Kabarettistin Lisa Eckhart erläutert grandios die Vorteile des Lasters im Spiegelzelt

dzFestival Ruhrhochdeutsch

Die ausgezeichnete Kabarettistin Lisa Eckhart knöpft sich beim Festival Ruhrhochdeutsch die sieben Todsünden vor und erklärt auf eigenwillig-amüsante Weise die Vorteile des Lasters.

von Britta Helmbold

04.10.2019, 01:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es ist mir zu künden davon, seid nicht maßlos mittelmäßig.“ Mit einem gereimten Intro startet Lisa Eckhart ihr neues grandioses Programm „Die Vorteile des Lasters“ am Donnerstag beim Comedy- und Kabarettfestival Ruhrhochdeutsch. Und erläutert lakonisch: „Ein Laster ist kein LKW.“

Gute zwei Stunden lang interpretiert die Österreicherin die sieben Todsünden auf eigenwillige, äußerst amüsante Weise. Zur Einleitung erklärt sie die diversen Höllenkreise. Da geht´s vom Wartezimmer einer ungarischen Zahnarztpraxis („Operiert mit Leidenschaft, ausgespült mit Gulaschsaft“) über das Studio „Vera am Mittag“ („Mein Papa ist zugleich mein Opa“) bis hin zu Deutschland im Jahr 2070, wenn Elsass-Lothringen wieder erobert ist und alles andere an Bayern verloren.

Die immer charmant lächelnde Österreicherin gibt sich zynisch

Lisa Eckhart inszeniert sich als wunderbar zynisch-grantige Österreicherin, plaudert pointiert und lässt das charmante Lächeln auch bei ihren schwarzhumorigen, boshaften Ausführungen, manchmal auch gereimt, niemals aus ihrem Gesicht verschwinden. Im eleganten Bademantel-Look, auf einem Barhocker sitzend und mit Armen und Händen gestikulierend verpackt sie in ihren sieben Kapiteln auf skurril-abstruse Weise Themen wie Rassismus und Faschismus, Klimakrise, gesundes Leben, Beziehungen... und ihre Kritik.

Zwischen ihren sarkastischen Überlegungen zu den Todsünden, die sie im Flüsterton ansagt, erklingt dramatisch-pathetische Musik und die Bühne wird in dunkles Rotlicht getaucht. Die im Mai mit dem Salzburger Stier ausgezeichnete Kabarettistin beklagt, dass die Welt zur einer Waldorfschule verkommen sei. „Ein grüner Smoothie ersetzt keinen Absinth.“ Und sie kennt die Kehrseite der Me-Too-Debatte: Nur noch Psychopathen wagen den ersten Schritt.

Wahrscheinlich verunglückt man im Liegen seltener als beim Sport

Zur Todsünde Trägheit führt sie aus, dass Sport dekadent sei. Früher arbeiteten die Leute am Fließband, heute laufen sie darauf. Sie warnt vor Tätigkeiten, deren Spaß im Aufhören liegt. Durch Sport lebe man zwar länger, aber habe diese Zeit durch Sport „verschissen“.

Das Prinzip der lebenslangen Partnerschaft hätten vor allem Frauen noch nicht begriffen. Es komme darauf an, der Pflegefall und nicht der Pfleger zu werden. Frauen aber suchten sich häufig ältere Partner. Vermutlich so ein Hausfrauen-Ding: „Die Reste müssen weg.“

Notre-Dame-Spenden als freiwillige Reparationszahlung

Zur Habgier fällt ihr ein, wie großzügig die Deutschen sind. Für Notre-Dame haben sie fleißig gespendet: „Die erste Reparation, die freiwillig gezahlt wurde.“

Freuen darf man sich schon auf den zweiten Teil ihres Programms: „Die Nachteile der Tugend“.

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