Karstadt-Beschäftigte stellen sich auf Kündigungen ein

dzKampf um Karstadt/Kaufhof

Das Ringen um die Häuser von Galeria Karstadt Kaufhof geht weiter: Die Akteure im Rathaus bereiten einen „Brandbrief“ an die Vermieter vor. Zudem gibt es Nachrichten, die weiter hoffen lassen.

Dortmund

, 01.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stimmung unter den rund 450 Beschäftigten bei Karstadt, Karstadt Sports und Kaufhof dürfte sich dem Nullpunkt nähern. „Im Prinzip könnten in den nächsten Tagen die ersten Kündigungen kommen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Gerhard Löpke. Bislang sei die Schließung für den 31. Oktober anvisiert. „Ob es wirklich dabei bleibt, wissen wir nicht“, sagt Löpke.

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Dennoch muss die Belegschaft in den vom Aus bedrohten Häusern auf den schlimmsten Fall vorbereitet werden. Das soll kommende Woche geschehen: In allen drei Häusern erwartet man Vertreter der Transfergesellschaft, in die Beschäftigte nach Erhalt ihrer Kündigungen wechseln können.

Bei Kaufhof/Karstadt gibt es bald erste Info-Veranstaltungen für Mitarbeiter

Bei Kaufhof beispielsweise sind Info-Veranstaltungen für Donnerstag (9.7.) und Freitag (10.7.) geplant. Das Haus selbst soll für Kunden geöffnet bleiben.

Auch um Karstadt wird noch gerungen: Der Immobilieneigentümer RFR führt weiterhin Gespräche.

Auch um Karstadt wird noch gerungen: Der Immobilieneigentümer RFR führt weiterhin Gespräche. © Beushausen

„Im Prinzip ist ja klar, wie eine Transfergesellschaft funktioniert“, sagt Frank Malmwig, Betriebsratsvorsitzender bei Kaufhof. Dennoch gebe es sicher großen Infobedarf bei den Beschäftigten. „Das fängt schon mit der Frage an, wie sich das mögliche Arbeitslosengeld I für die Kollegen berechnet, die nach dem Auslaufen der Transfergesellschaft keinen neuen Job gefunden haben“, sagt Malmwig.

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Unklar sei beispielsweise auch, über welchen Zeitraum die Transfergesellschaft laufe. Galeria Karstadt Kaufhof biete eine Laufzeit von sechs Monaten an.

Transfergesellschaft für ein Jahr?

Es könnten aber auch mehr werden: Wie die Dortmunder Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann auf Anfrage bestätigt, liefen Gespräche, die Transfergesellschaft durch zusätzliche Mittel des Bundes auf neun oder zwölf Monate zu verlängern. „Das ist aber noch offen und hängt auch davon ob, und wie sich die Länder beteiligen“, sagt Poschmann.

Galeria Karstadt Kaufhof will nach einer ersten Ankündigung bundesweit 62 von 172 Filialen schließen. Betroffene Mitarbeiter: rund 5300. Hinzu kommen 20 von 30 Sportgeschäften, die ebenfalls auf der Kippe stehen sollen. „Wir schwanken weiter zwischen Hoffen und Bangen“, sagt der Dortmunder Betriebsrat Malmwig.

Auch das Karstadt-Sporthaus steht auf der Streichliste. Die wird im Umfeld von Galeria neuerdings als „Focus-Liste“ bezeichnet.

Auch das Karstadt-Sporthaus steht auf der Streichliste. Die wird im Umfeld von Galeria neuerdings als „Focus-Liste“ bezeichnet. © Beushausen

Hinter den Kulissen heißt es, die Zahl der Häuser könne sich eventuell noch auf 55 reduzieren. Eine Bestätigung dafür war aber nicht zu erhalten. Unterdessen bereiten die Akteure des „runden Tisches“ im Rathaus einen Brief an die Eigentümer der drei Immobilien vor, mit denen der Galeria-Konzern über Mietnachlässe verhandelt.

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Weiterer Adressat ist Sanierungsexperte Franz Kebekus, der das aktuell auslaufende „Schutzschirmverfahren“ von Galeria begleitet. Den Tenor des Schreibens, das von mehreren gesellschaftlich relevanten Gruppen unterzeichnet werden soll, erläutert Wirtschaftsförderer Thomas Westphal so: „Wir möchten alle Beteiligten bitten, statt einer Schließung einen kaufmännischen Weg zur Lösung der Probleme zu finden.“

Immobilien-Eigentümer verhandelt

Es könne nicht sein, dass allein der Anteil der Miethöhe nun entscheidend sei für das Aus eines Hauses. „Wir wissen noch immer nicht, ob auch andere Kriterien wie etwa die Zentralitätskennziffern einer Stadt oder die Kaufkraft zur Geltung kommen“, sagt Westphal. „Auch das wollen wir in dem Schreiben zum Ausdruck bringen.“ Der Brief soll nach der Abstimmung aller Unterzeichner in Kürze rausgehen.

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Einer der Empfänger dürfte die RFR Holding GmbH in Frankfurt sein. Sie verwaltet den deutschen Immobilienteil der weltweit tätigen RFR-Gruppe mit Sitz in den USA. Zu ihr gehört das Karstadthaus am Westenhellweg.

Die Verhandlungen mit dem Sanierungsexperten über die Miethöhe sind nicht abgeschlossen. „Wir befinden uns in Gesprächen“, sagt Birgit Ritscher-Filka von RFR. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, könne sie nicht sagen. Karstadt-Betriebsrat Löpke: „Wir hängen zwischen Baum und Borke.“

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