Darum leben kaum noch syrische Flüchtlinge im Übergangswohnheim Derne

dzSinkende Bewohnerzahlen

Seit 2015 gibt es die Flüchtlingsunterkunft Derne. Waren dort zu Beginn vor allem Syrer beheimatet, kommen die Bewohner mittlerweile aus anderen Regionen der Erde.

Scharnhorst

, 15.10.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zu 100 Flüchtlinge finden im Übergangswohnheim in der ehemaligen Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule in Derne Platz. Aktuell betreuen die zuständigen Sozialarbeiter noch 52 bedürftige Personen, bei denen es sich allerdings nicht mehr um syrische Kriegsflüchtlinge handelt.

Strukturelle Veränderungen

Grundsätzlich stelle man einen anhaltenden Rückgang der Flüchtlingszahlen fest, bekräftigte Einrichtungsleiter Abasse So. „Wir mussten hier vor vier Jahren alles aus dem Boden stampfen. Seither hat sich nicht nur die Bewohneranzahl verändert“, so der Senegalese.

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Zu Anfang seien es bis zu 70 Hilfesuchende gewesen, die von So und seinem Team bei Behördengängen, Arztbesuchen und der Wohnungssuche unterstützt worden sind. Hauptsächlich kamen diese aus dem syrischen Kriegsgebiet.

Überwiegend afrikanische Flüchtlinge

Laut Sozialarbeiter Rachid Bensaid haben sich die Verhältnisse aber stark gewandelt: „Wir beobachten, dass vermehrt afrikanische Frauen bei uns ankommen, die von Schlepperbanden nach Deutschland gebracht werden.“ Von den derzeit 52 Bewohnern der Unterkunft seien 42 Frauen aus Ländern wie Gambia, Guinea, oder Nigeria.

Dramatische Schicksale

Die erlebten Schicksale seien oftmals sehr bedrückend und nicht immer gelinge es, die professionelle Distanz zu wahren, so Abasse So. Deshalb sei man dankbar, dass man sich auf das gesellschaftliche Engagement verlassen könne und starke Partner habe.

Ohne ehrenamtliches Engagement geht es nicht

Einer dieser Kooperationspartner ist der von Marie Mbinack gegründete Bildungs-und Gesundheitsverein für benachteiligte Kinder und Frauen.

Obwohl erst vor anderthalb Jahren ins Leben gerufen, sind bereits 17 Frauen im Verein aktiv: „Häufig sind die betroffenen Menschen traumatisiert und haben enorme Strapazen hinter sich. Wir versuchen sie deshalb im Alltag zu unterstützen und ihnen die Integration zu erleichtern“, verdeutlichte Mbinack.

Spezielle Fördermaßnahmen für Frauen und Kinder

Konkret gehe es darum, den Frauen und Kindern das Bildungssystem zu erklären und ihnen eine berufliche Perspektive zu offenbaren. So biete man kostenlose Nachhilfestunden für Kinder an und veranstalte Seminare zur „deutschen Leitkultur“ und dem Gesundheitssystem. Hinzu kommen Sprachkurse und IT-Schulungen.

Tag der Begegnung

Wer Interesse hat, sich einen eigenen Eindruck vom Übergangswohnheim in der Nierstefeldstraße zu verschaffen, dem bietet sich am Freitag, 18. Oktober, ab 11 Uhr eine besondere Gelegenheit.

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Bei Musik, einem Live-Koch-Event und verschiedenen Attraktionen für Kinder können Besucher unter dem Motto „7 Länder - 7 Gänge“ die unterschiedlichen Kulturen kennenlernen und mit den Bewohnern in Kontakt treten.

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