Kein OGS-Platz: Berufstätige Dortmunder Mutter fürchtet um ihren Job

dzSchulen

In Dortmund fehlen Plätze in der Nachmittagsbetreuung an Schulen. Die Absage für den Offenen Ganztag kann für Familien große Konsequenzen haben. Das zeigt ein Beispiel aus Dortmund.

Dortmund

, 24.07.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Familie R. (Name der Redaktion bekannt) hat im Juni eine Absage erhalten, die sie schwer in ihrer Lebensorganisation getroffen hat. Ihre Tochter, die im August in einer Innenstadt-Grundschule eingeschult wird, hat keinen Platz in der Offenen Ganztagsschule erhalten. Das bedeutet, sie wird nach Unterrichtsende gegen 12.30 Uhr nicht mehr betreut.

57 Familien hätten sich an der Schule auf einen OGS-Platz beworben, 11 seien abgelehnt worden, berichtet Familie R. Sie möchte ihren richtigen Namen nicht öffentlich nennen, auch nicht den Namen der Schule. Die Eltern befürchten, dass dies negative Konsequenzen für ihr Kind haben könnte.

Mehr als 12.000 Kinder in Dortmund sind im Offenen Ganztag

In ganz Dortmund gibt es im nächsten Schuljahr 12.073 OGS-Plätze, die voraussichtlich alle vergeben werden. 158 Anträge wurden in diesem Jahr abgelehnt.

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„Falls aktuell kein Platz zur Verfügung gestellt werden kann, sind die Eltern zunächst auf eine private Betreuung angewiesen“, sagt Stadtsprecherin Anke Widow. Da es eine stete Fluktuation an den einzelnen Standorten gibt, könne sich die Situation im Einzelfall ändern.

„Ich kann sie doch nicht jeden Tag vor den Fernseher setzen“

Familie R. hatte auf den Platz gezählt, weil beide Elternteile berufstätig sind. Mutter Martina R. müsste ihren 30-Stunden-Job aufgeben, wenn sie nicht möchte, dass ihr Kind zwischen verschiedenen Betreuungssituationen hin und her geschoben wird. „Ich kann sie doch nicht jeden Tag vor den Fernseher setzen oder sie stundenlang allein lassen“, sagt die Mutter.

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Es gibt aktuell in NRW keinen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Das schafft ein Problem vom Übergang in die Schule aus der Kita, wo der Rechtsanspruch noch existiert. „Man fällt in ein Betreuungsloch“, sagt die Dortmunder Mutter.

Kritik: Nach der Absage können Eltern nicht mehr reagieren

Die Absage sei zu einem Zeitpunkt gekommen, zu dem man nicht mehr habe reagieren könne. Familie R. steht jetzt mit zehn anderen Familien auf einer Warteliste. Ein weiteres Problem: Sollte sie ihren Job aufgeben, weil sie keine Betreuung findet, würde sie auch den Anspruch auf den OGS-Platz verlieren.

Wie viele Eltern von den Wartelisten nachrücken, wird laut Stadtsprecherin Anke Widow statistisch nicht erfasst. „Jeweils zum Beginn des Schuljahres zeigen die Schulen die Veränderungen in den freien Kapazitäten, etwa durch Veränderungen der familiären Situation oder Umzug, an.“

Bedingt durch die Corona-Pandemie sei zudem möglich, dass nicht alle Eltern den OGS-Platz in Anspruch nehmen werden.

Zahl der OGS-Plätze steigt, reicht aber noch nicht aus

Martina R. kritisiert, dass die Kriterien für die Zu- oder Absage nicht transparent seien. „Unser Gefühl ist: Man verlässt sich darauf, dass es einen Plan B mit Familienangehörigen gibt.“ Hierzu verweist die Stadt lediglich darauf, dass es eine „einheitliche Handlungsempfehlung“ für die Vergabe ab dem Schuljahr 2020/21 für alle Schulen und Träger gebe.

Es bleibt festzustellen: Die Nachfrage steigt seit Einführung des Offenen Ganztags im Jahr 2003 weiterhin an. „Alle Beteiligten, die Schulträgerin Stadt Dortmund, die Schulen und die Träger schaffen jährlich zusätzliche Plätze“, sagt Stadsprecherin Anke Widow.

Zum Schuljahr 2020/21 werde es, sofern die Bezirksregierung den Förderantrag der Stadt bewilligt, eine Steigerung um 720 auf 12.073 Plätze geben. Das entspreche einer Quote von 60,45 Prozent der Eltern mit schulpflichtigen Kindern in Dortmund.

Die Kommunen in NRW sind verpflichtet, OGS-Plätze anzubieten, das Land fördert diese finanziell. Organisiert wird die Nachmittagsbetreuung von außerschulischen Trägern wie Caritas, Awo oder freien Unternehmen.

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