„Die Perspektiven der Nordstadt sind besser als die Gegenwart“

dzAbschied als Bezirksbürgermeister

Ludwig Jörder ist überzeugter Nordstädter. Der frühere Westfalenhallen-Chef war sechs Jahre Bezirksbürgermeister in der Nordstadt. Zum Amts-Abschied blickt er mit gemischten Gefühlen zurück.

Nordstadt

, 30.10.2020, 20:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich könnte Ludwig Jörder schon seit neun Jahren das Rentnerleben genießen. 2011 ging er als Hauptgeschäftsführer der Westfalenhallen in den Ruhestand. Doch dann musste eine Lücke auf der Kandidatenlisten der SPD für die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord gefüllt werden. „Ich habe mich breitschlagen lassen“, sagt Ludwig Jörder. Und er wurde nicht nur in die Bezirksvertretung, sondern gleich zum Bezirksbürgermeister für die Nordstadt gewählt.

Führungserfahrung konnte er dafür ebenso einbringen, wie eine lange politische Vita. Schon 1977 zog der promovierte Jurist für die SPD in den Rat der Stadt ein. 1985 wechselte er auf den Chefsessel der Westfalenhallen. Das Amt als Bezirksbürgermeister war dann gewissermaßen die dritte Karriere.

Image-Probleme sind schon alt

Und er hat den Schritt nicht bereut. „Das Amt hat auch Freude gemacht“, stellt der 74-Jährige rückblickend fest. Zur Kommunalwahl im September dieses Jahres trat er allerdings nicht mehr an. Am 31. Oktober hat Jörder seinen letzten Amtstag als Bezirksbürgermeister und nimmt nach mehr als 45 Jahren Abschied aus der aktiven Politik.

Ein leichtes Amt war und ist der Bezirksbürgermeister-Posten für die Nordstadt nicht. Mit rund 60.000 Einwohnern ist die Nordstadt größer als Tübingen oder Unna. Und es ist ein Stadtbezirk, der mit vielen Problemen beladen ist.

Das schwierige Image ist freilich nichts Neues. In den 1970er Jahre sorgte die Vergnügungs- und Rotlicht-Szene rund um den Steinplatz für Aufregung, erinnert sich Jörder, der 1970 als Jura-Student an der Ruhr-Uni Bochum in die Nordstadt kam. Hier gründete er eine Wohngemeinschaft an der Mallinckrodtstraße. Im selben Haus, in dem er später seine Anwaltskanzlei hatte.

Und auch als Chef der Westfalenhallen blieb er der Nordstadt treu. Inzwischen wohnt er mit Ehefrau Birgit Jörder, die als Bürgermeisterin in diesem Jahr ebenfalls ihren Abschied nimmt, in der Nähe des Fredenbaum-Parks.

Ludwig Jörder schätzt den Fredenbaumpark als Grün vor der Haustür.

Ludwig Jörder schätzt den Fredenbaumpark als Grün vor der Haustür. © Oliver Volmerich

Ludwig Jörder weiß als Nordstadt-Bewohner deshalb, wo der Schuh drückt. „Ein Hauptanliegen war, dass die Menschen sich hier wohlfühlen“, sagt er. Und deshalb kümmert sich die Politik vor allem um Probleme im Wohnumfeld. In vielen Bereichen ist die Sozialstruktur schwierig. Die Nordstadt ist ein junger und internationaler Stadtbezirk. „Man spricht vom Stadtteil des Ankommens“, sagt Jörder. Aber er wünscht sich, dass die Menschen auch in der Nordstadt bleiben, wenn es ihnen besser geht – so wie Jörder selbst. Schließlich hat die Nordstadt auch viele schöne Seiten.

Manches, was in der Nordstadt geleistet wird, erinnert Ludwig Jörder allerdings an Sisyphus-Arbeit. „Es gibt immer wieder Fortschritte und Rückschritte“, stellt er fest. Für Probleme sorgte zuletzt vor allem die ungesteuerte Zuwanderung aus Südosteuropa mit Menschen aus Bulgarien und Rumänien. Mit vereinten Kräften von Ordnungsamt und Polizei und mit Sozialprogrammen versuchen Stadt und örtliche Politik, für Besserung zu sorgen.

Wichtige Zukunfts-Projekte

Aber es gibt auch Projekte, die auf eine bessere Zukunft für die Nordstadt hoffen lassen. Dazu gehören etwa Wohnungsbaupläne im Borsigplatz-Quartier auf Flächen der ehemaligen Westfalenhütte.

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Große Hoffnungen setzt Jörder auf die Entwicklung der Areale im Norden des Hauptbahnhofs. Da weiß man noch gar nicht, wie viele Wohnungen entstehen können, stellt der SPD-Politiker fest. Am weitesten gediehen sind die Pläne für die Entwicklung der Speicherstraße am Hafen, die der Nordstadt neue Arbeitsplätze liefern soll – und vielleicht auch hilft, das Image aufzupolieren.

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Zum Abschied als Bezirksbürgermeister kann Ludwig Jörder deshalb durchaus zufrieden zurückblicken. „Es gibt noch jede Menge zu bewegen“, stellt er fest. „Aber die Perspektiven für die Nordstadt sind deutlich besser als die Gegenwart.“

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