Jüdische Gemeinde Dortmund startet im Mai wieder mit Gottesdiensten

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Die jüdische Gemeinde in Dortmund wird ab Mai wieder öffentliche Gottesdienste feiern - mit einigen Einschränkungen. Dabei hatte sie für die vergangenen Wochen eine kreative Lösung gefunden.

Dortmund

, 24.04.2020, 21:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die christlichen Gemeinden in Dortmund haben es seit Wochen einfacher als die jüdische Gemeinde. Denn während Pfarrer und Pastoren ihre Gottesdienste sonntags problemlos im Internet streamen können, ist das für einen Rabbi nicht möglich.

Wie also einen Gottesdienst feiern, wenn der in der Synagoge nicht stattfinden darf und man gleichzeitig als gläubiger Jude am Sabbat, dem heiligen Tag der jüdischen Woche, weder Computer noch Smartphone benutzen soll?

Der Sabbat beginnt mit dem Sonnenuntergang am Freitag und endet mit dem Sonnenuntergang am Samstag. In der Zwischenzeit verwenden Gläubige keine Elektrik, sie widmen sich der Familie und dem Gebet.

„Wir treffen uns seit einigen Wochen kurz vor Beginn des Sabbats online“, sagt Rabbiner Baruch Babaev. „Wir singen zusammen Lieder, beten, ich predige und wir haben ein gesellschaftliches Gefühl.“

Zu Pessach verteilte die Gemeinde Wein und Brot

Pünktlich zum Sonnenuntergang wird das virtuelle Treffen beendet, damit jedes Gemeindemitglied in den Sabbat starten kann. Wenn der vorbei ist, trifft sich die Gemeinde am Samstagabend wieder online. „Aber nur kurz“, wie Babaev sagt. Denn je länger die Sonne scheint, desto später endet der Sabbat.

Erst am 16. April war das wichtige und mehrtägige jüdische Fest Pessach zu Ende gegangen, an dem Juden an den Auszug aus Ägypten erinnern. Auch hier ließ sich die jüdische Gemeinde Dortmund etwas einfallen. „Wir haben Brot und Wein an 700 Haushalte geliefert und für Kinder Pakete zusammengestellt, um ihnen zu zeigen, wie sie Pessach gestalten können.“

Ab dem 1. Mai darf die jüdische Gemeinde aber wieder Gottesdienste in der Synagoge feiern. Möglich macht das eine entsprechende Regelung der Landesregierung vom Donnerstag mit der Überschrift „Wiederaufnahme von Versammlungen zur Religionsausübung“.

Viel Abstand und häufiges Erinnern

„Das ist etwas Besonderes“, sagt Babaev. „Wir haben schon mit den Vorbereitungen angefangen.“ Die Synagoge im Kaiserstraßenviertel bietet normalerweise Platz für 100 Menschen.

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„Wir werden die Anzahl der Plätze aber begrenzen und älteren Menschen raten, nicht zu kommen. Sie haben sich schon so lange geduldet, sollen aber weiter gesund bleiben“, erklärt der Rabbiner.

Am Gebetspult werde man für ausreichend Abstand sorgen, ebenso in den Sitzreihen. Zwischen jedem verfügbaren Platz bleiben zwei frei, sodass rund 30 Menschen ab dem 1. Mai - übrigens ein Freitag - kommen dürfen.

„Wir werden den Gottesdienst oft unterbrechen, um an die Vorschriften zu erinnern und daran, dass man sich nicht zu nahe kommen soll“, sagt Babaev. „Ich möchte den Gottesdienst aber würdig und möglichst stressfrei gestalten. Die Menschen sollen sich nicht fühlen wie im Gefängnis.“

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