Jeden Abend um 19.30 Uhr: Ezan-Ruf von Dortmunder Moschee gegen die Corona-Krise

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Das Osterfest der Christen ist der Ramadan der Muslime. Beides wird diesmal anders gefeiert als üblich. Emre Gülec aus Huckarde geht es schlecht beim Gedanken daran. Doch es gibt Gebete.

Huckarde

, 29.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ostern bei den Christen wird ganz anders ausfallen als bisher. Das höchste Fest des Jahres wird öffentlich nicht gefeiert. Nicht vom Papst auf dem Petersplatz, nicht von den Kirchen in der ganzen Welt - auch nicht in Dortmund. Das trifft die Dortmunder Muslime ebenso in einer Zeit, in der sie ihr höchstes Fest feiern: Der Ramadan fällt nicht aus, aber er wird ganz anders ausfallen als sonst.

Der Dortmunder Rat der muslimischen Gemeinden (RMGD) geht zurzeit erst einmal in die Coronavirus-Initiative: Die zwölf Ratsvertreter rufen pensionierte Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger sowie Medizinstudenten auf, bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie zu helfen.

„Viele unsere Gemeinden bieten Nachbarschaftshilfen an“, heißt es in einem Schreiben - darunter zum Beispiel die Osman Gazi Moschee in Huckarde. Aber was genau? Emre Gülec ist der Vorsitzende der Ditib-Gemeinde, einer der zwölf Mitglieder des RMGD. Und der hat vor allem mit Blick auf den Ramadan ein ganz schlechtes Bauchgefühl.

Ein Ramadan wie nie zuvor

Er ist 50 Jahre alt, aber einen Ramadan (eine muslimische Fastenzeit) wie den nun anstehenden hat er noch nie erlebt. „Mitte April fängt die Zeit an - die wichtigste Zeit im Jahr für uns“, erzählt Gülec. Die Mitglieder besuchten dann verstärkt die Moschee in Huckarde: Es sind bestimmt 100 Muslime der 300 Mitglieder starken Gemeinde, und das jeden Abend. „Das wird dieses Jahr erstmals nicht so sein: Es wird der erste Ramadan ohne Moschee, ohne gemeinsames Fastenbrechen.“

Das sei für die zumeist türkischen, aber auch bosnischen und arabischen Muslime „nicht normal, nicht einfach“, so Gülec. „Wir werden den Ramadan zu Hause feiern und das Fastenbrechen unter Familienmitgliedern. Wir hoffen, dass das alles vorbei geht“, sagt er - aber einschätzen, wann es so ist, könne auch er nicht.

Die Gemeinde rund um die Osman Gazi Moschee mit dem Vorstand Emre Gülec bietet in der Nachbarschaft nun einen Einkaufsservice an. Jugendliche wollen Risikopersonen helfen.

Die Gemeinde rund um die Osman Gazi Moschee mit dem Vorstand Emre Gülec bietet in der Nachbarschaft nun einen Einkaufsservice an. Jugendliche wollen Risikopersonen helfen. © Gülec

Die türkisch-islamische Gemeinde will das Beste daraus machen. Es gibt derzeit junge Muslime, die Nachbarschaftshilfe anbieten: Jeden Tag gehen zwei Personen einkaufen: für ältere Gemeindemitglieder und für diejenigen, die zur Corona-Risikogruppe gehören.

Das geschehe zurzeit noch viel Gemeinde-intern. „Wir haben intern bessere Möglichkeiten, das Angebot zu unterbreiten. Die Gemeindemitglieder haben das also als erste erfahren. Aber unser Ziel ist, der ganzen Nachbarschaft zu helfen“, sagt Emre Gülec. Hilfsbedürftige könnten Einkaufszettel per WhatsApp oder auch per Telefon schicken: Sie erreichen Nisa Sönmez unter Tel. 0152 04770548 und Sefa Ateş unter Tel. 0176 47312995.

„Stimmung ist zurzeit sehr, sehr schlecht“

„Es ist auch für uns wirklich eine schwierige Zeit“, sagt Emre Gülec: „Wir haben keine Gottesdienste mehr, keine Jugend- und Seniorenarbeit.“ Man versuche über Facebook und WhatsApp Kontakt zu halten. „Aber die Stimmung ist zurzeit sehr, sehr schlecht.“

Immerhin: In Huckarde gibt es in Absprache mit der Bezirksvertretung und der Urbanuskirche jeden Abend um 19.30 Uhr analog zum Glockengeläut der Kirchen einen sogenannten Ezan-Ruf, also einen kurzen Gebetsruf: „Wir wollen zeigen, dass unser Gemeindeleben weitergeht. Wir möchten unsere Solidarität zeigen. Wir beten gegen das Coronavirus und für die ganze Menschheit.“

Etwa jeden zweiten Abend gehe man zudem bei Facebook live, um in einem zwei- bis dreiminütigen Gebet gemeinsam innezuhalten.

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