, sagte Kristin Wendler, Sprecherin des Landgerichts Passau, am Donnerstag (18.2.). Im bayerischen Landshut war zunächst wegen des Verdachts der Menschen-Schleusung ermittelt worden – bei den Ermittlungen stießen Bundespolizisten dann auf die Dortmunder.

Insgesamt 16 Kilogramm Heroin sind in Dortmund sichergestellt worden.
Insgesamt 16 Kilogramm Heroin sind in Dortmund sichergestellt worden. © Bundespolizei © Bundespolizei

Wegen des Zusammenhangs der Vorwürfe ist das Urteil nun auch in Passau an der österreichischen Grenze gefallen. Jeweils für acht Jahre müssen die Dortmunder ins Gefängnis.

„Für uns ist klar: Die beiden Männer haben große Rauschgiftgeschäfte abgewickelt“, zitiert der Bayerische Rundfunk einen Richter. Die sichergestellte Menge und abgehörte Telefonate seien als eindeutige Beweise bewertet worden.

Schleuser-Vorwurf wurde fallengelassen

Zuvor hatten die Männer den Handel der sichergestellten Menge gestanden, laut Gericht seien ihre Erklärungen aber „eher oberflächlich“ gewesen. Im Gegenzug für diese Geständnisse haben Richter, Verteidiger und Staatsanwaltschaft gemeinsam entschieden, die Anklage wegen der Schleusungen fallen zu lassen, wie der BR berichtet.

Gerichtssprecherin Wendler erklärt dieses Vorgehen gegenüber unserer Redaktion so: „In der Gesamtabwägung hätte eine Verurteilung in diesem Punkt das Strafmaß nur ganz wenig erhöht.“ Solche Absprachen sind vor Gericht nicht unüblich.

Vorwurf: 18 Menschen nach Deutschland geschleust

Die beiden angeklagten Iraker sollen von Juli 2019 bis April 2020 dafür gesorgt haben, dass 18 Menschen aus dem Irak und dem Iran über die sogenannte Balkanroute illegal nach Deutschland gelangt sind. Die Männer waren im Rahmen einer bundesweiten Razzia festgenommen worden, bei der mehr als 100 Polizisten unter anderem auch in Bremen, Pforzheim und Hagen im Einsatz waren. Insgesamt waren sechs Personen festgenommen worden.

Die Bande soll auch die Einfuhr der Drogen nach Deutschland organisiert haben. Bei den Durchsuchungen Ende April beschlagnahmten die Beamten neben der enormen Heroin-Menge noch drei Fahrzeuge, rund 15.000 Euro in Bargeld sowie mehrere Mobiltelefone und Speichermedien.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
Zur Autorenseite
Kevin Kindel

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.