„Kein Bier für Nazis“: Was hinter der politischen Werbung in Dortmund steckt

dzPlakate gegen Rechts

Große schwarze Plakate zeigen in Dortmund seit Dienstag eine klare Botschaft: „Kein Bier für Nazis!“ Der Urheber sagt: „Wir können nicht mehr nicht politisch sein.“

von Nick Kaspers

Dortmund

, 26.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Spruch „Kein Bier für Nazis“ sticht vielen S-Bahn-Fahrgästen an der Haltestelle Dortmund Universität ins Auge. Er steht in weißer Schrift auf zwei riesigen schwarzen Plakaten geschrieben.

An zahlreichen weiteren viel besuchten Anlaufstellen in Dortmund tauchen sie seit Dienstag (25.2.) auf. Was hat es mit den Plakaten und der Botschaft auf sich? Der Urheber ist vielen Passanten zunächst unbekannt, „#Weinkeller“ ist darauf vermerkt.

An 18 Stellen hängen die Plakate

Wie „#Weinkeller“ bereits vermuten lässt, steckt der gleichnamige Club an der Märkischen Straße hinter der Aktion. Der Besitzer Yves Gredecki und seine Mitarbeiter haben am Dienstag insgesamt 18 Stellen in Dortmund mit den Plakaten versehen.

Sie ziehen an verschiedenen Werbeflächen rund um die Universität, in der Innenstadt und im Kreuzviertel die Aufmerksamkeit auf sich. Dabei ist der Weinkeller doch eher für seine lebhaften Partynächte bekannt als für politische Äußerungen.

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Yves Gredecki erklärt, nach den vielen gewaltsamen Übergriffen mit rechtsextremistischen Hintergründen – vor allem nach den Anschlägen von Halle und Hanau – könne man auch seitens des Weinkellers „nicht mehr nicht politisch sein“. Dortmund habe eine ausgeprägte rechtsextreme Szene, gegen die man ankämpfen müsse, ergänzt er.

An 18 Stellen in der Stadt sind ähnliche Plakate aufgehängt worden.

An 18 Stellen in der Stadt sind ähnliche Plakate aufgehängt worden. © Nick Kaspers

Der Slogan stammt ursprünglich aus der Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Im Sommer 2010 prügelten Neonazis einen Barkeeper eines Regensburger Restaurants nieder. Daraufhin schlossen sich Gastwirte der Stadt als Zeichen der Zivilcourage unter diesem Motto zusammen. Auch die Fan- und Förderabteilung von Borussia Dortmund setzte mit der Initiative „Kein Bier für Rassisten“ ein Zeichen gegen rechtsextreme Gewalt.

Gredecki distanziert sich von linksextremen Gruppen

Das Motto „Kein Bier für Nazis“ habe der Weinkeller ausgewählt, da Dortmund eine Bierstadt sei. Von extremistischen Haltungen distanziert sich der Chef des Clubs. Die Aktion habe man ohne Bezug zu anderen Gruppen oder Betrieben geplant, verdeutlicht Gredecki.

Neben den Werbeplakaten wurden T-Shirts, Aufkleber, Feuerzeuge und Bierdeckel mit dem Leitspruch bedruckt. Die Mitarbeiter haben die Shirts bereits bei den Veranstaltungen des vergangenen Wochenendes getragen. Bei vielen Besuchern sei die Aktion gut angekommen.

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