Kastrationspflicht für Katzen droht zu scheitern - weil Tierschützer zu effektiv arbeiten

dzTierschutz

Die Politik hatte eine Katzenkastrationspflicht für Dortmund schon beschlossen. Aber die Verwaltung will nicht – und argumentiert ausgerechnet mit der guten Arbeit des Katzenschutzvereins.

Dortmund

, 17.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Schritte vor, einen zurück: Auch der vierte, bisher vielversprechendste Anlauf des Dortmunder Katzenschutzvereins und des Tierschutzvereins, in Dortmund eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Freigängerkatzen einzuführen, wird von der Verwaltung ausgebremst. Dabei ist mehr als jede zweite wild lebende Katze krank, verletzt oder unterernährt.

Der Dortmunder Katzenschutzverein und der Tierschutzverein wollen mit einer Kastrationspflicht Tierleid vermeiden, das dadurch entsteht, dass unkastrierte Besitzerkatzen sich mit wild lebenden Katzen paaren.

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Vor einem Jahr hatte der Ausschuss für Bürgerdienste auf Antrag der SPD die Verwaltung einstimmig beauftragt, eine rechtssichere Satzung für eine Katzenschutzverordnung vorzulegen. Sollten weitere Daten oder Belege zum Nachweis des Tierleids erforderlich sein, sollte die Verwaltung diese zusammen mit den Tierschutzvereinigungen beibringen.

245 wild lebende Katzen eingefangen

Der Katzenschutzverein hatte bereits eine Studie dazu mit Zahlen erstellt. Doch die waren in den Augen der Ordnungsverwaltung nicht belastbar. Für eine rechtssichere Satzung brauche die Verwaltung eigene Erhebungen. Weil man in das Eigentum der Katzenhalter eingreife, sei eine solche Verordnung ein juristisch komplexer Bereich, hieß es.

Nun liegen die geforderten Zahlen vor. Ein Jahr lang hatte der Katzenschutzverein sie anhand von detaillierten Erfassungsbögen dokumentiert. Danach wurden von Juli 2018 bis Juni 2019 insgesamt 245 wild lebende Katzen an 32 Futterstellen über das Stadtgebiet verteilt erfasst. In acht Stadtteilen wurden zehn oder mehr Einzeltiere eingefangen – die meisten in Mengede/Nette (31 Tiere) und in Hörde (22 Tiere).

43 Prozent der eingefangenen Katzen schienen gesund, doch 57 Prozent waren krank, verletzt oder unterernährt. Sie litten unter chronisch unheilbaren Viruserkrankungen wie Katzenaids, dem oft tödlich verlaufenden Katzenschnupfen oder Augenentzündungen, Zahnerkrankungen, Durchfall oder Sonstigem. 80 Prozent wurden prophylaktisch gegen Parasiten behandelt.

Jedes 14. Tier musste eingeschläfert werden

7 Prozent der Tiere mussten eingeschläfert werden wegen Unfallfolgen, Verletzungen oder unheilbarer Krankheiten. „Ein direkter Zusammenhang mit einer Überpopulation an Katzen ist hier nicht erkennbar“, stellte die Verwaltung in einer Vorlage für die Politik fest.

28 Prozent der eingefangenen Tiere wurden wieder freigelassen, 62 Prozent vermittelt.

Gleichzeitig wurden 103 Katzen im Stadtgebiet tot aufgefunden, höchstwahrscheinlich durch Unfälle gestorben – die weitaus meisten in der Nordstadt (26).

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Nach Auswertung dieser Daten sieht Rechtsdezernent Norbert Dahmen in keinem Dortmunder Stadtteil die Voraussetzungen der entsprecheden Paragraphen im Tierschutzgesetz zum Erlass einer Katzensschutzverordnung erfüllt. Dementsprechend könne die Verwaltung der Politik „keinen rechtssicheren Verordnungsentwurf“ vorlegen.

4000 haben Online-Petition unterschrieben.

In den Ohren der Katzenschützer muss es wie Ironie klingen, wenn die Verwaltung erklärt, dass ohne das Engagement und die jahrelange sehr erfolgreiche Arbeit des Dortmunder Katzenschutzvereins die Erkrankungsfälle zum Beispiel im Bereich der Viruserkrankungen „vermutlich höher“ läge.

4000 haben eine Online-Petition zur Einführung einer Katzenschutzverordnung unterschrieben.

Aktualisierung zum 23.9.

Inzwischen hat sich eine Aktualisierung ergeben. Die Grünen im Bürgerdienste-Ausschuss forden die Verordnung. Ratsmitglied Friedrich Fuß: „Für den Kreis Unna reichte für die Rechtssicherheit der dortigen Verordnung die Zahl von jährlich 370 Kastrationen an freilebenden verwilderten Katzen aus. In Dortmund liegt die Zahl bei bis zu 1000.“ Auch 13 Dortmunder Tierärzte würden eine Katzenschutz-Verordnung befürworten.

Wieder im Bürgerdienste-Ausschuss

Das Thema kommt erneut in der Sitzung des Bürgerdienste-Ausschusses am Dienstag (24.9.) auf den Tisch. Rund 100.000 Euro bringt allein der Katzenschutzverein im Jahr für Tierarztkosten auf, davon 60.000 Euro für Kastrationen.
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