Kondome, Spritzen, Exkremente: „Jemand hat vor meine Garage gemacht“

dzSchulhof-Partys

Jugendliche bringen Anwohner einer Grundschule in Dortmund mit nächtlichen Schulhof-Partys auf die Palme. Ekelige Aufräumarbeiten bleiben an ihnen und der Grundschul-Hausmeisterin hängen.

Dorstfeld

, 16.06.2020, 11:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nils Kowalewski wusste, worauf er sich einlässt, als er vor zwei Jahren neben eine Grundschule und einen Kindergarten zog: Kinderstimmen und Spielgeräusche tagsüber, Gruppen von Jugendlichen in den Abendstunden.

„Dass es an manchen Abenden so schlimm wird, habe ich allerdings nicht gedacht“, sagt er. „Mit Partys mit mehr als 30 Leuten habe ich nicht gerechnet.“ Doch der Schulhof der Gutenbergschule an der Arminusstraße im Ortskern von Dorstfeld ist ein beliebter Treffpunkt. Jugendliche hören dort laut Musik, rauchen Wasserpfeife und trinken Alkohol.

Teils würden dort auch Drogengeschäfte abgewickelt, sagt Nils Kowalewski. Manche setzen sich ihre Spritze direkt vor Ort. „Eigentlich könnte man nicht schöner und ruhiger wohnen als hier“, sagt er dennoch. Wären da nicht die nächtlichen Eskapaden.

Polizei ist regelmäßig vor Ort

Gutenberg-Schulleiterin Angela Möller bestätigt die Probleme mit den Jugendlichen. Allerdings gebe es die bereits seit mehr als 20 Jahren – ohne dass irgendein Mittel großartig dagegen geholfen hätte.

„Über die Tore, die wir inzwischen haben, klettern sie einfach drüber“, sagt Angela Möller. „Und die Jugendlichen setzen sich so hin, dass sie sich in einem von der Straße aus nicht einsehbaren Bereich aufhalten.“

Die regelmäßigen Polizeistreifen haben deshalb keinen großen Effekt, sind sich die Schulleiterin und Nils Kowalewski einig. Zumal die Schule und der angrenzende Kindergarten St. Barbara nur tagsüber besetzt sind. „Aber wenn ich sie bei einem unmittelbaren Problem auf dem Schulhof rufe, kommen sie sofort“, sagt der Anwohner.

Die Jugendlichen zeigen sich davon jedoch offenbar unbeeindruckt. Selbst nach Platzverweisen kehren sie kurze Zeit später zurück, so Kowalewski. Jegliche Gespräche im Guten seien bislang ins Leere gelaufen, sagt Angela Möller.

Nils Kowalewski hat deshalb inzwischen eine Absprache mit seinen Nachbarn. „Einmal versuchen wir es freundlich, dann rufen wir sofort die Polizei.“

Jugendliche hinterlassen Scherben, Spritzen und Exkremente

Über fehlende Unterstützung der Polizei könne er sich also nicht beschweren. Die Stadt versuche zudem, Drogendealer abzuhalten, indem das Buschwerk so gering wie möglich gehalten werde. So sei der Bereich rund um die Schule heller und nicht mehr so brauchbar als Versteck.

„Aber leider hält das die meisten trotzdem nicht ab.“ Das Ergebnis sehen die Hausmeisterin der Grundschule und die Anwohner dann am nächsten Morgen. Regelmäßig finden sie Flaschen, Scherben, Kondome und Spritzen.

Besonders ekelig: Auch Exkremente landen hier und da in den Auffahrten der Anwohner. „Jemand hat vor meine Garage gemacht“, erzählt Nils Kowalewski.

Deshalb habe er inzwischen gleich zwei Tore, die sein Grundstück schützen sollen.

Doch auch das ohne großen Erfolg. „In der letzten Woche waren die Jugendlichen zwei Mal nachts in meinem Garten“, erzählt Nils Kowalewski am Montag (15.6.). „Sie haben Pflanzen aus meinem Teich gerissen.“ Zudem halten sie sich teils auch auf dem benachbarten Grundstück des Kindergartens St. Barbara auf.

Müll bleibt liegen

Ebenso wie auf dem Schulhof nutzen sie dort die Spielgeräte, rauchen Wasserpfeife und trinken Schnaps. „Auf dem Gelände des Kindergartens kommt es glücklicherweise nicht so häufig vor und ist auch mit der Zeit weniger geworden“, sagt Nils Kowalewski.

Die Begeisterung für den Schulhof als Treffpunkt scheint indes ungebrochen. „Aber die Polizei kann eben nicht täglich alles genau kontrollieren“, sagt Schulleiterin Angela Möller. „Mir ist nur wichtig, dass sie nichts kaputt machen. Ihren Müll sollten sie eigentlich auch selbst wegwerfen, aber mit der Bitte dringt man bei den meisten nicht durch.“

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