Demo im Kaiserviertel geplant: Fußgänger wollen Autos den Weg versperren

dz„Parking-Day-Parade"

Im Dortmunder Kaiserviertel regieren die Autos. Davon zumindest gehen die Initiatoren der dort im September geplanten „Parking-Day-Parade" aus. Wie ist der Eindruck vor Ort?

von Daniel Reiners

Dortmund

, 03.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein rund 50-köpfiger Zug bestehend aus Fußgängern soll am 18. September (Freitag) die Verkehrsstraßen des Kaiserviertels durchqueren und dabei den Autofahrern den Weg versperren.

Im Rahmen des alljährlichen Parking-Days – ein seit 2005 international jährlich begangener Aktionstag zur Re-Urbanisierung von Innenstädten – möchte die Nachbarschaftsinitiative „KA!SERN" mit dem Marsch auf ein Problem aufmerksam machen.

Es gehe um die beklemmende Situation, in der sich Fußgänger zwischen einer Überzahl an Verkehrsfahrzeugen wiederfinden, heißt es. Und darum, sich als Fußgänger wieder mehr „Raum" zu verschaffen, so „KA!SERN"-Mitglied Birgit Mattern.

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Im vergangenen Jahr hatte „KA!SERN" bereits einen Nachbarschaftstreff auf dem Robert-Koch-Platz organisiert, der auf Parkflächen stattfand und so Autofahrer davon abhielt, auf diesen zu parken.

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation sei ein solches Fest in diesem Jahr aber nicht möglich, so Mattern. Dennoch plane die Initiative auch diesmal, Fußgängern einen Tag in „Freiheit" zu ermöglichen.

Auf der Kaiserstraße kommen sich parallel Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer entgegen. Das kann für unübersichtliche Situationen sorgen.

Auf der Kaiserstraße kommen sich parallel Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer entgegen. Das kann für unübersichtliche Situationen sorgen. © Daniel Reiners

Eine „Parking-Day-Parade" soll durch sämtliche Straßen des Kaiserviertels ziehen, unter den Teilnehmern sollen Fußgänger, Rollstuhl- und Fahrradfahrer sein; allesamt mit dem Wunsch nach mehr Freiraum für alle Nicht-Autofahrer. Konkrete Forderungen werden mit der Demonstration allerdings nicht aufgestellt.

So empfinden Passanten des Kaiserviertels die dortige Situation

„Als Fußgänger hat man natürlich nicht nur im Kaiserviertel oft das Gefühl, unterzugehen oder einfach übersehen zu werden", sagt Mattern. Deshalb sei ein Tag wie der Parking-Day wichtig, um überzeugten Fußgängern wieder Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Rund zwei Wochen vor der Parade haben wir mit Passanten des Kaiserviertels über die dortige Situation gesprochen.

Anneliese (74) - Fußgängerin und Anwohnerin des Kaiserviertels

Für Anneliese (74), die seit sie denken kann im Kaiserviertel wohnt, stellt der tägliche Fußmarsch zum örtlichen Rewe-Markt kein Problem dar. Zu routiniert sind für sie die Verkehrs-Abläufe, als dass sie sich daran noch stören würde.

„Wenn man in einer großen Stadt wohnt, muss man eben auch mit der dortigen Verkehrs- und Parksituation umzugehen lernen. Da heißt es Augen offen halten und gegenseitig Rücksicht nehmen“, sagt die Rentnerin. „Da sind Autofahrer viel nachsichtiger als zum Beispiel Radfahrer", meint sie.

Peter (64) - Rentner und leidenschaftlicher Radfahrer

Obwohl Peter (64) selbst regelmäßig mit dem Rad durch das Kaiserviertel fährt – ein Hobby, das der Rentner für sich entdeckt hat, um sich fit zu halten – stellt er viele schwarze Schafe auf den dortigen Radwegen fest.

„Da gibt es Radfahrer, die so halsbrecherisch auf den Radwegen unterwegs sind, dass sie gerade für Kinder oder ältere Menschen zur echten Gefahr werden können.“

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Auch die Tatsache, dass es sich bei Radwegen ja um „Einbahnstraßen“ handele, sei bei vielen Radfahrern noch nicht in den Köpfen angekommen. Das sei viel gefährlicher, und letztlich auch beklemmender, als das Verkehrsaufkommen, sagt der 64-Jährige.

Jens (42) - Passant und regelmäßiger Autofahrer

„Ich wohne seit gut fünf Jahren in der Nähe des Kaiserstraßenviertels, und passiere es regelmäßig mit dem Auto. Was einem auffällt, ist die beklemmende Situation auf der Straße“, sagt Autofahrer Jens (42).

„Die meiste Zeit steht man natürlich - entweder auf Parkplatzsuche oder im Stau. Und zwischen den stehenden Autos überqueren dann logischerweise häufig Passanten die Straße.“

Das könne durchaus zu gefährlichen Situationen führen, zum Beispiel, wenn man als stehender Autofahrer wieder anfahre und sich im selben Moment Fußgänger vor dem Fahrzeug aufhielten.

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