Jedes Leben zählt – nicht nur ein bisschen

dzKolumne Gott und die Welt

Im Pfarrhaus der Saint Olaf Catholic Church in Minneapolis, wo der Afrikaner Goerge Floyd durch einen brutalen Polizeieinsatz ums Leben kam, hat unser Autor einige Zeit gelebt und erinnert sich.

von Prälat Dr. Peter Klasvogt

Dortmund

, 21.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Kommst Du mit? Wir gehen demonstrieren.“ – „Wogegen denn?“ – „Falsche Frage: Wofür! Für das Leben. Jedes Leben zählt. Black Lives Matter!“ Ich fand das gut: zum einen, dass unsere jungen Kollegen und Kolleginnen für eine gute Sache auf die Straße gehen wollten; und zum anderen, dass sie mich gefragt hatten, ob ich mitkomme. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen, dass jedes Leben wertvoll ist, egal welcher Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, religiösen Bekenntnisses oder ethnischer Herkunft.

Die Bilder vom Tod des Afroamerikaners George Floyd, der durch einen brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben kam, hatten mich sehr erschüttert. Ich habe dort wenige Jahre zuvor einige Zeit gelebt, im Pfarrhaus der Saint Olaf Catholic Church, und erinnere mich, wie selbstverständlich wir dort miteinander gebetet und gearbeitet, gefeiert und gelacht haben.

Große Solidarität

Ich denke an unsere afroamerikanischen Sänger im Gottesdienst, die indisch stämmigen Ministranten, unseren afroamerikanischen Finanzchef . . . Father Patrick, der Pfarrer der Gemeinde, berichtete von der großen Solidarität in diesen Tagen und von dem Engagement, mit dem sich die Gemeindemitglieder für Menschen aller Hautfarben einsetzen.

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Nicht nur schwarzes, jedes Leben zählt – auch das Leben der Obdachlosen, die nebenan untergebracht und versorgt werden; auch das Leben von armen, meist afroamerikanischen Familien, deren Häuser in einer groß angelegten Gemeindeaktion repariert werden (Habitat for Humanity); auch das Leben der Kinder von Immigranten in der Risen Christ School, zu 80 Prozent Latinos, die nicht nur schulisch, sondern ganzheitlich gefördert und auf das Leben vorbereitet werden.

Die Verpflichtung bleibt

Jedes Leben zählt, und nicht nur ein bisschen, sondern ganz, vollumfänglich. Auch hier bei uns, und ich habe den Eindruck: Da ist noch einiges zu tun, auch dann, wenn die starken Bilder der Proteste wieder in den Hintergrund rücken. Die Verpflichtung bleibt, dass wirklich jedes Leben zählt.

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„Was ist er Mensch, Gott, dass du an ihn denkst“, geht mir ein Psalmvers nicht aus dem Sinn. „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“ (Psalm 8) Jeder Mensch, gleich welcher Identität: ein Ebenbild Gottes. Jedes Kind, das geboren wird, ein Gottesgeschenk. Wer sind wir, dass wir Unterschiede machen?!

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